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Fatwas für die Hosentasche: App der Muslimbruderschaft

In einer eigenen App bietet die islamistische Muslimbruderschaft Fatwas für die Muslime in Europa an, also muslimische Rechtsgutachten. Zunächst hatte Google die App aus seinem App Store verbannt, weil die dahinterstehende Organisation antisemitisch ist. Doch mittlerweile ist die App wieder kostenlos erhältlich.
Von Jörn Schumacher
In der „Euro Fatwa App“ können Muslime nachsehen, was gemäß einer Fatwa der Muslimbruderschaft erlaubt, und was verboten ist

Foto: European Council for Fatwa and Research

In der „Euro Fatwa App“ können Muslime nachsehen, was gemäß einer Fatwa der Muslimbruderschaft erlaubt, und was verboten ist

In der „Euro Fatwa App“ werden Fragen darüber beantwortet, wie ein Muslim leben sollte. Dahinter steht der „European Council for Fatwa and Research“ (ECFR) mit Sitz in Dublin. Eine Fatwa ist ein islamisches Rechtsgutachten, die Muslimbruderschaft gibt viele davon heraus. Die App gibt etwa Ratschläge zur Gleichberechtigung, zu häuslicher Gewalt und der Einnahme von Medikamenten während des Fastenmonats Ramadan. In der App kann der Nutzer verschiedene Themen auswählen. Unter dem Stichwort „Gesellschaft“ steht etwa der Eintrag, dass viele Getränke Alkohol enthalten, auch wenn sie nicht als solche deklariert sind, etwa Coca Cola. Unter „Politik“ steht unter dem Stichwort „Terrorismus“: „Es gibt keine Verbindung zwischen dem Konzept des Islamischen Dschihad und Terrorismus.“ Das Programm gibt es für iOS von Apple und Google-Smartphones.

In der Beschreibung der App heißt es, sie solle die europäischen Muslime dazu befähigen, „den Regularien und Gepflogenheiten des Islams zu folgen und ihre Pflichten als muslimische Bürger zu erfüllen“. Die App wurde Ende April auf einer muslimischen Messe in Paris erstmals vorgestellt. Laut dem Vorsitzenden des Fatwa-Ausschusses in Deutschland, Khaled Hanafy, wurde die App in den ersten vier Tagen nach Veröffentlichung mehr als tausend Mal heruntergeladen.

Weihnachtsgrüße sind o.k., mitfeiern nicht

Susanne Schröter, Professorin an der Goethe-Universität Frankfurt und Direktorin des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam, sagte gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), die Muslimbruderschaft versuche, „den Muslimen ihren Wahrheitsanspruch überzustülpen“. Schröter erklärte, für moderne Muslime spielten Fatwas kaum eine Rolle. „Muslime wissen ohnehin, was sie tun müssen, weil sie ihren Verstand benutzen, der im Islam ja auch eine wichtige Rolle spielt.“ Die Muslimbruderschaft werde für eher friedlich und tolerant angesehen, sagt Schröter.

Der Vorsitzende des Fatwa-Ausschusses in Deutschland, Khaled Hanafy, beantwortet in einem YouTube-Video auf Arabisch mit deutschen Untertiteln die Frage, ob es „dem deutschen Muslim und den islamischen Institutionen erlaub ist, Nicht-Muslimen zu Weihnachten zu gratulieren“. Die Antwort: Es sei ok, solange man selbst nicht mitfeiert.

Die FAZ weist in diesem Zusammenhang auch auf die antisemitischen Ansichten des führenden Theologen der Muslimbruderschaft, Jussuf al-Qaradawi, hin. „Die Muslimbruderschaft und al-Qaradawi unterstützen Gewalt von Palästinensern gegenüber Israelis“, schreibt die Zeitung. Die „Befreiung Jerusalems von den Juden“ sei unbedingtes Ziel der Organisation. Die Zeitung schreibt weiter: „Als die britische Times darauf aufmerksam machte, reagierte Google und verbannte die ‚Euro Fatwa App‘ vorübergehend aus seinem App Store.“ Inzwischen sei das Programm wieder im App Store erhältlich.

Von: Jörn Schumacher

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