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„Entschlossen, das Land christlicher zu machen“

Häufig werden Evangelikale in Medien mit negativen Schlagworten belegt. Nun hat ein Autor des Zeit-Ablegers Christ & Welt das Thema anders angegangen – und eine „Prinzipientreue“ einfach persönlich getroffen.
Von PRO
Die Frage sei, ob „wir die Bibel heute noch ernst nehmen“, wird eine Evangelikale zitiert

Foto: pro/Jonathan Steinert

Die Frage sei, ob „wir die Bibel heute noch ernst nehmen“, wird eine Evangelikale zitiert

Es kommt immer wieder vor, dass Evangelikale in der medialen Öffentlichkeit unter Beschuss geraten. Ob in TV-Dokumentationen, Nachrichtensendungen oder Zeitungen: Schnell werden Evangelikale als radikale oder fundamentalistische Christen abgestempelt.

Ein Artikel der Christ & Welt, ein Ableger der Wochenzeitung Die Zeit, geht das Thema nun anders an. Autor Hannes Leitlein hat sich auf den Weg gemacht und sich persönlich mit einer evangelikalen Christin, einer „Prinzipientreuen“, wie es in der Überschrift heißt, Andrea Bleher, getroffen und die Gedankenwelt Evangelikaler zu ergründen versucht.

Andrea Bleher, heißt es gleich zu Beginn, sei nicht nur an Weihnachten Christin. „Sie ist es dauernd. Sie hat Jesus im Herzen.“ Bleher glaube, „dass Jesus überall vorkommen sollte“ und „dass Deutschland mehr von Jesus vertragen könnte“. Evangelikale im Allgemeinen seien „entschlossen, das Land christlicher zu machen“. Und: Wenn Bleher von Christen rede, meine sie „die überzeugten, die – wie sie – Jesus als ihren Heiland im Herzen angenommen haben“. Deutschland sei in Blehers Augen „Missionsland“, die Frage sei, „ob wir die Bibel heute noch ernst nehmen“.

„Ich bin nicht langsam, ich habe aus dem Glauben begründete Einsichten“

Leitlein beschreibt in seinem Artikel die Situation Evangelikaler in Deutschland, geht auch auf ihr Ansehen in der Öffentlichkeit ein. Wohl etwas selbstkritisch hält er fest: „Und je mehr Zeit verstreicht, je mehr Herzlichkeit, Lasagne und Rotwein-Kuchen auf den Tisch kommen, desto schwerer wird es für den Reporter, in Andrea Bleher zu sehen, was, wie sie befürchtet, weite Teile Deutschlands in ihr sehen würden: eine Fundamentalistin mit Glaubens- und Lebensvorstellungen aus einer vergangenen Zeit.“

Evangelikale wie Bleher seien „keine Rechten. Ihre Gedanken sind vielfältiger, tiefsinniger, überraschender. (…) Manchmal klingt sie sogar wie eine Feministin.“ Auch mit dem Bild, dass nahezu alle Evangelikalen AfD wählen, räumt der Artikel auf. So beklage Bleher etwa, dass die AfD den Konservatismus vereinnahmt habe.

Weiter stellt Leitlein die Frage: „Müssen Menschen wie Andrea Bleher sich damit abfinden, dass sich in einer Demokratie Diskurse verschieben?“ „Es kann nicht sein, dass wir Konservativen einfach immer nur als langsamer dargestellt werden. Ich bin nicht langsam, ich habe aus dem Glauben begründete Einsichten“, lässt der Autor Bleher hier in einer ganz zentralen Streitfrage zu Wort kommen.

Großherzig mit „steinharten Ansichten“?

Doch auch wenn der Artikel offen und größtenteils neutral gehalten ist: Manchmal kommt auch er nicht ohne negative Schlagwörter aus. Blehers Meinungen selbst will sich der Autor nämlich keinesfalls zu eigen machen – was er den Leser auch wissen lässt. So werden Blehers Ansichten, etwa zu Homosexualität, wozu sich Gott nur negativ in der Bibel äußere, „steinhart“ genannt. Tendenziös fragt Leitlein: „Wie kommt eine so großherzeige Frau zu solch steinharten Ansichten?“

Mit Blick auf wohlhabende „Gönner der Szene“, wie etwa das Schuhunternehmen Deichmann oder Rittal-Chef Friedhelm Loh, schreibt der Autor pauschal: „Erfolg ist in evangelikalen Kreisen ein Zeichen dafür, dass Gott dem eigenen Vorhaben nicht allzu kritisch gegenüberstehen kann.“

Und über Evangelikale im Allgemeinen heißt es, sie seien eine „mächtige Minderheit“, für die „die Bibel mehr ist als eine Sammlung altehrwürdiger Geschichten: Sie ist wörtlich zu nehmen“ – eine Feststellung, die die Vielfalt innerhalb der evangelikalen Bewegung ebenfalls ignoriert.

Von: Sandro Serafin

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