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EKD zur Judenmission: „Weil Gott treu ist“

Die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat Judenmission eine Absage erteilt. Christen und Juden seien gemeinsam Zeugen Gottes. Dazu ein Gastkommentar von Steffen Kern
Von PRO
Steffen Kern wirbt um mehr Verständnis für messianische Juden. Es sei falsch, sie beim „Markt der Möglicheiten” auf dem Evangelischen Kirchentag auszuschließen.

Foto: Steffen Kern

Steffen Kern wirbt um mehr Verständnis für messianische Juden. Es sei falsch, sie beim „Markt der Möglicheiten” auf dem Evangelischen Kirchentag auszuschließen.

Der renommierte Tübinger Theologieprofessor Eberhard Jüngel hat im Jahr 1999 vor der EKD-Synode in Leipzig treffend formuliert:
Die Wahrheit von Jesus Christus als Retter der Welt dürfe „niemandem vorenthalten, muss also auch Israel gegenüber angezeigt werden. Aus der Bezeugung des Evangeliums in Israel ist ja die Kirche hervorgegangen. Sie müsste ihre eigene Herkunft verleugnen, wenn sie das Evangelium ausgerechnet Israel gegenüber verschweigen wollte. Dass das Evangelium Israels ureigenste Wahrheit ist, daran zu erinnern haben die Apostel sich verpflichtet gewusst. Aus dieser Verpflichtung kann auch die Kirche nicht entlassen werden. Das ist allerdings etwas ganz anderes, als der Versuch von Christen, Juden auf den christlichen Glauben zu verpflichten.“

Bleibende Erwählung Israels und Christuszeugnis an Israel bekräftigt

Daran hat sich bis heute nichts geändert. Das gilt auch angesichts der Kundgebung, die die Synode der EKD am 9. November 2016 beschlossen hat. Die EKD hält darin zweierlei fest: Zum einen formuliert sie, dass Israel Gottes erwähltes Volk ist und bleibt. Das ist eine wesentliche biblische Grundlinie, die Paulus in Römer 9 bis 11 entfaltet. Zum anderen hält sie fest, dass ein Glaubenszeugnis gegenüber Israel ebenso grundlegend zur Begegnung von Christen und Juden gehört: Christen bekennen sich „zu Jesus Christus, dem Juden, der als Messias Israels der Retter der Welt ist“. Christen sind in alle Welt gesandt und bezeugen gegenüber Juden diese „lebenstragende Wahrheit“.

Gottes Weg ist von Anfang ein Weg mit Israel

Aus der bleibenden Erwählung Israels werden nun Konsequenzen gezogen: Weil Israel Gottes erwähltes Volk ist und bleibt, wird auch festgehalten, dass Christen, „ungeachtet ihrer Sendung in die Welt, nicht berufen“ seien, „Israel den Weg zu Gott und seinem Heil zu weisen“. Diese Aussage ist nur in diesem Zusammenhang biblisch richtig, denn der Weg Gottes ist ja von Anfang an ein Weg mit Israel. Falsch würde sie, wenn man sie als Infragestellung des Christuszeugnisses gegenüber Israel lesen würde. Denn aus christlicher Sicht gibt es kein Heil an Christus vorbei. Letztlich bleibt der Weg Gottes mit seinem Volk Israel aber ein Geheimnis. Darauf verweist auch der EKD-Text.

Nein zur „Judenmission“ – Ja zum Christuszeugnis

Die Synode hat gerade vermieden, das Christuszeugnis in Frage zu stellen. Abgelehnt wurden Vorschläge, die die „Unmöglichkeit eines christlichen Zeugnisses gegenüber Juden“ in den Raum stellten. Abgelehnt wurde auch die Aussage, es sei nicht angemessen, Juden „zum Glauben an Jesus als Christus (…) bekehren“ zu wollen. Stattdessen hält die Erklärung entschieden fest: „Alle Bemühungen, Juden zum Religionswechsel zu bewegen, widersprechen dem Bekenntnis zur Treue Gottes und der Erwählung Israels“. Das ist der Satz gegen die sog. „Judenmission“, die den wesensmäßigen Unterschied zwischen Juden und Heiden missachtet und auch alle menschlichen Versuche beinhaltet, Juden gezielt zu Christen machen zu wollen. Das Christuszeugnis gegenüber Israel bleibt davon unberührt. Ausdrücklich wurde bei der Einbringung der Erklärung formuliert: „Wir halten daran fest, dass die Bezeugung unseres Glaubens an Jesus Christus ein integraler und unverzichtbarer Bestandteil unseres Glaubens ist – auch gegenüber Juden.“

Einzigartig verbunden

Diese wesentlichen Veränderungen am Ursprungstext machten die Kundgebung präziser und öffneten sie auch für die Württemberger Position etwa des früheren Landesbischofs Theo Sorg, der bereits 1999 wie auch Eberhard Jüngel den Begriff der „Judenmission“ ablehnte, weil „das Christuszeugnis in Israel eine andere Qualität hat als die Mission unter Heiden“.
Christen und Juden sind auf einzigartige Weise verbunden, etwa durch die gemeinsame Schrift, durch gemeinsame Gebete, durch den Glauben an den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, durch die Erwartung des Messias, der die Welt zum Ziel bringt. Dass Juden das Bekenntnis zu Jesus als Christus nicht teilen, stellen wir Christen Gott anheim. Entschieden treten wir gegen eine verzeichnende oder verzerrende Darstellung des Judentums ein: „Wir bekräftigen unseren Widerspruch und unseren klaren Widerstand gegen alte und neue Formen von Judenfeindschaft und Antisemitismus.“

Bitte mehr Respekt für messianische Juden!

Beschwerlich empfand ich allerdings einige Voten, die messianische Juden, die an Jesus als Messias glauben, lediglich als „ein Problem“ beschrieben – so, als dürfe es sie nicht geben. Ihre Identität wird doppelt in Frage gestellt: von jüdischer und von kirchlicher Seite. Es bleibt unhaltbar, dass sie vom Kirchentag nicht zum Markt der Möglichkeiten zugelassen wurden. Dabei brauchen gerade sie unsere Solidarität. Das heißt nicht, dass wir manche Lehre und Gemeinde- oder Missionspraxis nicht auch hinterfragen dürften. Aber grundsätzlich haben wir sie als Schwestern und Brüder zu achten und zu respektieren. (pro)

Steffen Kern ist Pfarrer, Journalist und Vorsitzender des Evangelischen Gemeinschaftsverbandes Württemberg.

Evangelische Kirche wendet sich gegen Judenmission (pro)

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