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Entsetzen nach Mord an Kriegsreporter

Die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) hat am Montag ein Video verbreitet, das die Enthauptung des Journalisten Steven Sotloff zeigt. Weltweit sind Kollegen und Politiker entsetzt. Journalisten fordern mehr Schutz für Kriegsreporter.
Von PRO
Journalisten in Krisengebieten arbeiten unter hohen Risiken
Journalisten in Krisengebieten arbeiten unter hohen Risiken
Das Video von der mutmaßlichen Enthauptung Steven Sotloffs ist bereits das zweite, das der IS innerhalb von zwei Wochen verbreitete. Die Journalistenvereinigung Reporter ohne Grenzen (ROG) forderte am Mittwoch in einer Erklärung, Journalisten in Kriegsgebieten besser zu schützen. „Diese Tat erinnert auf schockierende Weise daran, welchen Gefahren auch ausländische, aber vor allem einheimische Journalisten in Syrien und im Irak durch ihre Arbeit tagtäglich ausgesetzt sind. Die Morde an James Foley und Steven Sotloff sollten ein Weckruf an die Staatengemeinschaft sein, endlich mehr zum Schutz von Journalisten in Kriegsgebieten zu tun.“ Geschäftsführer Christian Mihr bezeichnete den Mord an Sotloff als „abscheuliches Kriegsverbrechen“, das von einem internationalen Gericht bestraft werden müsse. Die Bundesregierung verurteilte den Mord ebenfalls. Das Video sei „ein weiterer widerwärtiger Beweis der Geisteshaltung, der Grausamkeit, der Menschenverachtung dieser Gruppe und dieser Täter“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch in Berlin. Die Täter beriefen sich auf ihren Glauben, würden aber jede Menschlichkeit und jeden Glauben verhöhnen.

Sotloff war israelischer Staatsbürger

Sotloff stammte aus Miami in Florida. Ab 2008 hatte er in Herzlija in Israel am Interdisciplinary Center studiert und die israelische Staatsbürgerschaft angenommen. Das berichtete der israelische Rundfunk. Nach Angaben der Zeitung Times of Israel hatte Sotloff Kurse zu Konfliktbewältigung, internationale Beziehungen und Anti-Terror-Kampf belegt. Sotloff arbeitete als freier Journalist für US-Publikationen wie Time, Christian Science Monitor, Foreign Policy and World Affairs und habe auch für israelische Medien wie die Jerusalem Post berichtet – unter anderem aus dem Jemen, Libyen, Ägypten und Syrien. Am 4. August 2013 ist er in Syrien „verschwunden“. Seine Familie wusste offenbar, dass er entführt worden war. Erst seit Kurzem ist auch in der Öffentlichkeit bekannt geworden, dass sich Sotloff im Gewahrsam der IS-Terroristen befand. Die Zeitung Times of Israel meldete, die Geschichte schon lange gekannt zu haben. Doch habe sie nichts veröffentlicht, um Sotloff nicht zu gefährden. Der amerikanisch-israelische Journalist Oren Kessler, der heute in London lebt, erzählte von einer langen schriftlichen Freundschaft mit Sotloff. Einen Tag vor dessen Einreise nach Syrien von der Türkei aus hätten sie noch miteinander kommuniziert. Sotloff sei sich der Gefahren bewusst gewesen. Am Tag darauf sei er dann in Aleppo entführt und ein Jahr lang in Rakka von islamistischen Rebellen festgehalten worden. Bei seinen Reisen in arabische Länder habe Sotloff seine israelische Staatsbürgerschaft geheim gehalten. Zu seinem Schutz habe er behauptet, dass „Sotloff“ ein typisch tschetschenischer Name sei und dass er als „säkularer Moslem“ aufgewachsen sei.

ROG: „Kaum kalkulierbares Risiko“

Wie ROG mitteilte, hat der IS, der sich damals noch Islamischer Staat im Irak und der Levante (ISIS) nannte, bereits seit Frühling des vergangenen Jahres Journalisten bedroht, angegriffen und entführt. Dadurch sei die Berichterstattung aus den von der Miliz kontrollierten Gebieten für ausländische Journalisten zu einem „kaum noch kalkulierbaren Risiko“ geworden. Auch im Irak gehe der IS laut ROG mit gezielter Gewalt gegen Jorunalisten vor. Seit dem Vormarsch der Dschihadisten im Nordirak seien Reporter verstärkten Gefahren und dem Druck von allen Konflitkparteien ausgesetzt. In diesem Jahr seien im Irak drei Journalisten wegen ihrer Arbeit getötet worden. In Syrien seien rund zwanzig einheimische Medienschaffende in der Gewalt bewaffneter Gruppen. Fünf ausländische Journalisten gälten als entführt oder vermisst. Seit Beginn der Proteste gegen das Assad-Regime im Frühjahr 2011 seien in Syrien mindestens 40 professionelle Journalisten und mehr als 120 Bürgerjournalisten wegen ihrer Arbeit getötet worden. Vor zwei Wochen verbreitete der IS ein Video von der Enthauptung des amerikanischen Journalisten James Foley, der 2012 ebenfalls in Syrien entführt worden war. Syrien steht auf der ROG-Rangliste der Pressefreiheit auf Platz 177, der Irak auf Platz 153 von 180 Ländern. (pro)
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https://www.pro-medienmagazin.de/journalismus/detailansicht/aktuell/journalismus-in-gaza-89044/
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