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Evangelische Theologin an der Grünen-Spitze

"Glaube ist ein verlässlicher Anker." Das sagte die neue Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt im Interview mit dem Magazin "Stern". Die 46-Jährige studierte Theologin soll ihre Partei neben Fraktionschef Jürgen Trittin in den Bundestagswahlkampf führen.
Von PRO
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"Stern"-Autor Arno Luik hat Katrin Göring-Eckardt interviewt, die 1966 im thüringischen Friedrichsroda geboren wurde. Sie studierte Theologie, ist verheiratet mit dem Pfarrer Michael Göring und hat zwei Kinder. Seit 2005 ist sie Bundestagsvizepräsidentin und war drei Jahre lang Fraktionschefin der Grünen. Nun ist sie Spitzenkandidatin der Grünen für die Bundestagswahl 2013.

Luik stellt fest, dass die Bundeskanzlerin evangelische Pfarrerstochter ist und der Bundespräsident ein evangelischer Pfarrer. Mit Katrin Göring-Eckardt als Vizekanzlerin fiele dann auch dieses Amt in die Hände evangelischer Christen. Doch Göring-Eckardt weist diese Spekulation von sich: "Da müsste es ja eine Koalition zwischen Schwarz und Grün geben, und die sehe ich nicht." Dafür stehe zwischen den Programmen beider Parteien eine zu große Lücke.

Bei der Synode der Evangelischen Kirche vor zwei Wochen in Timmendorfer Strand begrüßte Göring-Eckardt Kanzlerin Merkel "im Kreis ihrer Glaubensgeschwister". "Wir gehören der gleichen Kirche an, glauben an den gleichen Gott, kennen und singen dieselben Lieder", sagt die Grünen-Politikerin gegenüber "Stern" und fügt hinzu: "Aber deswegen haben wir ja noch lange keine politischen Gemeinsamkeiten." In Fragen zum Betreuungsgeld, zur Adoption durch homosexuelle Paare und zur Umweltpolitik etwa gehe sie nicht konform mit der CDU-Position. "Außerdem: So wie Innenminister Friedrich heute über die Sinti und Roma herzieht – das hat nichts mit uns zu tun!"

"Glaube ist für mich Heimat"

Zu wissen, dass es nicht nur Politik gebe, verschaffe ihr Gelassenheit, sagt Göring-Eckardt. "Glaube, das ist für mich Heimat, ein verlässlicher Anker. Da kann man hingehen, wenn es sonst nicht mehr weitergeht. Jeden Tag lese ich einen Bibelvers, irgendwann am Tag, das brauche ich." Auf ihrem Schreibtisch steht ein Holzkreuz, das ihr Sohn vor vielen Jahren in der Grundschule geschnitzt hat. "Mir ist dieses Kreuz heilig, es wird immer auf meinem Schreibtisch stehen."

Der Vorwurf, die Kirche habe eine "Blutspur" in der Geschichte hinterlassen, etwa in Form von Hexenverfolgung, halte sie nicht von ihrer Treue gegenüber der Kirche ab. "Das ist eine schreckliche Geschichte, aber sie erschüttert meinen Glauben nicht. Und auch die Aufklärung hat seit der Französischen Revolution eine Blutspur hinterlassen, und dennoch will niemand unaufgeklärt sein." Für evangelische Christen gehöre die Aufklärung und der Zweifel zum Glauben, so Göring-Eckardt.

Religionen seien nur dann gefährlich, wenn sie missbraucht werden. "Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein", ist sie überzeugt. "Jesus fordert, seine Feinde zu lieben." Sie fügt hinzu: "Ich mache nicht Politik mit der Bibel in der Hand als religiöse Frau, sondern lasse mich von dem Friedenswillen Jesu leiten." (pro)

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