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Evangelische Kirche rechnet mit geringeren Einnahmen

In einem Interview der Neuen Osnabrücker Zeitung zeigt sich der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, besorgt über ausbleibende Kollekten. Weiterhin warnt er vor gesellschaftlichen Herausforderungen wegen des Coronavirus.
Von PRO
Macht sich Sorgen um fehlende Einnahmen: Heinrich Bedford-Strohm

Foto: pro/Martina Blatt

Macht sich Sorgen um fehlende Einnahmen: Heinrich Bedford-Strohm

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) rechnet wegen der Corona-Krise mit geringeren Einnahmen aus der Kirchensteuer. Das sagte der Ratsvorsitzende der EKD, Heinrich Bedford-Strohm, am Samstag der Neuen Osnabrücker Zeitung. „Wir rechnen schon in diesem Jahr mit spürbar weniger Kirchensteuern und im nächsten Jahr sogar mit einem noch stärkeren Rückgang.“ Gründe sieht er in den Auswirkungen der aktuellen Krise auf den Arbeitsmarkt. „Wir werden genau hinsehen müssen, welche Dinge wir dann noch finanzieren können und welche nicht mehr“, sagte Bedford-Strohm.

Durch den Ausfall der vielen Gottesdienste breche auch die Kollekte weg. Daher hoffe er, dass die Menschen andere Wege zum Spenden finden. Ihm sei bewusst, dass dies viel verlangt ist, besonders „in Zeiten, in denen womöglich im eigenen Haushalt eine finanzielle Unsicherheit besteht“.

Blick auf den Nächsten nicht verlieren

Trotz aller finanziellen Sorgen müsse man im Kampf gegen das Virus immer die Würde des Menschen im Blick behalten, betonte Bedford-Strohm im Interview. „Das oberste Ziel muss es sein, Leben zu retten, unabhängig von der Altersgruppe und unabhängig von der wirtschaftlichen Produktivität eines Menschen. In einer Gesellschaft so zu handeln ist ein Zeichen von Humanität”, sagte er. Dennoch dürfen die Maßnahmen nicht dazu führen, dass alte Menschen keine Kontaktmöglichkeiten mehr haben. Jeder sei aufgerufen in seinem persönlichen Umfeld zu prüfen, wie soziale, aber auch wirtschaftliche Sorgen gemindert werden können. „Wenn die Wirtschaft einbricht, wird auch damit viel Leid verbunden sein“, warnte Bedford-Strohm.

In der Pflicht sieht er daher wohlhabende Bürger. Von einer Reichenabgabe wolle er zwar nichts wissen, dennoch könnten gerade vermögende Menschen nach der Krise einen Beitrag leisten, „um die Folgen zu bewältigen“.

Kritik an Bundesregierung

Bedford-Strohm fordert im Interview der neuen Osnabrücker Zeitung, trotz der Corona-Krise in Deutschland, den Blick für das Leid in der Welt nicht zu verlieren. „Alle Menschen sind vor Gott gleich – auch die, die unter der Heuschreckenplage in Ostafrika oder in den Flüchtlingslagern der Welt leiden.“ Diese Menschen dürfe man jetzt nicht vergessen. Der Theologe kritisiert „sehr deutlich, dass Deutschland seine Zusage, gemeinsam mit anderen europäischen Staaten 1.500 Kinder aus Moria auf Lesbos auszufliegen, bis heute nicht erfüllt hat“.

Von: Martin Schlorke

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