Das christliche Medienmagazin

Eva Hermans Tagebuch aus dem Medienzirkus

Wieder ein Buch von Eva Herman. In "Die Wahrheit und ihr Preis" erzählt die ehemalige NDR-Moderatorin und "Tagesschau"-Sprecherin, wie es ihr in den turbulenten Monaten des Jahres 2007 erging und wie sie erst den Job und dann ihre Reputation verlor. Unabhängig von Hermans Thesen zu Familienpolitik ist das Buch ein Lehrstück für jeden Medieninteressierten.
Von PRO

Foto: Thomas Holbach / Wikipedia

Eva Herman schreibt sich mit diesem Buch den Frust von der Seele. Ihr Versprechen, kein Buch der "kalten Rache" schreiben zu wollen, hält sie jedoch ein. Auch wenn es ihr – besonders bei der ausführlichen Beschreibung der Sendung "Johannes B. Kerner", in der sie wie vor einem großen Medien-Tribunal verurteilt wurde – an manchen Stellen sichtbar schwerfällt. "Alles ist verziehen und vergeben", schreibt Herman. Denn: "Das wichtigste Naturgesetz, das Grundgerüst allen Seins auf dieser Erde ist die Liebe! Ohne Liebe wird unsere Erde untergehen." Doch das Entsetzen über den Wirbelsturm, der über sie hinweg gezogen ist und deutliche Spuren hinterlassen hat, durchzieht ihr Buch.

Der Maßstab, den sie bei ihrer Intention für ihr Buch anlegt, erscheint zunächst extrem hoch gesetzt, doch wer ihre Version des Medien-Skandals liest, dem mag es durchaus berechtigt erscheinen: Ihr Buch wolle aufzeigen, "welche spektakulären, gleichzeitig beängstigenden Mechanismen sich heutzutage in einem vermeintlich freien, demokratischen Staat und im Angesicht der gesamten Öffentlichkeit entwickeln können, wenn eine öffentliche Person das Gebiet des herrschenden Zeitgeistes verlässt und eine eigene Meinung äußert, die nicht in die aktuellen gesellschaftspolitischen und medialen Standards zu passen scheint". Hermans Thesen zum heutigen Wert von Familien, ihre kritische Haltung zum Feminismus, zur Abtreibung und zum "Gender Mainstreaming" ecken an. Die "Gender"-Ideologie, nach der es keine wirkliche Unterscheidung der Geschlechter gebe und die Geschlechtermerkmale durch Erziehung künstlich vermittelt werden, ist nach Hermans Meinung "das größte und gefährlichste Umerziehungsprogramm der Menschheit."

Der Satz, der ein Leben veränderte

Im Kern des "Herman-Skandals" geht es dann aber um einen einzigen Satz, den die ehemalige Sprecherin der "Tagesschau" und Moderatorin von Talkshows bei einer Pressekonferenz am 6. September 2007 sagte. Sie stellte damals ihr Buch "Das Prinzip Arche Noah – Warum wir die Familie retten müssen" vor, in dem sie die Geschlechterrollen unserer Gesellschaft und die negativen Auswirkungen weiblicher Berufstätigkeit auf Kinder weiter ausführte, die sie bereits in ihrem vorherigen Buch "Das Eva-Prinzip" angesprochen hatte. Der Satz, den Eva Herman selbst mittlerweile wohl im Schlaf herunterbeten kann, und den sie eigens von einem Experten analysieren ließ um nachzuweisen, dass sie nie behauptet habe, was ihr in den Mund gelegt wurde, ist in der Tat missverständlich. Es gibt genau zwei Lesarten, und die Medienvertreter hatten sich von Anfang an dazu entschlossen, nur eine herauszulesen, und die andere komplett auszublenden. Die Jagd hatte begonnen, das Wild musste nur noch eingekreist werden.

Der Satz Hermans, der sowohl von einer "grausamen Zeit" mit einem "völlig durchgeknallten Politiker", als auch von "Werten" handelt, die leider abgeschafft wurden, verlangt nach einer Unvoreingenommenheit. Doch das Bild vom "blonden Dummchen", das bereits in ihren Büchern ihre konservative Familienwerte offenbart hatte, war so festgetreten, dass die Verbindung zum Nationalsozialismus nahelag. Die Analyse eines Sprachwissenschaftlers, die Herman in ihrem Buch abdruckt, macht bei genauerem Hinsehen klar: ihr Satz kann auch so gedeutet werden, dass die 68er viele Werte, die bereits vor dem Nationalsozialismus, währenddessen und danach wichtig waren, rigoros abschafften. Darunter eben leider auch Werte wie "Kinder, Mütter, Familien, Zusammenhalt". Mit anderen Worten: Herman wollte die Verurteilung des Nationalsozialismus durch die 68er eben gerade unterstützen – und gleichzeitig darauf hinweisen, dass die 68er leider auch gute Werte über den Haufen gerannt hätten. "Es durfte nichts mehr stehen bleiben."

Alles Erklären half nichts. Auch wenn ihr das Oberlandesgericht Köln im Juli 2009 Recht gab, dass sie keineswegs den Nationalsozialismus gutgeheißen habe, zwei Jahre zuvor war praktisch jedem Journalisten klar, dass Herman "rechts" sei. Die Spirale nahm ihren Anfang und sollte für Herman ein Albtraum werden: die Medien verlangten von ihr eine Entschuldigung, doch sie entgegnete stets, sie habe nie etwas Falsches gesagt. Schlusspunkt war die Sendung "Johannes B. Kerner" vom 9. Oktober 2007, die in die Mediengeschichte eingegangen ist.

Schon vorher hatte sich Eva Herman aufgrund ihrer Bücher und in einem Artikel im Magazin "Cicero" in eine Ecke manövriert, aus der sie nie wieder herauskam. Im Mai 2006 schrieb sie in "Cicero" kritisch über Emanzipation. "Es wurde immer deutlicher, dass ich hier ein Thema angeschnitten hatte, das brisanter war, als ich zunächst angenommen hatte", so Herman. Es folgen Anfeindungen von der WDR-Moderatorin Bettina Böttinger, der Schriftstellerin Thea Dorn und der Frauenrechtlerin Alice Schwarzer. Schließlich verfasste die Journalistin Barbara Möller im "Hamburger Abendblatt" einen Artikel, laut dem Herman die Mutterrolle der Nazis als Gebärmaschine für arischen Nachwuchs lobte. Auch wenn Herman erfolgreich klagte, und der Axel-Springer-Verlag eine Entschädigung von 25.000 Euro zahlen musste, die "braune Eva" konnte hinfort sagen, was sie wollte, gegendarstellen und erklären, es wurde eher noch schlimmer.

Alice Schwarzer sagte in einem "Spiegel"-Interview, Hermans Ansichten seien "angesiedelt zwischen Steinzeitkeule und Mutterkreuz". "Wir müssen doch im Jahr 2006 dem Führer kein Kind mehr schenken." Die "taz" veröffentliche einen Artikel über das "Eva-Braun-Prinzip". Herman ist empört: "Die einfache Formel schien zu lauten: Wer sich gegen die Erwerbstätigkeit von Frauen ausspricht, ist ein Nazi!" Es hagelt weiter Negativschlagzeilen. "Spiegel Online" mutmaßte, Herman sei in einer Sekte. Der "Stern" behauptete: "Nun soll an Evas Wesen ganz Deutschland genesen." Und die "Welt" schrieb über die "merkwürdigen Thesen" Hermans und bat seine Leser offen: "Lesen sie bitte nicht das Buch."

Zuflucht im Gebet

In "Die Wahrheit und ihr Preis" gibt Eva Herman auch einen sehr persönlichen Einblick in ihre Gefühlswelt während "einer der traumatischsten Phasen meines ganzen Lebens". Zum einen versammelte sich eine große Journalistenschar vor ihrem Haus, so dass sie sich nicht mehr heraus traute. Im NDR spürt sie "gnadenloses Mobbing", bis sie gefeuert wird. "Seit dem ‘Eva-Prinzip’ werde ich geächtet. (…) Man darf heute nicht anderer Meinung sein als die große Masse." Sie ist verzweifelt, zumal sie niemandem etwas Böses wollte. "Mache ich ihnen Angst, weil ich über die Liebe spreche? (…) Über die Liebe zwischen den Menschen und die Liebe zu unserem Schöpfer? Ja, vielleicht ist es so. Dahinter sitzt nämlich noch tausendmal mehr Macht und Kraft, als die feministischen Einpeitscherinnen sie je erreichen werden."

Als eine Redakteurin der "Bild am Sonntag" ein Interview mit ihr falsch wiedergibt, zeigen sich bei Herman auch körperliche Reaktionen. "Es ist nur noch ein Albtraum! (…) Mein Körper fängt an zu zittern, mir ist kalt! Tränen steigen hoch, ich versuche sie wieder zurückzudrängen. In meinen Ohren beginnt es zu rauschen. Ich fühle mich krank und mutterseelenallein! Warum hört mir keiner zu? (…) Was soll ich denn noch tun? Schreien? Herr im Himmel, hilf mir!" Irgendwann kam der Vorwurf auf, sie habe Kontakt zu christlich-fundamentalistischen Kreisen. Sie erklärt, sie sei nicht getauft worden und gehöre keiner Konfession an, und das werde sie "voraussichtlich bis zu meinem Ableben" bleiben. Doch habe sie unter anderem durch die Geburt ihres Kindes ihren "Glauben an den Schöpfer als feste Überzeugung erkannt". Mehrmals schreibt sie vom "Schöpfer", der sich "etwas dabei gedacht habe, die Frau und den Mann so zu machen".

An vielen Stellen sucht die "Ausgestoßene", die "persona non grata", wie Herman sich sieht, Zuflucht im Gebet. Vieles klingt fast wie ein Psalm. Im Bahnhof, beim Anblick der vielen Menschen, denkt sie: "Haltet doch inne! Seht euch um, reißt die hässlichen Wurzeln der Entmenschlichung raus! Hört nicht auf die Heuchler und Pharisäer, die nur noch um Goldene Kälber tanzen. Sie bringen Krankes und Falsches über euch, sie rauben euch das Leben! (…) Seht das Licht! Die Sonne, den Himmel, die Sterne. Jeder Baum ist klüger als ihr, der Fluss führt Weisheit mit sich, und der Wind kennt die Melodie der Liebe und der Ewigkeit. Das ist die Sprache der Schöpfung!"

Fast die Hälfte des Buches befasst sich mit dem Auftritt in der Sendung "Johannes B. Kerner", der, so Herman, "Geschichte schreiben wird". Akribisch – und für die meisten Leser wahrscheinlich weniger aufregend als für Herman selbst – geht sie Satz für Satz durch, kommentiert und bewertet einzelne Gesten. Sie berichtet, wie sie bereits vor der Sendung nervös wird, weil sie ahnt, was auf sie zukommt, wie sie einen leere Raum und das Gebet sucht, und wie dann das "Tribunal" vonstatten ging. Dabei wird sie selbst teilweise polemisch, nennt Margarethe Schreinemakers nur noch "das Gretel" oder lässt sich über die äußere Erscheinung der Gäste aus. Die Kerner-Sendung ist in jedem Fall ein mediales Ereignis, das in so manchen Seminaren von Medienwissenschaftlern als Beispielmaterial herangezogen werden dürfte, und Hermans Beschreibung eine wertvolle Erklärung aus der Sicht des Opfers. Von einer Margarethe Schreinemakers, die mehrmals sagt: "Ich gehe jetzt" – und dennoch sitzen bleibt, über unangekündigte Experten im Studio und unfair gestellten Suggestiv-Fragen bis hin zum berühmt gewordenen Satz Kerners: "Es sind dann doch die besonders spannenden Momente, wo man sich selbst so ein bisschen Gedanken macht und überlegt, wie man weitermacht. Und die habe ich mir jetzt gemacht und hab mich entschieden, dass ich mit meinen drei Gästen weiterrede und dich Eva verabschiede." Kerner hatte offenbar eine feste Vorstellung davon, wie die Sendung abzulaufen habe. Die Gäste sollten Herman offenbar so lange kritisieren, bis sie zurückrudern und Buße tun würden. Als das nicht geschah, musste Herman das Studio verlassen, und manches deutet darauf hin, dass dieser Punkt der Show bereits vorher abgesprochen war.

Man kann zu Eva Herman stehen, wie man will. Dennoch ist das Buch hoch spannend für Medieninteressierte, denn es zeichnet akribisch den Abbau einer öffentlichen Person in den Medien, Baustein für Baustein, nach. Selbst wer also weiterhin überzeugt sein sollte, Eva Herman habe die Nazis und ihre Familienpolitik gelobt, kann hier sehen, wie Medien es schaffen, eine unliebsam gewordene Person hinaus zu werfen aus dem Zirkus, der sich Medien nennt. (pro)
http://www.kopp-verlag.de/Die-Wahrheit-und-ihr-Preis.htm?websale7=kopp-verlag&pi=917700&ci=000132
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