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„Fastenpredigt“ oder „fast eine Predigt?“

Luisa Neubauer hat eine engagierte Rede zum Klimaschutz gehalten. War das wirklich eine Predigt? Jürgen Mette hat Zweifel.
Von PRO
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Eine Predigt ist mehr als eine politische Rede Foto: pro/Jürgen Mette
Eine Predigt ist mehr als eine politische Rede

„Gott wird uns nicht retten“, sagte die Christin und Klimaaktivistin Luisa Neubauer am 28. Februar in einer „Fastenpredigt“ zum Thema „Von der Sorge!“ (Mt.6,25 ff.) im Berliner Dom.

Man sagt, Luisa Neubauer sei die deutsche Greta Thunberg, nur ein paar Jahre älter. Was hat diese Fridays-for-future- Protagonistin auf der Kanzel des Berliner Doms zu suchen? Berliner Dom? War da nicht etwas? Ist das nicht die Kirche, die seit Jahren dem jährlich stattfindenden „Marsch für das Leben“ die Abschlussfeier im Dom verweigert? Scheinbar sind die Verantwortlichen bei Anderen großzügiger, die die Kanzel sogar als Rampe für eine politische Botschaft missbrauchen.

Und dann diese Provokation: „Gott wird uns nicht retten, das werden wir tun. Weil wir es wagen, die Schwere der Krisenbewältigung anzunehmen.“ Diese These ist genau das Gegenteil von dem, was Christen glauben. Was soll das? Solche Sätze vermutet man eher als Parole beim Parteitag der Grünen, aber doch nicht in einer Kirche, die der Heiligen Schrift und den Bekenntnisschriften verpflichtet ist.

Der „alte Adam“ in mir läuft sich warm und bringt Druck auf die Leitung, die meinen Empörungsgenerator auf Touren bringt. Aber ich folge meinen Prinzip, zuerst die Fakten, zuerst das Original hören. So schaue ich mir den Gottesdienst online an.

Ich erlebe eine charmante junge Frau, deren Stimme noch jugendhaft klingt, obwohl sie schon 25 Jahre alt ist. Mit eindringlicher Leidenschaft und sanfter Vehemenz spricht sie von den Sorgen unserer Zeit, vom Sterben der Arten und von unsrer Verantwortung als Christen für die Schöpfung. Sie erreicht mein Herz und Gemüt. Und dann dieses traurige Fazit: Gott wird uns nicht retten, wir müssen uns selbst retten!

„Rettung“ ist mehr als Klimaschutz

Ist das eine bewusste Provokation im Sinne von: „Macht Gott nicht verantwortlich für das, was ihr euch durch Maßlosigkeit und Ignoranz selbst eingebrockt habt, erwartet nicht, dass Gott euch aus diesem Dilemma retten wird, die Suppe müsst ihr selbst auslöffeln“? Wenn das Ziel der Rede gewesen sein sollte, dann war es eine gute Rede. Nur: Es war keine biblisch fundierte „Predigt“, weil „Rettung“ im soteriologischen, biblischen Sinn weit mehr ist als nur ein Umweltbewusstsein.

Rettung aus christlicher Sicht ist immer an den Retter gebunden: Jesus. Darum würde ich aber Frau Neubauer kein Kanzelverbot erteilen. Doch ich würde den ausgezeichneten Vortrag nicht als Predigt plakatieren, sondern als das, was er ist: Als Rede einer engagierten Umweltschützerin. Und wer das tut und keine soteriologische Tiefe erwartet, der wird keinen Grund zur Empörung finden.

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