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Facebook: Öffentlich leben – von der Wiege bis zur Bahre

Das soziale Netzwerk "Facebook" sorgt wöchentlich für Schlagzeilen. Die neueste Veränderung, die "Facebook-Timeline" (in Deutschland "Chronik"), beschäftigt nicht nur die Medien, sondern auch Jugendschützer und Pädagogen. Die Initiativen "Klicksafe" und "Schau Hin!" beraten Eltern und Jugendliche zum sicheren Umgang mit der neuen Funktion.
Von PRO

Foto: ahorsewithnoname1972 (CC-BY-NC-SA)

Die "Timeline" ist eine Mischung aus Tagebucharchiv und Lebenslauf. Kommentare, Bilder, Videos, Freundschaftsanfragen sowie andere auf Facebook hinterlassene Einträge des Nutzers werden auf einer Zeitleiste chronologisch dargestellt. In Deutschland heißt die Funktion dementsprechend "Chronik". Private Nutzer können sie seit Dezember 2011 freiwillig aktivieren. Damit ist in Kürze Schluss: Laut Medienberichten soll die Chronik in den nächsten Wochen zur Pflicht werden – ob der Nutzer will oder nicht. Ist die "Timeline" einmal aktiviert, kann man nicht mehr zur alten Profilansicht wechseln. Einen Weg zurück gibt es für keinen der 845 Millionen Nutzer weltweit.

Die "Timeline" sei ein neuer Weg, sich darzustellen und zu erklären, wer man sei, sagte Facebook-Gründer Mark Zuckerberg bei einer Präsentation im September 2011. Sein Ziel ist schnell erklärt: Alle Nutzer sollen möglichst ihren vollständigen Alltag auf "Facebook" erfassen und mit anderen teilen können. Zuckerberg nannte es die "zentrale Plattform eines Lebens", auf der man alle Aktivitäten von der Wiege bis zur Bahre nachverfolgen kann. Wer beispielsweise wissen möchte, was ein Facebook-Freund am 14. Februar 2010 gemacht hat, kann dies künftig mit wenigen Mausklicks herausfinden.

Nicht jeder teilt die Euphorie des Facebook-Gründers. Vor allem Datenschützer warnen davor, dem Netzwerk private Angelegenheiten anzuvertrauen. Zum Börsengang des Unternehmens veröffentlichte das Unternehmen seine Bilanzen. Demnach stammen 85 Prozent der Einnahmen aus der Werbung. Hinter dem sozialen Netzwerk steht ein Wirtschaftsunternehmen mit 3.200 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 3,2 Milliarden Dollar.

Facebook speichert alles


Wer die Chronik aktiviert, könnte sich wundern, welche Einträge und Fotos zum Vorschein kommen. Das liegt auch daran, dass Facebook auch das kürzeste Chatprotokoll und die peinlichsten Bilder oder Statements speichert. Dabei müssen die Bilder nicht auf der eigenen Facebookseite abgelegt sein: Auch Fotos, die Freunde hochgeladen und mit Namen gekennzeichnet haben, werden angezeigt. Es ist aber möglich, die Sichtbarkeit für ältere Beiträge nachträglich zu ändern.

Worauf man achten sollte und wie man Sicherheitseinstellungen "chroniksicher" macht, erklären zwei medienpädagogische Initiativen: "Schau Hin!", die Initiative des Bundesfamilienministeriums, beschreibt auf ihrer eigenen "Facebook"-Seite, worauf Nutzer achten sollen, bevor sie die Chronik aktivieren. Zwar blieben die bisherigen Sicherheitseinstellungen erhalten, dennoch sollten Nutzer die Sichtbarkeit jedes einzelnen Beitrages für Andere überprüfen und anpassen. Persönliche Informationen lassen sich über den Button "Informationen bearbeiten" unter dem Titelbild der Chronik-Profilseite ändern.

Sichtbarkeit überprüfen


Die EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz, "Klicksafe", hat zum Start der Facebook-Chronik in Deutschland die kostenlose Broschüre "Info zur Facebook-Chronik-Leitfaden zum Schutz der Privatsphäre in Sozialen Netzwerken Facebook" herausgegeben. Mittels Screenshots bekommen Nutzer konkrete Anleitungen, wo sie welche Sicherheitseinstellungen vornehmen können. Beispielsweise kann die Sichtbarkeit von Beiträgen über das "Aktivitätenprotokoll" verwaltet werden.

Ist die Chronik aktiviert, dauert es noch sieben Tage, bis sie für andere angezeigt wird. Die Experten empfehlen, in dieser Zeit die bisher auf der Timeline aufgelisteten Beiträge und Informationen durchzugehen, gegebenenfalls aus der Ansicht zu entfernen oder die Sichtbarkeit auf einen kleineren Personenkreis anzupassen.

Die achtseitige Broschüre "Info zur Facebook-Chronik" hält weitere konkrete Tipps bereit. Sie kann auf der Seite klicksafe.de im Bereich "Themen" als pdf-Dokument heruntergeladen werden. (pro)


http://www.klicksafe.de/service/aktuelles/news/detail/aktuelle-klicksafe-info-zur-facebook-chronik/
http://www.facebook.com/schauhin?sk=app_330584066982126
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