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Erschütterung und Entsetzen über Rechtsterrorismus

Die Morde an acht türkischstämmigen Männern und einem Griechen sowie einer deutschen Polizistin zwischen 2000 und 2007 haben auch bei Kirchen- und Religionsgruppen sowie bei Migrantenverbänden Erschütterung und Entsetzen ausgelöst. Angesichts der aktuellen Erkenntnisse, dass die Mordserie von Neonazis verübt wurde, fordern die Organisationen ein härteres Vorgehen gegen rechtsextreme Gewalt.
Von PRO

Foto: Evangelische Kirche in Deutschland

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, äußerte sich erschüttert über das Ausmaß rechtsterroristischer Gewalt. Die Morde der vergangenen Jahre zeigten, dass die Bedrohung von rechts auf keinen Fall unterschätzt werden dürfe, sagte Schneider am Sonntag der Nachrichtenagentur epd. Er wies darauf hin, dass die evangelische Kirche seit langem besorgt darüber sei, wie sich besonders in Ostdeutschland rechtsextreme Strukturen verfestigen und zur Normalität zu werden drohen.

Der Ratsvorsitzende rief dazu auf, latent vorhandenem und offenem Rassismus wie auch "gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit" entschieden entgegenzutreten. Rechtsextremismus äußere sich besonders in Chauvinismus, Sozialdarwinismus, Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus, sagte Schneider. Ein biblisch-theologisch wohl fundierter Glaube hingegen rufe "alle Christenmenschen und die christliche Kirche in den Widerspruch und Widerstand gegen alle Formen von Rechtsextremismus – so auch gegen den sogenannten ‘neuen’ Rechtsextremismus". Kirche und Theologie stünden in der Verantwortung, die Würde jedes Menschen als Geschöpf Gottes zu verteidigen. Daher sei unter anderem 2010 die Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus" gegründet worden.

Diese wiederum warf staatlichen Stellen und insbesondere den Sicherheitsbehörden "komplettes Versagen" beim Umgang mit rechter Gewalt vor. Die Arbeitsgemeinschaft hatte zum Abschluss ihrer ersten Fachkonferenz am 11. und 12. November in Wittenberg dazu aufgefordert, "sich mit dem erschreckenden großen Potenzial an Zustimmung zu rechtspopulistischen und rassistischen Positionen in den eigenen Kirchengemeinden und in der Gesellschaft intensiver auseinanderzusetzen".

Knobloch: "Jahrelang wurden Sorgen nicht ernst genommen"

Die Vizepräsidentin des Jüdischen Weltkongresses, Charlotte Knobloch, warf der Politik nach einem Bericht der Tageszeitung "Die Welt" mangelnde Ernsthaftigkeit im Kampf gegen Rechtsextremisten vor. "Jahrelang haben wir vor der Bedrohung durch rechtsterroristische Aktionen gewarnt und mehr Ernsthaftigkeit und Nachdruck im Kampf gegen rechts gefordert. Jahrelang wurden wir mit unseren Sorgen nicht ernst genommen", sagte Knobloch. Sie hoffe, dass die neuen Erkenntnisse der "lang ersehnte Weckruf gegenüber Politik und Behörden" seien.

Entsetzt haben sich auch Migrantenverbände über die Morde gezeigt. Kenan Kolat, Bundesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland (TGD), sagte der "Welt", er sei über die Mordserie "geschockt" und "empört". Kolat forderte die Bundesregierung auf, die Bluttaten aufzuklären. Dass Gewalt gegen Muslime in Deutschland seit vielen Jahren verbreitet sei, beklagte wiederum Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland, in der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Seit mindestens 20 Jahren werde der Rechtsterrorismus in Deutschland "chronisch unterschätzt", so Mazyek. (pro)

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