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EKD-Synode: Bibel zeitgemäß auslegen

Am Sonntag hat in Düsseldorf die 11. Synode der EKD zum Thema „Es ist genug für alle da – Welternährung und nachhaltige Landwirtschaft“ begonnen. Im Hinblick auf das Familienpapier forderte der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider eine zeitgemäße Auslegung der Bibel.
Von PRO
Schneider betonte eine zeitgemäße Orientierung der Kirche am Wort Gottes

Foto: pro

Schneider betonte eine zeitgemäße Orientierung der Kirche am Wort Gottes
Schneider bezeichnete die Worte der Bibel als Richtschnur für die evangelische Kirche. Gottes Wort trete in der Bibel aber als geoffenbartes, als geschriebenes und als verkündigtes Wort auf. Diese Dreiteilung sei eine Hilfe für die Auslegung biblischer Texte, erklärte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) bei der Vorstellung des Berichts des Rates. Bei der Auslegung müssten sich diese drei Formen des Wortes Gottes aufeinander beziehen. „Geschriebenes und geoffenbartes Wort der Bibel dürfen nicht gleichgesetzt werden“, sagte er. Der Ratsvorsitzende verteidigte damit die Gleichstellung homosexueller Partnerschaften in der Orientierungshilfe der EKD. Einerseits verurteile die Bibel homosexuelle Praktiken. Andererseits betone sie aber auch, dass, wer in der Liebe bleibe, in Gott bleibe. Das sei der Grund, warum das Familienpapier gleichgeschlechtliche Partnerschaften würdige. Was zu biblischen Zeiten unter Homosexualität verstanden wurde, habe mit der liebenden Beziehung zwischen zwei gleichgeschlechtlichen Menschen heute nichts mehr zu tun, machte der Ratsvorsitzende klar. Die Kritik an der Orientierungshilfe zu diesem Thema habe oft mit einer einseitigen Betrachtung der Bibel zu tun. Schneider betonte aber auch, entstandene Fragen klären zu wollen und die Orientierungshilfe in diesen Punkten zu überdenken.

„Bibel ist kein Bestätigungsbuch“

„Die Ehe bietet für viele Menschen ein besonderes Glückspotenzial“, sagte Schneider. Aber auch andere Formen des Zusammenlebens könnten dieses Glück und den Segen Gottes erfahren. Deshalb schätze die evangelische Kirche auch solche Beziehungen wert. „Viele Menschen haben durch die Orientierungshilfe eine Wertschätzung erfahren, die sie bisher vermissten“, sagte Schneider. Er warnte jedoch davor, die Bibel zu einem Bestätigungsbuch werden zu lassen: „Man muss sie nicht nur für uns, sondern auch gegen uns lesen.“ Das Hören auf Gottes Wort müsse in die heutige Gegenwart hineingestellt werden. Das bedeute für einige Fragen, „mit der Schrift gegen die Schrift zu argumentieren“. Zu Papst Franziskus erklärte Schneider, dieser ermutige jeden, die Barmherzigeit Jesu in die Mitte des Handels zu stellen. „Beten wir, dass dieser Papst erreicht, was er sich vorgenommen hat“, sagte er.

Mehr Bewusstsein für Christenverfolgung

Auch auf die Situation der Flüchtlinge an den europäischen Außengrenzen ging Schneider ein. „Schutzsuchende haben Anspruch auf Zugang zu einem effektiven Asylsystem“, sagte er. Jeder einzelne Flüchtling müsse gehört werden. Migranten dürften nicht ohne genauere Prüfung wieder in ihre Heimatländer zurückgeschickt werden. Außerdem habe die Christenverfolgung und die Verletzung der Religionsfreiheit weltweit zugenommen. Wichtig sei deshalb, ein verstärkte Bewusstsein für die Lage vieler Christen zu schaffen. In Gottesdiensten und Gemeindveranstaltungen müsse den Verfolgten gedacht werden. Noch bis Mittwoch beraten die Synodalen neben dem Schwerpunktthema Welternährung auch über das kirchliche Arbeitsrecht und die Kritik am EKD-Familienpapier. Am Sonntagnachmittag wählen die Mitglieder eine oder einen neuen Präses, nachdem die bisherige Präses Katrin Göring-Eckardt Ende September ihr Amt niedergelegt hatte. Zusammen mit dem Rat und der Kirchenkonferenz gehört die Synode der EKD zu den drei Leitungsgremien der Evangelischen Kirche in Deutschland. Sie besteht aus 126 Mitgliedern, davon mehr als die Hälfte Nicht-Theologen, und wird jeweils für eine Dauer von sechs Jahren gebildet. Die aktuelle Legislaturperiode läuft noch bis zum Jahr 2015. Die Synode kommt einmal jährlich an wechselnden Orten zu einer mehrtägigen Tagung zusammen. (pro)
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