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Euro-Krise: Ursachen und Wirkungen

Die Ursachen der aktuellen Euro-Krise beruhen nicht allein auf der enormen Staatsverschuldung der Euroländer. Darauf weist der Leiter des Teams Wirtschaftspolitik bei der Konrad-Adenauer-Stiftung, Matthias Schäfer, in einem Gastbeitrag im Christlichen Medienmagazin pro hin. In seiner Analyse nennt er weitere Gründe für die Krise und erläutert, welche Maßnahmen zu soliden Staatsfinanzen führen können.
Von PRO

Foto: Privat

Schäfer schildert als eine der Ursachen die Immobilienkrise in den USA, die sich wegen ungenügender politischer Rahmenbedingungen und falscher Markteinschätzungen zu einer globalen Banken- und Finanzkrise ausgewachsen habe. So hätten spekulative Anlageformen in innovativen Finanzprodukten mit dem Zusammenbruch des Immobilienmarktes ihre Grundlage verloren. Ihr Wertverlust habe aufgrund des marktnahen amerikanischen Bilanzrechts die Eigenkapitalbasis der Banken pulverisiert. Trotz des Eingreifens der Regierungen habe daraufhin eine weltweite Rezession nicht verhindert werden können.

Schäfer beschreibt, wie staatliche Konjunkturprogramme zu einer massiven Erhöhung der Staatsverschuldung geführt hat: "In den USA beträgt der Schuldenstand inzwischen annähernd 100 Prozent der Wirtschaftsleistung, in Großbritannien liegt er bei 80 Prozent. Auch die Länder der Eurozone bezahlten die Wirtschaftskrise mit einem deutlich erhöhten Schuldenstand." Im Gegensatz zu einer wettbewerbsfähigen Volkswirtschaft wie der deutschen hätten vor allem wirtschaftlich schwächere Länder die erhöhte Staatsverschuldung nicht verkraften können. Konkret spricht der Wirtschaftsexperte die so genannten PIIGS-Staaten (Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien) an, die das niedrige Zinsniveau bei ihrem Beitritt zur Eurozone nicht genutzt hätten, um die Impulse der gemeinsamen Währung durch Reformen auf die Realwirtschaft zu übertragen.

Strukturelle Reformen  erforderlich

Für die Stabilisierung der PIIGS-Länder in der Eurozone sei deshalb auch die Stärkung ihrer Wettbewerbsfähigkeit durch strukturelle Reformen erforderlich. "Darüber hinaus bleiben solide Staatsfinanzen die Grundlage einer stabilen Währung", schreibt Schäfer, beklagt jedoch, dass die Mitgliedsstaaten in der Euro-Krise die Fundamente der gemeinsamen Währung aufgeweicht hätten. Er bedauert, dass diese Schritte notwendig gewesen seien, "ansonsten wäre die gemeinsame Währung vermutlich unkontrolliert zusammengebrochen".

Allerdings dürfe solche ein Vorgehen auch nach der Krise nicht zum Regelfall werden, warnt Schäfer. Daher seien die jetzt eingeschlagenen Reformschritte für den Moment die bessere Lösung: "Automatische Sanktionen bei Verstößen gegen den Stabilitäts- und Wachstumspakt, eine präventive europäische Beaufsichtigung der Fiskalpolitik und der Strukturreformen in den EU-Mitgliedsstaaten und die Verpflichtung, überall Schuldenbremsen einzuführen". So könne aus dem Stabilitäts- und Wachstumspakt ein echter Fiskalpakt entstehen. Ergänzt werde dieser Pakt durch den dauerhaften Rettungsschirm, der ermögliche, dass Länder, die trotzdem noch in Finanzierungsschwierigkeiten geraten, geregelte Unterstützung fänden. Viel werde nun davon abhängen, dass die gefassten Beschlüsse geduldig und kraftvoll umgesetzt werden. "Das schafft nicht nur Wettbewerbsfähigkeit und solide Staatsfinanzen. Das schafft vor allem Vertrauen in die Politik." Erst wenn die Finanzmärkte wieder Vertrauen in die politische wie ökonomische Stabilität der Eurozone fassten, werde die Euro-Krise einem guten Ende entgegensehen.

Matthias Schäfers Beitrag "Die Euro-Krise: Ursache und Wirkungen" ist in der Ausgabe 1/2012 des Christlichen Medienmagazins pro erschienen, die unter der Telefonnummer 06441/915156 oder info@pro-medienmagazin.de kostenlos angefordert werden kann. (pro)

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