Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat Pfarrerin Marie Hecke zur neuen Beauftragten für den Kampf gegen Antisemitismus berufen. Sie folgt auf Christian Staffa, der seit 2019 erster Antisemitismusbeauftragter der EKD war. Der bisherige Amtsinhaber geht Ende des Jahres in den Ruhestand.
Hecke arbeitet derzeit am Institut Kirche und Judentum an der Humboldt-Universität Berlin sowie als theologische Referentin der Generalsuperintendentin von Berlin. Die gebürtige Göttingerin hat in Leipzig, Münster, Berlin und Jerusalem evangelische Theologie und Judaistik studiert. 2023 wurde sie an der Universität Göttingen mit einer Dissertation zu jüdischer Bibeldidaktik und ihrer Rezeption in der christlichen Religionspädagogik promoviert.
Von 2021 bis 2024 war Hecke wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für feministische Theologie der Kirchlichen Hochschule Wuppertal, von September 2024 bis Dezember 2025 Vikarin in Berlin-Pankow. Sie ist Mitglied im Vorstand von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, der Arbeitsgemeinschaft „jüdisch & christlich“ beim Deutschen Evangelischen Kirchentag und Mitbegründerin des Netzwerkes „Disability & Theologie“.
Fehrs: „Stehen fest an der Seite der jüdischen Menschen“
In einer Pressemitteilung würdigte die EKD-Ratsvorsitzende, Bischöfin Kirsten Fehrs, die Arbeit des bisherigen Beauftragten. „Christian Staffa hat uns immer wieder vor Augen geführt, wie tief antijüdische Denkmuster auch in der christlichen Tradition verwurzelt sind. Er hat die Auseinandersetzung damit in unserer Kirche entscheidend vorangebracht. Dafür bin ich ihm von Herzen dankbar“, erklärte die Theologin.
Zugleich bekräftigte Fehrs, dass die evangelische Kirche fest an der Seite jüdischer Menschen stehe: „Das ist Teil unserer christlichen Verantwortung und eine bleibende Aufgabe unserer Kirche.“ Die künftige Beauftragte setze sich seit vielen Jahren intensiv mit den christlichen Wurzeln des Antisemitismus auseinander und engagiere sich für den jüdisch-christlichen Dialog.
Der Rat der EKD berief mit Christian Staffa 2019 erstmals einen Beauftragten für den Kampf gegen Antisemitismus. Die EKD-Synode bekräftigte 2023 mit ihrem Beschluss „Christlicher Glaube und Antisemitismus sind unvereinbar“ die Bedeutung dieser Arbeit und sprach sich für ihre dauerhafte strukturelle Absicherung aus. Zu den Aufgaben der Beauftragten gehören insbesondere die Beratung kirchlicher Leitungsorgane, die kritische Auseinandersetzung mit antisemitischen und antijüdischen Denkmustern in Kirche und Gesellschaft sowie die Zusammenarbeit mit jüdischen Organisationen, Wissenschaft und Zivilgesellschaft.