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„Es gibt bei uns ein Unverständnis für Religion“

Um Religionsfreiheit könnte es in Europa besser bestellt sein. Das sagte Heiner Bielefeldt, der sechs Jahre lang für die UN Sonderberichterstatter für Religionsfreiheit war. Vor allem beim Umgang mit Muslimen sieht er Probleme.
Von PRO
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Heiner Bielefeldt war sechs Jahre lang Sonderberichterstatter der UN für Religions- und Weltanschauungsfreiheit. An der Universität Erlangen-Nürnberg hat er den Lehrstuhl für Menschenrechte und Menschenrechtspolitik inne.

Foto: UN

Heiner Bielefeldt war sechs Jahre lang Sonderberichterstatter der UN für Religions- und Weltanschauungsfreiheit. An der Universität Erlangen-Nürnberg hat er den Lehrstuhl für Menschenrechte und Menschenrechtspolitik inne.

Probleme mit der Religionsfreiheit gibt es auch in Deutschland und Europa. Das erklärte Heiner Bielefeldt in einem Interview des Portals evangelisch.de in dieser Woche. Der katholische Theologe, Philosoph und Professor für Menschenrechte und Menschenrechtspolitik an der Universität Erlangen-Nürnberg war von 2010 bis 2016 UN-Sonderberichterstatter für Religions- und Weltanschauungsfreiheit. In Europa sieht er vor allem den Umgang mit muslimischen Flüchtlingen kritisch. „Da verweigern einige Nachbarstaaten nicht nur die Aufnahme von Flüchtlingen, sondern sie verweigern sogar die minimal Solidarität (sic!) – mit dem Hinweis, dass es sich bei den Flüchtlingen um Muslime handle.“

Eine „Nervosität bezogen auf den Islam“ beobachtet Bielfeldt auch in Deutschland. „Es gibt bei uns Islamfeindlichkeit, die zum Teil mittlerweile auch parteipolitisch unterstützt wird“, sagte er der evangelischen Plattform. Zudem bemängelt Bielfeldt in der Gesellschaft einen fehlenden Respekt dafür, „dass Religion für viele Menschen existenziell ist. Man muss ja nicht verstehen, um was es geht, aber ein Stück Respekt wäre schon gut.“

Das habe er vor allem in der Debatte um Beschneidung von Jungen festgestellt. Es habe „hasserfüllte, vor allem aber ätzend-verächtliche Kommentare über religiöse Riten“ gegeben, „die sowohl für Juden als auch für Muslime identitätsstiftend sind“. Seine Auffassung, es gebe in der deutschen Gesellschaft keinen starken aggressiven, religionsfeindlichen Säkularismus, habe er daraufhin revidieren müssen.

Zur Frage, ob es Christenverfolgung in Deutschland gebe, plädierte er „für mehr Nüchternheit“. Nicht jede robuste Kritik sei auch Christenverfolgung oder eine Menschenrechtsverletzung. Hingegen dürfe es die Gesellschaft nicht hinnehmen, wenn jüdische Schüler wegen ihrer Religion gemobbt würden und verantwortliche Lehrer das ignorierten. Es sei notwendig, dabei auch über Judenfeindlichkeit bei Migranten zu sprechen. „Wird dürfen keine Debatte scheuen, aber man kann diese Problematik natürlich auch nicht bei den migrantischen Milieus abladen. Das Thema Antisemitismus betrifft die gesamte Gesellschaft.“

Von: Jonathan Steinert

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