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“Familie ist das Abbild Gottes”

Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst wurde auf der Herbstversammlung der deutschen Bischöfe zum katholischen Familienbischof in Deutschland gewählt. In dieser Position soll er bundesweit das kirchliche Familienbild fördern. In der Dienstagsausgabe der Tageszeitung "Die Welt" spricht er über Ehe und Familie sowie die Rolle des Christentums in der säkularen Gesellschaft.

Von PRO

Foto: Bistum Limburg

Scharfe Kritik äußert der Bischof in dem Gespräch mit Gernot Facius auch an der von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder geplanten stärkeren Bezuschussung von künstlicher Befruchtung: "Statt den vielen Familien zu helfen, im Alltag Familie zu leben und ihre Kinder zu verantwortlichen und selbstständigen Menschen zu erziehen, werden spektakuläre Einzelmaßnahmen als Familienförderung angepriesen." Die Schwere künstlicher Befruchtungen werde oft bagatellisiert: Aus Sicht des Theologen gehe es hierbei nicht um den absoluten Wert des Lebens oder um einen würdevollen Umgang auch mit den eigenen Grenzen, sondern um Interessen und Präferenzen.



Wert des menschlichen Lebens nicht relativieren



Auch die Diskussion zur Präimplantationsdiagnostik (PID) im Deutschen Bundestag habe ihn erschreckt. Wenn das Leben als absoluter Wert relativiert werde, "gerät man in Widersprüche". Ähnliches betrachte er bei Fragen der Abtreibung: Dem Auftrag, die Praxis des Paragrafen 218 nach einiger Zeit zu überprüfen, sei der Gesetzgeber bis heute nicht nach gekommen. Tebartz-van Elst sieht darin ein Ergebnis gesellschaftlicher Veränderungen: "Wo es noch vor wenigen Jahren einen offensichtlichen Wertekonsens gab, stellt sich die Situation heute disparater dar. Das bereitet mir Sorge. Gerade, wenn es um den Lebensschutz geht", so der Theologe.



Vom Familienbild hat der 52-Jährige klare Vorstellungen. Er begrüße alle Initiativen, die den Erziehungsauftrag der Eltern unterstützen: "Wo Eltern in der Lage sind, ihren Kindern in den ersten drei Lebensjahren all das zu geben, was der seelischen und leiblichen Entwicklung des Kindes dient, sollte der Staat dies unbedingt fördern." Zielrichtung der Bemühungen um das Wohl des Kindes müssten die Stärkung der Eltern in ihrer Erziehungsverantwortung sein.



Ehe und Familie alternativlos



Aus Sicht von Tebartz-van Elst kann es keine Alternative zum christlichen Bild von Ehe und Familie geben: "Wir sind mit unserem Verständnis von Ehe und Familie up to date, weil junge Menschen sie nach wie vor in ihrer Lebensplanung als erstrebenswert erachten und sie an die erste Stelle setzen. Wer in den persönlichen Beziehungen Zuverlässigkeit und Treue erlebt, der geht mit Veränderung und Brüchen in unserer Gesellschaft zuversichtlicher um", betont der Theologe.



Mit Ehe und Familie sei wesenhaft die Bereitschaft verbunden, Nachkommen das Leben zu schenken und sie auf dem Fundament lebenslanger Treue ins Leben zu begleiten: "Im christlichen Verständnis sind Kinder ein Geschenk, denn in ihnen nimmt die Liebe der Partner neue Gestalt an. Die Weitergabe des Lebens gehört für Christen existenziell zum Schöpfungsverständnis." Als Familienbischof habe er die Aufgabe, dieses Bild deutlicher herauszustellen.



Klare Worte findet Tebartz-van Elst auch zur Homo-Ehe: "Gott hat Mann und Frau füreinander geschaffen, aus ihrer lebenslangen Verbindung in Liebe und Treue erwächst Nachkommenschaft. An dieser Schöpfungswirklichkeit können und dürfen wir nicht vorbeigehen." So sehr homosexuell veranlagten Menschen persönlicher Respekt gebühre, so wenig dürfe das christliche Verständnis von Ehe und Familie dadurch relativiert werden. Die Gesellschaft brauche gerade dann das Zeugnis der Kirche, wenn Ehe und Familie nicht mehr so geschützt würden, wie es die Mütter und Väter des Grundgesetzes festgelegt haben: "Deshalb ist der Ehe von Mann und Frau eine unverwechselbare Priorität zu geben, um es noch deutlicher zu sagen: ihr Alleinstellungsmerkmal zu stärken", erklärt der 52-Jährige.



Jesus Christus unüberbietbare Selbstmitteilung Gottes



In Bezug auf den Islam sieht der Geistliche, was die Stellung von Ehe und Familie, die Bewahrung der Schöpfung und den Schutz des Lebens betrifft, durchaus Übereinstimmungen. Der Unterschied liege aber eindeutig in den Glaubensfragen: "Wo wir als Christen in Jesus Christus die unüberbietbare Selbstmitteilung Gottes begreifen und bekennen, kommen der Zuspruch und der Anspruch des Evangeliums zur Geltung. Europa ist ein Kontinent, der wesentlich geprägt ist von der Botschaft des Evangeliums."



Die christliche Leitkultur bedeute nicht, dass andere Kulturen keinen Platz in der Gesellschaft hätten. Viele Werte und Haltungen kämen aus dem Gottes- und Menschenbild des Evangeliums und seien durch die christliche Prägung des Kontinents so sehr zum Allgemeingut unseres Denkens geworden, dass wir sie nicht mehr ausdrücklich als christlich identifizierten: "Rechtsprechung, Rechtsstaatlichkeit und Rechtsauffassung verdanken sich dem christlichen Menschenbild. Unser Grundgesetz beruft sich ausdrücklich auf dieses Fundament und lässt sich nicht anders verstehen."



Der Interviewte war zunächst als Wissenschaftler tätig und lehrte als Professor für Pastoraltheologie an der Universität Passau. 2003 bestellte ihn Papst Johannes Paul II. zum Weihbischof von Münster, wo er ein Jahr später auch die Bischofsweihe empfing. 2007 wurde er von Papst Benedikt XVI. nach seiner Wahl durch das Domkapitel zum neuen Bischof von Limburg ernannt. Tebartz-van Elsts Name wird immer wieder einmal genannt, wenn es um die Nachfolge wichtiger Positionen in der Katholischen Kirche geht. Von Experten wird er auch als potentieller Nachfolger des Kölner Erzbischofs Joachim Kardinal Meisner gehandelt. (pro)

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