Das christliche Medienmagazin

Fernsehen & Co.: Unbequeme Wahrheiten (Teil 2)

Die unbegrenzte Medienvielfalt hat verheerende Auswirkungen auf unsere Gesellschaft. Davor warnen immer mehr Wissenschaftler und Pädagogen deutlich als je zuvor. Auswirkungen haben Fernsehen und Computer insbesondere auf die Entwicklung und das Verhalten von Kindern und Jugendlichen. Lesen Sie heute Teil 2 der Analyse aus der neuen Ausgabe des Christlichen Medienmagazins "pro".
Von PRO

Ellen Nieswiodek-Martin & Andreas Dippel

Besonders verheerend sind die Zusammenhänge zwischen Medien und Gewalt, wie wissenschaftliche Untersuchungen zeigen. Spätestens bei gewaltsamen Computerspielen etwa sehen die Jungen nicht nur, wie die Kugel den “Gegner” trifft. Sie können sogar selbst zur Waffe greifen, um sich ballern, morden. Sicher, auch Kinder wissen, dass der Bildschirm nicht zwangsläufig die Realität abbildet, möchten viele Experten glauben machen. Unter dem Motto: Nicht jeder Jugendliche, der bei einem Gewaltspiel am Computer Menschen erschießt, tut das auch in Wirklichkeit. Das stimmt sogar. Viele weitere unheilvolle Faktoren in der Familie, im Freundes- und Bekanntenkreis, müssen zusammenkommen, um einen jugendlichen Computerspieler zum Amokläufer werden lassen.

Gewalt aus dem Schulhof

Nach einer Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN) steht dennoch fest, dass Kinder und Jugendliche mit einem eigenen Fernsehgerät oder einer Spielkonsole im Zimmer später eine erhöhte Gewaltbereitschaft entwickeln. Schon das Schlagen und Hänseln von Mitschülern auf dem Pausenhof nimmt bei Viertklässlern signifikant zu, die einen eigenen Apparat ihr Eigen nennen. Der Besitz einer Spielkonsole verdoppelt sogar das Risiko, dass ein Kind in irgendeiner Form gewaltauffällig wird, so die KFN-Studie.

Doch die Förderung von Gewaltpotential ist nicht die einzige Auswirkung der neuen Medien. Auch der Bildungsstandard leidet unter dem Einfluss der Dauerberieselung. Das KFN befragte 6.000 Schüler der 4. Klasse in elf Städten und Landkreisen nach ihrem Fernseh- und Computerspiele-Verhalten und verglich mit den Angaben deren Schulnoten in den Fächern Deutsch, Sachkunde und Mathematik. Ergebnis: Kinder, die einen eigenen Fernseher oder Spielkonsole im Zimmer haben, haben durchweg schlechtere Schulnoten als ihre Mitschüler, die wesentlich weniger Zeit vor den Bildschirmen verbringen. Denn statt den PC “pädagogisch wertvoll” für Lernprogramme zu nutzen, ist doch in den meisten Fällen genau das Gegenteil der Fall: Computerspiele sind einfach unterhaltsamer als Programme zum Lernen von Englischvokabeln.

Mahnungen an Erzieher und Lehrer

Die Ergebnisse erschüttern die häufig vertretene Ansicht, Kinder möglichst früh mit Fernsehen und Computer vertraut zu machen. Im späteren Berufsleben kämen die Jugendlichen ja ohne ausreichende PC-Kenntnisse nicht zurecht, wird immer wieder angeführt. “Wir sehen mit Sorge, dass Erzieher in Kindergärten heute zwar mit dem Computer, dafür aber nicht mehr mit der Gitarre umgehen können”, sagt Christian Pfeiffer, Leiter des Kriminologischen Instituts, dazu. Die Entwicklung der Kinder wird durch zu frühen Fernseh- und Videospiele-Konsum schlicht unzureichend gefördert.

Medienkompetenz: Eltern sind gefragt

Bei aller Kritik und Selbsterkenntnis steht eines fest: Medien sind Bestandteil dieser Gesellschaft und werden sich daraus nicht mehr verdrängen lassen. Und: Medien sind verführerisch, weil sie so bequem sind, keine Anstrengung fordern. Wenn wir unsere Kinder nicht der Faszination von Fernsehwirklichkeiten und dem Sog der Computerspiele überlassen wollen, müssen wir ihnen helfen, zu einem verantwortlichen und kritischen Umgang zu finden und selbst ein gutes Vorbild geben. Medienkompetenz lautet das Schlüsselwort.

Eltern würden ihr Kind niemals allein auf den Straßenverkehr loslassen oder ein Grundschulkind ohne Begleitung in die nächste Großstadt schicken. Die Gefahren, die der Straßenverkehr mit sich bringt, sind uns allen bewusst. Die Einflüsse und Auswirkungen, die ein unkontrollierter und unkritischer Medienkonsum mit sich bringt, werden hingegen noch immer zu wenig bedacht.

Wenn sie nicht auf eine medienfreie Insel ziehen wollen, bleibt Eltern und Erziehern nichts anderes übrig, als vom Kindergartenalter an konsequent Medienerziehung zu üben. Abschalten ist die erste Regel, die Kinder lernen müssen. Medienkompetenz bedeutet aber auch: unterscheiden zwischen guten und schlechten Angeboten. Dafür müssen sich Erwachsene als Vorbilder und Gesprächspartner hinterfragen lassen.

Aber auch die Programmmacher und Spiele-Hersteller sind gefragt: Sie haben eine Verantwortung gegenüber den Nutzern, die sie nicht den Verkaufszahlen und Zuschauerquoten unterordnen dürfen. Dabei geht es um wesentlich mehr, als nur darum, ob bei Filmen oder Spielen die Altersfreigaben beachtet werden. Auch wir als Publikum tragen Verantwortung: Sei es durch gezielte Kritik, Leserbriefe und Anfragen oder durch Teilnahme an Zuschauerbefragungen. Solange wir nur hinnehmen, was uns die Medien bieten, solange wir die Rechnung zahlen ohne Widerspruch und Protest, wird sich nichts ändern.

Zitieren wir nochmals Manfred Spitzer, den Freund klarer Worte: “Zusammenfassend zeigt sich, dass ein Computer genau das Gegenteil dessen bewirkt, was Eltern für ihre Kinder wollen. Um es daher noch einmal klar zu sagen: Wer seinem Kind in körperlicher, geistiger und seelischer Hinsicht etwas Gutes tun will, der kaufe ihm keinen Computer! Und wer in Schule oder Kindergarten Verantwortung trägt, der sorge dafür, dass finanzielle Mittel nicht für Computer ausgegeben werden, sondern für Kreide und vor allem für die Einstellung guter Lehrer und Erzieher.”

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