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Fehlt der Kirche Lebensnähe?

Wie lebensnah ist die Kirche noch, hat Günther Jauch seine Gäste gefragt. Der Moderator diskutierte das Thema am gestrigen Sonntag mit Zuschauern, die sich nach der letzten Sendung gemeldet hatten, Prominenten und hochrangigen Kirchenvertretern.
Von PRO

Foto: ARD/Marco Grob

Oskar Lafontaine, Ex-SPD-Kanzlerkandidat und heutiger Linken-Politiker, betonte, dass er an die christliche Soziallehre glaube. Die Kirche nehme heutzutage vor allem die wichtige Aufgabe wahr, Werte zu vermitteln.

Kirche braucht „klare Kante“

Hamburgs Weihbischof Hans-Jochen Jaschke bemängelte die Entwicklung seiner Kirche. Die Entfremdung vieler Menschen von der Kirche tue ihm weh. „Der Mensch muss der Weg der Kirche sein“, hoffte Jaschke. Eine Kirche ohne Barmherzigkeit könne dagegen keine Kirche sein. So wie derzeit, dürfe es nicht weitergehen. Die Institution Kirche müsse an vielen Stellen „klare Kante“ zeigen. Dazu gehöre auch, dass menschliches Leben unteilbar schützenswert ist.

Kaum Gegensätze gab es zwischen Jaschke und und seinem protestantischen Kollegen Nikolaus Schneider. Das eine Glied leide mit, wenn es dem anderen schlecht gehe, meinte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Er warb darum, Gottesfurcht und Menschenliebe nicht gegeneinander auszuspielen. Beiden Kirchen gemeinsam sei der Glaube an Gott. Im Gegensatz zum Katholizismus habe der Protestantismus keine ewig gültigen Dogmen. Dessen Glaubenssätze müssten sich zu jeder Zeit neu beweisen. Die rote Linie komme durch das Wort Gottes und durch Jesus.

Hand der Kirche immer ausgestreckt

Der Journalist Johannes B. Kerner berichtete, wie er als junger Mensch aus der  Kirche ausgetreten sei. Trotz seiner Zweifel an manchen Entscheidungen habe ihm der zuständige Kaplan zugesichert, dass die Hand der Katholischen Kirche immer ausgestreckt sei. Kerner habe sich intensiv mit katholischen Positionen auseinandergesetzt und sei dann wieder eingetreten. Von der Kirche wünscht er sich: „Wer Barmherzigkeit als Wort in den Mund nimmt, der muss barmherzig handeln.“ In der Debatte um den Arbeitgeber Kirche werde vergessen, wie viele Menschen, wichtige Dinge tun: „Durch die Debatte wird deren Arbeit und Leistung diskreditiert.“

Silvia Löhrmann, die Vize-Regierungschefin von Nordrhein-Westfalen, sah vor allem in der schleppenden Aufklärung der Missbrauchsfälle und dem falschen Verhalten in Bezug auf das Vergewaltigungsopfer in Köln ein Dilemma der Kirche. Aus Sicht der Grünen-Politikerin, die im Zentralrat der Katholiken sitzt, müsse sich Kirche fragen, ob sie noch nah genug bei den Menschen und den Gläubigen ist. Zu Wort kam auch Klaus Lohmann. Er ist Leiter einer Katholischen Kindertagesstätte und Bruder von Martin Lohmann. Er war für seinen Auftritt bei Günther Jauch in der vergangenen Woche scharf kritisiert worden. Auch Klaus Lohmann warf seinem Bruder vor, dass er verantwortungslos und unklar in seiner Meinung gewesen sei: „Wir dürfen nicht so tun, als ob wir auf alle Fragen eine Antwort haben“, meinte Klaus Lohmann.

In vielen Bereichen versagt

Drei Beispiele zeigten, welche Schwierigkeiten Menschen mit dem Arbeitgeber Kirche haben. Der Glaube spiele in ihrem Leben oft noch eine wichtige Rolle, aber nicht die Amtskirche. Weihbischof Jaschke ermahnte die eigene Kirche in diesem Zusammenhang, kluge Entscheidungen zu fällen. Nikolaus Schneider missfiel vor allem, dass sich etliche diakonische Einrichtungen bei der Refinanzierung an den billigsten Anbietern orientieren würden.

Oskar Lafontaine stellte dagegen die Frage, ob die Kirche überhaupt noch eine Sonderrolle einnehmen muss, was die Bezahlung der Mitarbeiter betreffe. Das Prinzip Nächstenliebe und die Würde des Menschen schließe Dumpinglöhne aus. Auch bei Leiharbeit werde die Menschenwürde mit Füßen getreten: „Hier erwarte ich ein klareres Wort der Kirchen.“ Aufgabe der Kirche, so Weihbischof Jaschke, müsse es sein, Vertrauen und Glaubwürdigkeit im Dialog mit den Menschen zurück zu gewinnen. Johannes B. Kerner bilanzierte: „Es ging auch schon anders. Aber mittlerweile lässt die Katholische Kirche kein Fettnäpfchen aus.“ (pro)

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