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Facebook: Wahrheit in Gefahr

Facebook möchte seine Nutzer darüber entscheiden lassen, welche Nachrichten zuverlässig sind. Warum das nach hinten losgehen kann. Ein Kommentar von Swanhild Zacharias
Von PRO
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Facebook will Fake News bekämpfen, in dem es die Nutzer entscheiden lässt, was vertrauenswürdig ist

Foto: obs/dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH/Franziska Gabbert/dpa

Facebook will Fake News bekämpfen, in dem es die Nutzer entscheiden lässt, was vertrauenswürdig ist

Facebook-Nutzer sollen in Zukunft darüber entscheiden, welchen Nachrichten in dem Sozialen Netzwerk man trauen kann und welchen nicht. Das kündigte Gründer Mark Zuckerberg vor einigen Tagen an. Es gebe zu viel „Sensationsgier, Fehlinformation und Polarisierung”, schrieb er in einem Blogeintrag zur Begründung der Entscheidung.

Facebook reagiert damit auf eine Entwicklung, die schon im vergangenen Jahr diskutiert wurde: Fake News, also absichtlich falsch erstellte Informationen, sind in dem Sozialen Netzwerk zusehends zu einem Problem geworden. Besonders viel Aufmerksamkeit hat zum Beispiel die Diskussion um die US-Wahl und die angeblich Involvierung russischer Hacker erhalten. Mittlerweile festigt sich die Erkenntnis, dass viele Nutzerkonten während des Wahlkampfs mit Internettrollen der russischen Regierung in Verbindung standen.

Facebook ist seit Monaten bemüht, das Problem Fake News in den Griff zu bekommen. Nicht nur einmal wurde dem Netzwerk von erbosten Nutzern deshalb Zensur vorgeworfen, weil einzelne Personen in der Facebook-Zentrale über Wahrheit und Lüge entschieden. Auf ähnlichen Protest stieß auch das Netzwerkdurchsetzungsgesetz in Deutschland.

Nun will sich Facebook also aus der Verantwortung ziehen und den Nutzern die Entscheidung überlassen. Ein kluger Schachzug, denn so kann dem Netzwerk selbst keine Zensur vorgeworfen werden.

Gefahr der Filterblase

Auf den ersten Blick erscheint das Vorhaben vorteilhaft für den Nutzer: Er kann selbst entscheiden. Es wird ihm keine Sichtweise aufgezwungen.

Auf den zweiten Blick offenbart sich jedoch das Problem: Viele Nutzer stecken in einer sogenannten „Filterblase“. Weil Facebook registriert, welchem Nutzer welche Themen gefallen und nur das anzeigt, bekommen viele nur noch Informationen aus ihrer eigenen „Blase“ zu sehen. Hinzu kommt, dass viele Menschen Facebook als erste Informationsquelle nutzen. So kann sich eine bestimmte Weltsicht durchsetzen, die die eigene Meinung bestätigt – egal, ob sie der Wahrheit entspricht oder nicht.

Die Filterblasen zeigen: Was manche Nutzer als vertrauenswürdige Quelle empfinden, entpuppt sich als Fake News oder Verschwörungstheorie. Wir erleben das bei der Betreuung der Social-Media-Kanäle von pro regelmäßig: Da wird ein dubioser Link mit zweifelhaftem Wahrheitsgehalt in den Kommentaren gepostet und flugs entsteht eine Diskussion um eine Nachricht, die es eigentlich so gar nicht gibt. Die Nutzer dann von der Unwahrheit der Nachricht zu überzeugen, ist oft nicht einfach. Das neue Vorhaben von Facebook wird so zum Problem.

Natürlich gibt es auch viele Nutzer, die nicht auf solche Beiträge hereinfallen. Doch gerade dubiose Inhalte haben oft das Potenzial, weit zu streuen, weil sie häufig Aufreger sind und die Gemüter der Menschen erhitzen.

Im Zweifel wird durch Facebooks geplante Methode also ein falsches Welt- und Nachrichtenbild verbreitet. Das ist gefährlich und manipulativ. Gerade deswegen gibt es Journalisten, deren Profession es ist, zu recherchieren und Wahres vom Unwahren zu trennen.

Von: Swanhild Zacharias

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