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„FDP und Evangelische Kirche entfremden sich“

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Pascal Kober nimmt eine zunehmende Distanz zwischen seiner Partei und der Evangelischen Kirche wahr. In einem Gastbeitrag in der Tageszeitung Die Welt kritisiert er, dass die Kanzeln der evangelischen Kirche „rot-grün geworden“ seien.
Von PRO
Pascal Kober kritisiert in einem Gastbeitrag in der Tageszeitung Die Welt die Evangelische Kirche

Foto: Deutscher Bundestag / Thomas Imo/photothek.net

Pascal Kober kritisiert in einem Gastbeitrag in der Tageszeitung Die Welt die Evangelische Kirche

Der FDP-Politiker Pascal Kober beklagt, dass sich viele kirchliche Verlautbarungen kaum noch von roten und grünen Parteipositionen unterschieden. Der Theologe vermisst von Seiten der Kirche ein „beherztes Eintreten für die Marktwirtschaft und die für sie konstitutiven Elemente Leistung und Wettbewerb. Dies beklagt er in einem Gastbeitrag für die Tageszeitung Die Welt.

Der Kirche fehle die Begeisterung für Technologie und Fortschritt sowie die Sehnsucht nach wissenschaftlicher Erkenntnis und Zukunftsoptimismus. Die Skepsis gegenüber Technik und Fortschritt könne er nicht nachvollziehen. Schließlich erwarteten Christen das Gute aus der Zukunft. Sie „wissen um ihre menschlichen Möglichkeiten und zugleich Begrenztheiten, diese aktiv mitzugestalten“.

Kirchenobere reagieren mit „selbstbewusster Gleichgültigkeit“

Das öffentliche Leiden kirchlicher Vertreter am Marktwirtschaftlichen der Sozialen Marktwirtschaft sei theologisch nicht begründet. Protestantismus sei auch immer die Idee gewesen, der Glaube lasse sich durch Vernunft verstehen. Viele FDP-Politiker befremde, dass die Kirche über Tempolimits und die Finanzierung von Flüchtlingsschiffen diskutiere: „In der Sehnsucht nach Aufmerksamkeit werden Moralismus, Trivialität und politische Gesinnung zur kirchlichen Botschaft“, schreibt Kober.

Auf die diesbezügliche FDP-Kritik reagierten die Kirchenoberen „mit selbstbewusster Gleichgültigkeit“. Mit dieser Reaktion entfremde sich die evangelische Kirche „von gesellschaftlich relevanten Milieus und ihren Erwartungen“. Kober verweist auf „brillante Analysen und Diskussionsbeiträge“ zu Gegenwarts-Fragen. „Diese nach allen Seiten hin offene Diskursfreudigkeit sollte sich auch wieder konsequenter in den öffentlichen Verlautbarungen der Kirche widerspiegeln.“

Wenn dies gelinge, finde die evangelische Kirche wieder mehr Respekt und Gehör bei allen gesellschaftlich relevanten Akteuren. In Frankreich und den angelsächsischen Ländern stehe politischer Liberalismus eher für Trennung von Kirche und Staat. In Deutschland verdanke der Liberalismus sein Entstehen „ganz wesentlich dem kirchlich eng verbundenen und dem damals noch sehr kleinen Teil des gegenüber der Demokratie aufgeschlossenen protestantischen Bürgertums“. Dafür stehe unter anderem der evangelische Pfarrer und Namensgeber der FDP-nahen Stiftung, Friedrich Naumann.

Der 48-Jährige Kober ist stellvertretender FDP-Landesvorsitzender in Baden-Württemberg und war von 2014 bis 2017 als Militärpfarrer tätig.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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