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Felmberg: Glaube Herzstück der menschlichen Existenz

Der Bevollmächtigte des Rates der EKD, Prälat Bernhard Felmberg, hat am heutigen Dienstag als erster Religionsvertreter im Rahmen einer ordentlichen Parlamentssitzung vor dem Europarat in Straßburg gesprochen. Der Theologe betonte, dass "Religion integraler Bestandteil individueller und kollektiver Identität" sei.


Von PRO

Foto: EKD

Zugleich warnte Felmberg davor, Menschen auf ihre Religion zu reduzieren. Die Religion sei lediglich ein Aspekt der eigenen Persönlichkeit, der aber sehr dominant und machtvoll sein könne. Der Prälat hob hervor, dass alle Religionen einen wertvollen Beitrag zum Gemeinwesen leisten können und auch sollten. Vereint zu sein in der Unterschiedlichkeit, so Felmberg, sei das Leitmotiv der europäischen Integration.


Regelmäßiger Dialog des Staates mit seinen Religionsgemeinschaften


Im Christentum gebiete schon der Öffentlichkeitsauftrag des Evangeliums den Kirchen, das Evangelium in Wort und Tat zu verkündigen. Felmberg hob die "öffentliche Mission der Kirche" hervor, die sich durch die Bibelstelle "Suchet der Stadt Bestes" (Jeremia 29,7) begründe. Offene, pluralistische Gesellschaften könnten von den verschiedenen Beiträgen der Religionen profitieren, müssten aber auch die Rahmenbedingungen dafür erhalten. Die ungestörte Religionsausübung und ein regelmäßiger Dialog des Staates mit den Religionsgemeinschaften seien dafür unerlässlich. Dass ein solcher Dialog im Vertrag von Lissabon für die Europäische Union verbindlich vorgeschrieben sei, sei vorbildlich. Lange bevor die Menschen für politischen Frieden gekämpft hätten, hätten sie nämlich für ihr Recht zu glauben oder nicht zu glauben gekämpft. "Sie haben es getan, weil der Glaube das Herzstück der menschlichen Existenz ist." Es sei die höchste Pflicht des Staates dieses Recht zu schützen.


Der EKD-Bevollmächtigte betonte auch, dass es nicht nur eine religiöse Seite des interkulturellen Dialogs gebe, sondern auch eine kulturelle Seite des interreligiösen Dialogs: "Wenn Vertreter und Geistliche neu zugewanderter Religionen die Sprache des Landes nicht richtig sprechen, dessen Recht und Kultur nicht richtig verstehen, haben wir ein Problem. Das gleiche gilt, wenn Traditionen fremder Kulturen – etwa hinsichtlich der Rolle der Frau – in der Diaspora für sakrosankt erklärt werden", unterstrich Felmberg.


"Interkulturelle Woche" ein gutes Beispiel

Als positives Beispiel für gelingenden interreligiös-interkulturellen Dialog führte der Felmberg die "Interkulturelle Woche" an, die jedes Jahr maßgeblich von den Kirchen in Deutschland durchgeführt wird. Solche Projekte böten Gelegenheit, miteinander und voneinander zu lernen und gemeinsam der Gesellschaft zu dienen. In diesem Sinne rief der Prälat die Religionsführer auf: "Lassen Sie unseren besonderen religiösen Beitrag zum Gemeinwohl einen der Solidarität, der Hoffnung und des Friedens sein."

Die Plenarversammlung des Parlaments verabschiedete nach der Debatte einen Bericht zur "Interreligiösen Dimension des interkulturellen Dialogs". Mehr Kontakte und gemeinsame Veranstaltungen sollen in Zukunft helfen, Spannungen zwischen Religionsgemeinschaften innerhalb der multikulturellen Gesellschaften abzubauen. Der Europarat wurde 1949 gegründet und umfasst heute 47 europäische Staaten einschließlich Russland und der Türkei. Er fördert Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie. Der zum Europarat gehörige Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) entscheidet häufig zu Fragen der Religionsfreiheit.

Neben Felmberg gehören der rumänisch-orthodoxe Patriarch Daniel, der Präsident des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog Jean-Louis Kardinal Tauran, der Präsident der Behörde für Religionsfragen Mehmet Görmez (Diyanet) und der Oberrabbiner Russlands Lazar zu den fünf geladenen Religionsführern. (pro)

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