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Eine Kindheit voll Liebe und Drogen

Adrian ist Helgas Ein und Alles. Doch die liebevolle Beziehung zwischen Mutter und Sohn wird von Helgas Drogensucht auf die Probe gestellt. Bis gegen Ende der österreichisch-deutschen Filmproduktion „Die beste aller Welten“ das Evangelium ins Spiel kommt. Eine Filmkritik von Raffael Reithofer
Von PRO
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Mutter Helga (Verena Altenberger) und Sohn Adrian (Jeremy Miliker) lieben sich innig – unter schweren Umständen

Foto: Polyfilm

Mutter Helga (Verena Altenberger) und Sohn Adrian (Jeremy Miliker) lieben sich innig – unter schweren Umständen

Adrian will Abenteurer werden. Nachdem er am rauschenden Fluss einen Schweizer Kracher zündet, hat sich im Gestein eine Pfeilspitze gelöst. In seiner Vorstellung kämpft der siebenjährige Bub mit der Pfeilspitze in der Hand als Held der Vorzeit gegen ein fürchterliches Monster. „Dein Ururururururururururur-Großvater war ein Abenteurer. Und in unseren Adern fließt das gleiche Abenteurer-Blut wie bei ihm“, geht Adrians Mutter Helga (Verena Altenberger) liebevoll auf die lebhafte Phantasie ihres Sohnes ein. Stiefvater Günter (Lukas Miko) sieht Adrian als seinen eigenen Sohn an. Eine wundervolle Familie – wären da nicht die Drogen. Nach der obigen Szene sitzen Helga und Günther mit ihren Junkie-Freunden am Lagerfeuer neben dem Fluss und konsumieren Opium-Tee – Adrian (Jeremy Miliker) ist mitten unter ihnen. Der Grundschüler wächst in der Salzburger Drogenszene auf, fernab von den touristischen Hotspots der Mozartstadt in einer düsteren Sozialwohnung, in der noch dazu ständig Junkies aus- und eingehen.

Helga und Günther wirken müde und sind sichtlich gezeichnet von ihrer Sucht. Immer deutlicher wird im Laufe des Films, welch große Mühe Helga dabei hat, ihren Alltag zu bewältigen. Ihre Arbeit an einem Würstelstand verliert sie. In der Gestalt des hemdsärmligen Herrn Hütter (Michael Fuith) sitzt ihr das Jugendamt im Nacken. Dabei ist ihr kaum etwas wichtiger, als ihrem Sohn ein liebevolles Zuhause zu geben. Wie schwierig das mitunter ist, zeigt sich, als Dealer Michael (Michael Pink) – genannt: „Der Grieche“ – Adrian Wodka einflößen will. Das kann Helga – die vom Drogenkonsum ihrer Kräfte beraubt im Bett lag – nur im letzten Moment verhindern. „Der Grieche hat irgendwie so etwas Böses an sich, wie ein zweiter Mensch, wie ein Dämon. Und deswegen macht er manchmal so Scheiß-Sachen“, meint Helga im Nachhinein zu ihrem Sohn, der ihr entgegnet: „Ich hoffe, dass wir nie so werden.“ Das Wort ‚Dämon‘ hätte Helga besser nicht erwähnt, denn nun muss in Adrians Tag- und Alpträumen ein Abenteurer gegen einen Dämon kämpfen. Das wird schließlich – so viel sei verraten – zur Eskalation führen.

Evangelium als letzter Ausweg

Während Helgas Leben zusehends aus ihrer Hand gleitet, trifft es sich, dass einer der befreundeten Junkies namens Bernie Windbichler (Reinhold G. Moritz) auf Entzug nach Spanien muss. Was ihn daran besonders ärgert: Es handelt sich um eine christliche Therapie. Tatsächlich kehrt Bernie als neuer Mensch und mit missionarischem Eifer aus dem Süden zurück. Als er Helga und Günter besucht, klopft er nicht – wie unter den Junkies üblich – an der Balkontür, sondern läutet an der Gegensprechanlage. Freudestrahlend begrüßt er seine alten Freude und erklärt auf die Frage „Was haben die mit dir in Spanien gemacht?“: „Die haben gar nichts gemacht. Jesus hat alles gemacht – für uns. Er liebt uns. Er hat uns immer geliebt und wird uns immer lieben. Egal, was für einen Scheiß wir bauen.“ Während Günter die neue Botschaft wütend ablehnt, wird das Evangelium für Helga nach und nach zum letzten Strohhalm, an dem sie sich in ihrer Ausweglosigkeit zu klammern beginnt.

Es macht sich nicht nur an der Kameraführung bemerkbar, dass Drehbuchautor und Regisseur Adrian Goiginger „Die beste aller Welten“ durchwegs aus der Perspektive des Kindes erzählt – aus seiner eigenen Perspektive. Denn es handelt sich beim Plot nicht allein um eine wahre Begebenheit, sondern um die Kindheitsgeschichte des Regisseurs. „Für mich ist der Film kein Drogenfilm, sondern ein Liebesfilm“, erklärt Goiginger gegenüber der Kleinen Zeitung. Denn der Fokus der Geschichte liegt auf der Beziehung zwischen Mutter und Kind, die trotz aller widrigen Umstände stets außerordentlich liebevoll bleibt. Deshalb ist für den kleinen Adrian die kaputte Welt seiner Kindheit auch „Die beste aller Welten“.

Mit seinem ersten Langfilm ist dem erst 26-jährigen Regisseur ein Film gelungen, der selbst wenig gefühlsbetonte Menschen zu Tränen rührt. Zudem lässt der gläubige Christ in „Die beste aller Welten“ das Evangelium kurz, aber klar zur Sprache kommen. Umso erfreulicher, dass der Film von Österreichs säkularen Medien durchwegs gelobt wurde. Chapeau! (pro)

„Die beste aller Welten“ von Adrian Goiginger. Ab Donnerstag im Kino, 103 Minuten, freigegeben ab zwölf Jahren.

Von: rr

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