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Experten fordern mehr digitale Bildung

In Berlin haben verschiedene Initiativen eine stärkere Förderung digitaler Schulbildung gefordert. Bei der Konferenz „Bildungsmediale” gaben Experten zudem einen Ausblick darauf, wie Lernen in Zeiten moderner Medien bald aussehen könnte.

Von PRO

Foto: Woodapple/Fotolia

Schulen in Deutschland fehlt ein einheitliches medienpädagogisches Konzept. Diese Meinung vertrat Horst Niesyto von der Initiative „Keine Bildung ohne Medien” am Donnerstag. Seine Organisation hatte gemeinsam mit der Initiative „D21”, dem „Bündnis für Bildung” und dem Tagesspiegel zur Konferenz „Bildungsmediale – Schule in der digitalen Gesellschaft” eingeladen. Hannes Schwaderer von „D21” kritisierte einen „Wildwuchs” in deutschen Schulen in Sachen digitales Lernen und forderte einheitliche Standards. Christine Hauck vom „Bündnis für Bildung” erklärte, es nütze nichts, einfach Computer in die Schulen zu stellen, dann aber weiterhin Frontalunterricht mit dem Laptop zu machen. Deutschland brauche neue Unterrichtskonzepte. Zudem müssten Lehrer in die Lage versetzt werden, die Inhalte zu vermitteln.

Der Erziehungswissenschaftler Rudolf Kammerl gab einen Einblick in das Medienwissen junger Menschen. Kinder und Jugendliche nutzten Facebook und Co. zwar, wüssten aber nicht viel über die Hintergründe, etwa Datenschutzfragen in Sozialen Netzwerken. „Heute ist jeder im Netz”, sagte Kammerl, es gebe aber massive Unterschiede bei der Medienkompetenz der Kinder. Diese sei unter anderem durch das Bildungsniveau der Eltern bestimmt. Zwar sei an Schulen teilweise die Ausstattung zum medialen Lernen vorhanden, sie werde aber zu wenig genutzt. Medienbildung sei „zu unverbindlich und zu selten”, es gebe zum Beispiel keine Qualitäts- oder Erfolgskontrollen. Erhebungen zeigten, dass drei Viertel aller Lehrkräfte zwar denken, die Schule müsse sich in diesem Bereich mehr engagieren, aber nicht mal ein Fünftel der Lehrkräfte nutze die Gelegenheit dazu. Medienkompetente Schulabsolventen entschieden sich selten für ein Lehramtsstudium, sondern eher für technische Berufe. Deshalb werde das Thema in der Schule wohl auch künftig eine geringe Rolle spielen.

Lernen mit Google Glass

Andreas Breiter vom Institut für Informationsmanagement an der Universität Bremen zeigte auf, dass Deutschland laut Pisa-Studie im Bereich der informationstechnologischen Ausstattung im internationalen Vergleich im hinteren Mittelfeld rangiere – ungefähr gleichauf mit Mexiko, Polen und Thailand. Laut einer Studie der Universität Bremen ist die Mediennutzung durch Lehrkräfte aber stark angestiegen. Von einer „rasanten” Entwicklung sprach Breiter im Bereich der Grundschulen. Vor zehn Jahren habe dort so gut wie niemand moderne Medien benutzt, heute sei es ein Drittel der Lehrer.

Einen Blick in künftige Möglichkeiten des Lernens warf Christoph Igel vom Deutschen Forschungszentrum für künstliche Intelligenz. Schon heute suchten junge Menschen eher auf Youtube nach Informationen und nicht mehr so sehr in Textangeboten. Künftig werde es in der Schule zunehmend dreidimensionale Angebote geben. Igel sprach die Möglichkeiten digitaler 3D-Brillen an, mithilfe derer Schüler etwa den Aufbau einer Wirbelsäule lernen können, indem sie sich optisch durch den Knochen bewegten. Außerdem könnten intelligente Lernsysteme genutzt werden, die sich auf den einzelnen Schüler und dessen Lerngeschwindigkeit und -niveau einstellten. Igel präsentierte ein Beispiel digitalen Lernens mithilfe des Instruments „Google Glass”. Schüler könnten virtuell unterstützt lernen, zum Beispiel das Motherboard eines Computers zu wechseln. Tipps zum richtigen Vorgehen könnten durch die Datenbrille im Sichtfeld aufleuchten, ebenso wie Korrekturen. „Und wenn sie fertig sind, werden Sie vom System auch noch gelobt”, sagte Igel. (pro)

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