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Ethikrat-Vorsitzender: „Würde des Menschen nicht granularisierbar”

Der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Peter Dabrock, hat vor negativen Folgen der Digitalisierung gewarnt. Dabrock sieht darin eine Gefahr für die Menschenwürde.
Von PRO
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Der Theologe Peter Dabrock, Vorsitzender des Deutschen Ethikrats, forderte eine öffentliche Debatte über die Digitalisierung und den Schutz persönlicher Daten

Foto: pro/Norbert Schäfer

Der Theologe Peter Dabrock, Vorsitzender des Deutschen Ethikrats, forderte eine öffentliche Debatte über die Digitalisierung und den Schutz persönlicher Daten

Der umfassende Einsatz von Big Data und lernenden Maschinen kann eine Gefahr für die Menschenwürde darstellen. Diese Ansicht hat der Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Peter Dabrock, in einem Interview der evangelischen Wochenzeitung „Sonntagsblatt” vom Mittwoch vertreten. In dem Gespräch sagte der Theologe: „Meine Befürchtung ist, […] dass wir aufpassen müssen, dass wir nicht schleichend und ohne dass wir es merken, das wichtigste Gut das wir haben, den Respekt voreinander, die Achtung des Einzelnen als Einzelnen, unterlaufen, indem wir uns einlullen lassen von den tollen Möglichkeiten, die uns Big Data und Smart Machines bieten.”

Vereinzelte Apelle zum sparsamen Umgang mit Daten wertet der Theologe als „Pfeifen im Wald”. Seiner Ansicht nach habe es derzeit der Einzelne schwer, seine Interessen gegen die großen Internetplattformen durchzusetzen. Dabrock forderte daher eine gesellschaftliche Debatte darüber, wie der Einzelne geschützt werden kann.

Mensch ist nicht verrechenbar

Der Ethikrat-Vorsitzende fordert ein Umdenken hin zur „Datensouveränität”, die dem Einzelnen die Kontrollhoheit seiner persönlichen Daten garantiert. Neben dem Staat sieht der Ethik-Experte dabei auch die Wirtschaft in der Pflicht. Kunden dürften nicht als „Datenmelk-Kuh” benutzt werden. Dies gefährde die Persönlichkeit und die Selbstbestimmung der Menschen.

„Es ist gut, dass es diesseits der großen Plattformbereitsteller, der Internetgiganten, auch kleine und mittelgroße Plattformen gibt, die trotzdem eine Sensibilität für globale Fragestellungen haben – das sind die Kirchen nunmal, die eine universale Botschaft haben”, sagte Dabrock. In den öffentlichen Debatten sollten sich die Kirchen mit ihren Plattformen als „Stakeholder” dafür einsetzen, dass der Einzelne ernst genommen und die Verletzlichkeit schwacher Menschen nicht ausgenutzt werde.

Die Kirchen sollen seiner Meinung nach die Botschaft von der „Endlichkeit des Menschen” und der „unendlichen Liebe Gottes zu den Menschen” mit in die Diskussion über die Digitalisierung der Gesellschaft einbringen und zeigen: „Der Mensch lässt sich nicht einfach verrechnen und die Würde des Menschen ist nicht granularisierbar.”

Von: Norbert Schäfer

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