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Feministin öffnet Moschee in Kirchenräumen

Im Juni öffnet in Berlin-Moabit eine liberale Moschee – und zwar in den Räumen einer Kirche. Gegründet hat sie die Frauenrechtlerin Seyran Ateş. Frauen und Männer sollen dort gleichberechtigt beten und predigen.
Von Anna Lutz
Seyran Ateş ist bekannt für ihre Kritik am konservativen Islam. Nun eröffnet sie eine liberale Moschee.
Seyran Ateş ist bekannt für ihre Kritik am konservativen Islam. Nun eröffnet sie eine liberale Moschee.

Die bisher vor allem als Frauenrechtlerin und Friedensaktivistin bekannte Rechtsanwältin Seyran Ateş hat in Berlin Räume für eine liberale Moschee angemietet. Dort sollen Frauen und Männer ab Juni gleichberechtigt beten und predigen. Die aus der Türkei stammende Autorin unterzeichnete am Freitag einen Mietvertrag in der evangelischen Johanniskirche im Stadtteil Moabit.

Die Eröffnung der Ibn Rushd-Goethe-Moschee in der dritten Etage eines Anbaus der Kirche ist für den 16. Juni geplant. An diesem Tag wird Ateş auch ein Buch mit dem Titel „Selam, Frau Imamin” veröffentlichen, in dem sie ihre Beweggründe für die Gründung der Moschee darlegt. In Europa ist der Gelehrte Ibn Rushd unter dem Namen Averroes bekannt. Er lebte in Andalusien und Marokko, verfasste bedeutende Kommentare zum Werk des griechischen Philosophen Aristoteles.

Moschee soll sichtbares Symbol sein

„Ich hoffe, dass wir später ein eigenes Gebäude für unsere Moschee haben werden”, sagte Ateş der Deutschen Presse-Agentur. Es sei ihr wichtig, dass diese Moschee „sichtbar” sei, auch um dem Religionsverständnis der konservativen Islam-Verbände in Deutschland etwas entgegenzusetzen. Die liberale Moschee soll Sunniten, Aleviten, Schiiten und Sufis gleichermaßen offenstehen.

Der Generalsekretär der Türkisch-Islamischen Union (Ditib), Bekir Alboga, wollte sich zu der neuen Moscheegemeinde nicht konkret äußern. Er erklärte aber auf Anfrage, auch jede Ditib-Moschee stehe für jeden offen, „unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft Nationalität, politischer oder weltanschaulicher Gesinnung”. Im Ditib-Verband gebe es mehr als 150 weibliche Religionsbeauftragte: Predigerinnen, Theologinnen und Lehrerinnen.

Für den orthodoxen Islam ein Tabu

Frauen hätten in vielen islamisch geprägten Ländern zwar die Möglichkeit, andere Frauen oder Mädchen religiös zu unterweisen oder mit ihnen zusammen zu beten, erklärte die Leiterin des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam, Susanne Schröter. Die Leitung eines Freitagsgebetes durch eine Frau stelle aber „für den orthodoxen Islam ein Tabu dar, obwohl es nicht durch den Koran verboten ist”. In vielen deutschen Moscheen hätten Frauen keinen eigenen Gebetsraum oder einen, der sehr viel kleiner sei als der Raum der Männer. Das Projekt von Ateş nannte Schröter „zukunftsweisend”. Sie erklärte: „Abgesehen von der ‘Liberalen Gemeinde Rheinland’ ist mir keine Gemeinde bekannt, die ein derartiges Angebot bereitstellt.”

Seyran Ateş (54) kämpft als Anwältin und Aktivistin seit Jahren gegen häusliche Gewalt, vermeintliche „Ehrenmorde” und die Zwangsverheiratung muslimischer Migrantinnen. Sie war Mitglied der Deutschen Islamkonferenz, bevor die Teilnahme auf muslimischer Seite auf Verbandsvertreter begrenzt worden war. (pro/dpa)

Von: al/dpa

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