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Experten: Antisemitismus in “erheblichem Umfang” in Deutschland

Der Antisemitismus ist in "erheblichem Umfang" in der deutschen Gesellschaft verankert. Das sagen Experten in einem Bericht, den sie am heutigen Mittwoch dem Bundeskabinett präsentiert haben. Bei der Verbreitung von Antisemitismus spiele Propaganda im Internet eine besondere Rolle.
Von PRO

Foto: jaime.silva / flickr

Judenfeindliche Einstellungen sind nach Einschätzung von Experten in "erheblichem Umfang" in der deutschen Gesellschaft verankert. Rechtsextreme, Holocaustleugner
und extremistische Islamisten nutzten das Internet demnach mit großer Selbstverständlichkeit als Plattform für ihre Propaganda, schreibt der unabhängige "Expertenkreis Antisemitismus" in seinem ersten Bericht.

Nach einem entsprechenden Bundestagsbeschluss hatte die
Bundesregierung den Expertenkreis im Jahr 2009 eingesetzt, um verstärkt gegen Antisemitismus vorzugehen. In dem Bericht heißt es, seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges sei der Antisemitismus in der öffentlichen Debatte weitgehend tabuisiert gewesen. Es spreche einiges dafür, dass diese Tabuisierung nun unterlaufen werde: Es gebe mittlerweile eine "bis weit in die Mitte der Gesellschaft verbreitete Gewöhnung an alltägliche judenfeindliche Tiraden und Praktiken".

Latenter Antisemitismus bei 20 Prozent der Bevölkerung

Antisemitische Einstellungen basierten auf weit verbreiteten Vorurteilen, tief verwurzelten Klischees und auch auf schlichtem Unwissen über Juden und das Judentum. Die Experten werteten verschiedene Untersuchungen aus, die auf Meinungsumfragen unter der Bevölkerung basieren. Sie ergäben übereinstimmend, dass es bei etwa 20 Prozent einen latenten Antisemitismus gebe. Jedoch seien die
Meinungsumfragen methodisch mit einer Reihe von Problemen behaftet,
schränkten die Experten die Aussagekraft der Ergebnisse ein.

Bei der Verbreitung antisemitischer Einstellung unter der Bevölkerung nehme Deutschland im europaweiten Vergleich einen Mittelplatz ein. "Dabei ist zu betonen, dass Deutschland trotz einer beständigen Auseinandersetzung mit seiner nationalsozialistischen Vergangenheit und trotz einer weitgehenden öffentlichen Tabuisierung des Antisemitismus im Allgemeinen höhere Werte erreicht, als die
westeuropäischen Länder Italien, Großbritannien, Niederlande und Frankreich", heißt es in dem Bericht. Zum Teil extrem hohe Antisemitismuswerte gebe es in Polen, Ungarn und Portugal.

Diskriminierung von Juden auch im Sport

Nach Angaben der Experten sind rassistische, rechtsextreme und antisemitische Parolen auch auf deutschen Fußballplätzen an der Tagesordnung. "Beschimpfungen gegnerischer Mannschaften als ‘Juden’ sowie insbesondere Beleidigungen jüdischer Spieler und Angehöriger jüdischer Mannschaften gehören zum deutschen
Fußballalltag", schreiben die Experten. Gegenmaßnahmen würden auch deshalb erschwert, weil sich diese Vorgänge weniger in den Vereinen, sondern eher im Umfeld der Fangemeinden abspielten.

Der bedeutendste politische Akteur beim Antisemitismus sei nach wie vor das rechtsextremistische Lager. "Gleichzeitig ist der Antisemitismus ein bedeutendes ideologisches Bindeglied in der Ideologie des keineswegs homogenen Rechtsextremismus", heißt es in dem Bericht. Er habe deshalb eine besondere Bedeutung für die Integration der Anhänger des Rechtsextremismus und deren Identität. (dpa/pro)  

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