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Einsame Kämpfer ohne Korrektur

Die beiden Führer der C-Parteien sind auf dem „besten“ Weg, ihr politisches Lebenswerk zu ruinieren. Haben die beiden keine Freunde, die sie in den Arm nehmen und sagen: „Es reicht!“? Eine Kolumne von Jürgen Mette
Von Jürgen Mette
Der Theologe Jürgen Mette leitete viele Jahre die Stiftung Marburger Medien. 2013 veröffentlichte er das Buch „Alles außer Mikado – Leben trotz Parkinson“, das es auf die Spiegel-Bestsellerliste schaffte.

Foto: pro, Jürgen Mette

Der Theologe Jürgen Mette leitete viele Jahre die Stiftung Marburger Medien. 2013 veröffentlichte er das Buch „Alles außer Mikado – Leben trotz Parkinson“, das es auf die Spiegel-Bestsellerliste schaffte.

Die Bundeskanzlerin, nordisch abgeklärte, kopfgesteuerte und emotional beherrschte Protestantin, bräuchte nur zu bekennen, dass sie sich in der Asylfrage verschätzt habe. Nicht ihre Willkommenspolitik ist ihr zum Verhängnis geworden, sondern ihr trotzig-kategorisches „Wir schaffen das“ ohne Wahrnehmung der bürokratischen und gesamteuropäischen Überforderung aller Beteiligten der Asylpolitik. Ein demütiges „Ich habe es nicht geschafft“ würde ihr verlorengegangenes Vertrauen wieder zurückbringen. Das würde ihre Position stabilisieren und ihr Freiheit geben, den mühsam erkämpften und keineswegs gesicherten Kompromiss erfolgreich umzusetzen.

Der Bundesinnenminister, verwundeter, bauchgesteuerter und machtbesessener Politsenior, religiös unauffälliger Traditionskatholik, bräuchte nur zu sagen: „Ich gehe!“ Nachhaltig verletzt durch seinen Machtverlust in Bayern, den ihm der evangelische Franke und Kreuzverfechter Söder beschert hat, scheint er auf dem Weg in die politische Bedeutungslosigkeit der Kanzlerin und den beiden C-Parteien größtmöglichen Schaden zufügen zu wollen.

Wie soll auf dem Hintergrund von Seehofers Attacken ein gedeihliches Gestalten des politischen Mandats möglich werden? Wer sich und andere so beschädigt, der wird zu einem Sicherheitsrisiko für jede Verhandlung. Verletzte Verletzer sind unberechenbar.

Kenne deinen stärksten Feind

Weil beiden Politikern und ihren Parteischwestern das C ganz wichtig ist, es steht ja für Christus, für das Evangelium, für biblische Werte, möchte ich an den jüdischen König Saul erinnern. Er war um 1000 vor Christus der erste König in Israel, der nach der Regierungszeit der Richter die Epoche der Monarchie eröffnen und aus einem Bündnis verschiedener Stämme Israels einen Staat gründen sollte. Ein schwieriger Charakter, von Depressionen geplagt, egozentriert, zerfressen von Eifersucht auf David, der ihn immer wieder mit therapeutischer Musik aufgebaut hat, dem Freund seines Sohnes Jonathan. An seiner Seite der Prophet, Mentor, Seelsorger Samuel, der im Auftrag Gottes den jungen David zum Nachfolger Sauls beruft und salbt. Saul versagt in jeder Hinsicht. Von Neid geplagt versuchte er David, der inzwischen sein Schwiegersohn geworden war, aus dem Weg zu räumen. Aber David rächte sich nicht an seinem Schwiegervater. Schließlich wurde Sauls Armee im Gilboa-Gebirge von Israels Erzfeind, den Philistern, besiegt. Saul stürzte sich aus Gram und Schmach in sein eigenes Schwert. Ein tragischer Politiker war am Ende ohne echte Freunde, resistent gegenüber jeglicher Beratung.

Mich bedrückt die Einsicht, dass hervorragende Politiker ihren stärksten Feind nicht kennen: die Sucht nach Macht und Machterhalt. König David hatte in der schwersten Krise seiner Regierungszeit einen weisen Berater an seiner Seite, den Propheten Nathan, der ihm eine Parabel erzählt und ihm, der seine Schuld verbergen will, das entlarvende „Du bist der Mann!“ entgegenhält.

Wer berät die Kontrahenten, wer öffnet ihnen die Augen? Je größer die Macht, desto größer die Blindheit für die Realitäten? Horst Seehofer sollte sich den Ruhestand gönnen. Ein Hof am See wird sich im schönen Bayernland sicherlich finden. Er hat viel geschafft und viel erreicht. Wenn er jetzt nicht dankbar und entspannt geht, wird er in Verbitterung enden. Helmut Kohls trauriges Lebenszeugnis ist noch nicht vergessen. Horst Seehofer könnte den Unterschied machen.

Von: Jürgen Mette

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