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Erzbischof im Spiegel: “Mehr Jesus, weniger Institution”

Eine offenere und missionarischere Kirche hat der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick im Magazin "Spiegel" gefordert. Im Interview sprach er sich außerdem für eine Abschaffung des Zölibats für Pfarrer und eine Stärkung der Ökumene aus.

Von PRO

Foto: Erzbistum Bamberg

"Wir kuscheln uns zusammen und lassen die Welt zugrunde gehen. Das ist nicht Christus." So kritisch äußerte sich Schick im Gespräch mit dem "Spiegel" über die katholische Kirche. Diese müsse heilig sein, und das bedeute eigentlich: "authentisch Christ sein. Wir müssen uns mehr auf Jesus Christus statt auf die Institution konzentrieren." Ein katholischer Amtsträger müsse sich in erster Linie bemühen, Christus zu kennen, Christus zu lieben, seine Botschaft zu leben und andere Menschen dafür zu begeistern.

"Die Kirche muss in den Herzen der Menschen wieder leben und lebendig werden", sagte Schick und weiter: "Wir müssen neu missionarisch werden, aber nicht, um Institutionen neu zu formen. Wir sollen Menschen mit der Frohen Botschaft beschenken, damit sie daraus besser leben können – hier und jetzt und über den Tod hinaus." Im Sendungsbefehl Jesu heiße es: Gehet hin zu allen Menschen. Deshalb dürften die Christen sich nicht zusammenkuscheln und die Welt zugrunde gehen lassen. "Das ist nicht Christus", sagte der Erzbischof.

Zölibat für Pfarrer abschaffen

Die Kirche müsse auch im Hinblick auf die Missbrauchsfälle aufräumen. Im Erzbistum Bamberg seien im März 1.400 Menschen aus der katholischen Kirche ausgetreten – das Dreifache als im Vorjahresmonat. Auch die in der vergangenen Woche aufgetauchten Missbrauchsvorwürfe gegen Walter Mixa müssten "schonungslos aufgeklärt werden". Schick forderte: "Wir dürfen geschlossene Institutionen, Internate so nicht mehr zulassen. Das muss offener werden."

Auf die Frage, ob Pfarrer heiraten dürfen sollten, sagte Schick: "Ich wäre dafür, dass man ernsthaft darüber nachdenkt." Bischöfe, Ordensleute und Domkapitulare müssten es aber leben. Die evangelische Kirche  bezeichnete Schick als "Partner". Gemeinsam mit der katholischen Kirche solle sie die Botschaft des Evangeliums weitertragen.

Ludwig Schick ist seit 2002 Erzbischof in Bamberg. Der "Spiegel" bezeichnet den gebürtigen Marburger als "katholischen 68er" und damit als Gegenpol zum konservativen katholischen Lager um den Kölner Kardinal Joachim Meisner. (pro)

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