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EKD: Der ganz normale Wahlsinn

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat ein besonderes Verhältnis zu Wahlen. In punkto Dauer muss sie sich vor der Politik nicht verstecken. Über das Kreuz mit den Kreuzchen. Ein Kommentar von Nicolai Franz
Von Nicolai Franz
Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm lächelt auch noch nach dem 11. Wahlgang. Er wurde mit über 90 Prozent schon in der ersten Runde gewählt. Gleich geht es aufs Podium zum Gruppenfoto

Foto: pro / Nicolai Franz

Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm lächelt auch noch nach dem 11. Wahlgang. Er wurde mit über 90 Prozent schon in der ersten Runde gewählt. Gleich geht es aufs Podium zum Gruppenfoto

Dass hoffentlich alles schneller gehen möge als beim letzten Mal, scheint der am weitesten verbreitete Wunsch der EKD-Synodalen gewesen zu sein, als am Dienstag im Bremer Maritim-Hotel die Ratswahl bevorstand. 2009 hatten die Synodalen es selbst in 13 Wahlgängen nicht fertig gebracht, das höchste Leitungsgremium der EKD vollständig zu besetzen. Jeder Kandidat benötigt zwei Drittel der Stimmen. Damals wählten die Delegierten zwar bis tief in die Nacht, dennoch blieb ein Platz vakant, da sich die verschiedenen Gruppen der Synode nicht einigen konnten.
Ja, auch in der EKD-Synode, dem evangelischen Kirchenparlament, gibt es interessengeleitete Fraktionen: Die Gruppe Offene Kirche gilt als linksliberal, die Lebendige Gemeinde als pietistisch und der Gesprächskreis als mittig. Trotz neuer Wahlrichtlinien brauchten die Synodalen mehr als zwölf Stunden, um in elf Wahlgängen ihre neue Leitung zu bestimmen.
Unter den neuen Ratsmitgliedern ist auch Michael Diener, Vorsitzender der Evangelischen Allianz und des Gnadauer Gemeinschaftsverbandes. Für Evangelikale und Pietisten, die er im Rat vertreten möchte, ist das ein Grund zur Freude. Obwohl er als ausgleichender Theologe gilt, war seine Kandidatur in der Synode nicht unumstritten. Er wolle sich für Mission einsetzen, erklärte er, „glaubensweckend“ und „glaubensstärkend“ – auch nach dem Reformationsjubiläum 2017.
Am Ende brauchte es auch Stimmen der Offenen Kirche und des Gesprächskreises, um Diener im sechsten Wahlgang die erforderliche Zweidrittelmehrheit zu verschaffen. Es ist ein äußerst positives Signal, dass auch evangelikale und pietistische Anliegen in der Evangelischen Kirche möglich sind, wenn sie differenziert und konstruktiv vorgetragen werden.
Und doch ging es bei der Ratswahl zu wie auf dem Basar. Die Synodalen brauchten viel Zeit, um mehr oder weniger erfolgreiche Koalitionen schmieden, ohne dabei den so wichtigen Kirchenproporz zu vergessen. Lutheraner, Reformierte, Männer, Frauen, Württemberger, Rheinländer – sie alle wollten berücksichtigt werden. Seltsamerweise ist es am Ende dann doch ein Rat geworden, in dem kein gebürtiger Ostdeutscher Platz gefunden hat – und das jüngste Mitglied 44 Jahre alt ist. Der einzige Vertreter der jungen Kirche, Ingo Dachwitz, 28, wurde nicht gewählt. Die zahlreichen Unterstützer-Tweets hatten die synodalen Arbeitstische offenbar nicht erreicht.
Da mag es für manche zynisch gewirkt haben, als die Synoden-Präses die Kirche auf dem anschließenden Empfang der SPD dafür feierte, dass es eine „gelebte Umsetzung der reformatorischen Einsicht des Priestertums aller Getauften“ gebe. Schließlich seien fast genauso viele Frauen wie Männer im Rat vertreten.
In den kommenden Jahren werden sich die Delegierten ohnehin stärker mit dem fehlenden Nachwuchs – und damit mit Mission – beschäftigen müssen als mit paritätischen Gremien. Wichtiger als die gleichmäßige Besetzung wird künftig die missionarische Herausforderung sein, weil der Nachwuchs fehlt. Dieses Problem kommt. Spätestens, wenn das Geld knapp wird, das aktuell noch reichlich fließt. (pro)

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