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„Europa ist kein Buchclub“

Der Wirtschaftsforscher Michael Hüther hält es für einen großen Fehler, nationalstaatliches Denken zu „verteufeln“. Dennoch sei Europa vor allem eines: eine Wertegemeinschaft.
Von Nicolai Franz
Europa ist vor allem eine Wertegemeinschaft, sagte Wirtschaftsforscher Michael Hüther beim Kongress christlicher Führungskräfte

Foto: pro/Martina Blatt

Europa ist vor allem eine Wertegemeinschaft, sagte Wirtschaftsforscher Michael Hüther beim Kongress christlicher Führungskräfte

Das Jahr 2017 ist eines der großen Weichenstellungen. Die Bundestagswahl könnte spannender werden als gedacht, die Verhandlungen über den Brexit sind noch völlig offen, genauso wie die Zukunft der Eurozone. Ob sich die Befürworter einer noch stärkeren europäischen Integration oder die Kritiker Brüssels durchsetzen werden, die in Umfragen europaweit Höchstwerte erzielen, ist ebenfalls noch unklar.

Mit Michael Hüther hat sich nun ein Arbeitgebervertreter in die Debatte eingeschaltet. Auf dem Kongress christlicher Führungskräfte in Nürnberg plädierte der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln dafür, die Europäische Union als „wertebasierte Interessengemeinschaft“ wahrzunehmen. Das Christentum, die Aufklärung und die Menschenrechte seien die Voraussetzungen dafür.

Nach 1945 und dem Scheitern des Versailler Vertrages habe sich in Europa die Erkenntnis durchgesetzt, dass es „nur unter einem gemeinsamen Dach“ funktionieren könne. „Europa ist kein Buchclub, sondern eine Interessengemeinschaft“, sagte Hüther.

„Nationalstaatliches Denken nicht verteufeln“

Der Wirtschaftsforscher sprach sich für einen gemeinsamen europäischen Weg aus, ohne die Nationalstaaten abzuschaffen. Es gebe nicht nur die Wahl zwischen einer vollständigen europäischen Integration auf der einen und einer von Rechtspopulisten propagierten Spaltung der EU auf der anderen Seite: „Der Nationalstaat ist kein Relikt der Vergangenheit.“

Die Europäer hätten einen ganz anderen Bedarf an Identität. „Der größte Fehler war, nationalstaatliches Denken zu verteufeln.“ Nationalstaaten seien deshalb entstanden, weil die Bürger Freiheit wollten. „Heute müssen wir das in ein Miteinander setzen.“

Die Menschen sollten sich nicht „durcheinanderbringen lassen von Scheinregulierungen von Gurken, Bananen und Apfelsinen“. Alleine werde es kein europäischer Staat können.

Der Kongress christlicher Führungskräfte, den 2.900 Teilnehmer besuchen, dauert noch bis zum Samstag. Veranstalter ist die Evangelische Nachrichtenagentur idea und die Firma tempus Akademie & Consulting. (pro)

Von: nf

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