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Eine „göttliche Liebesgeschichte“ im Sommerkino: Ein Journalist wird Christ

„Gott existiert.“ Für diese Erkenntnis musste der Journalist Gregory Spring einen langen Weg hinter sich lassen. Eigentlich überzeugter Atheist, lernt er diese Lektion auf eine der ungewöhnlichsten Arten, die ein Kinofilm bislang gezeigt hat. Der neue Film „Der göttliche Andere“ von Jan Schomburg startet am Donnerstag in den Kinos. Eine Filmkritik von Jörn Schumacher
Von PRO
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Für die Kirche und den Glauben hat er eigentlich nur Zynismus übrig, doch eine Begegnung mit einer Frau verändert alles: der Journalist Gregory Spring im Spielfilm „Der göttliche Andere“

Foto: Warner Bros. GmbH

Für die Kirche und den Glauben hat er eigentlich nur Zynismus übrig, doch eine Begegnung mit einer Frau verändert alles: der Journalist Gregory Spring im Spielfilm „Der göttliche Andere“

Der deutsch-italienische Film „Der göttliche Andere“ handelt von einem jungen Fernsehjournalisten namens Gregory Spring, der nach Rom beordert wird, um von der Wahl des neuen Papstes zu berichten. Eigentlich Zyniker durch und durch, der von Liebe nichts wissen will und von der Kirche noch viel weniger, verliebt er sich dummerweise in Maria, eine angehende Nonne. Seine Berichterstattung über die Papstwahl garniert der Atheist süffisant mit einigen Seitenhieben auf die aus seiner Sicht homophoben, alten, weißen Männer im Vatikan. Und die Frau, die ihm den Kopf verdreht und das Herz gestohlen hat, ist ausgerechnet gläubige Christin.

Nun kommt Gott ins Spiel, denn der greift immer wieder durch unvorhersehbare Eingriffe in das Leben der beiden ein. Er scheint gar nicht zufrieden zu sein mit der sich anbahnenden Liebelei. Der deutsche Regisseur Schomburg schafft es, den Zuschauer mit vielen skurrilen, geradezu „Amélie“-haften filmischen Bonbons zu unterhalten und dem Film trotz des schweren Themas Vatikan/Religion eine Leichtigkeit zu verleihen. Da blickt Gott etwa in einer Espressobar von einem Poster des berühmten Michelangelo-Bildes „Die Erschaffung Adams“ streng in Gregorys Richtung, sobald er Maria auch nur berührt; sobald der Reporter „Ich liebe Dich“ versucht zu sagen, kommen aus ihm nur finnische Sätze; er versucht sich mit Hilfe der Film-Untertitel zu helfen, was Lacher im Kinosaal garantiert. Für eine gewisse Fallhöhe der Gags sorgt zudem zuverlässig der etwas trottelige Kameramann im Team. So meint er etwa, Italienisch sprechen zu können, aber in Wirklichkeit sind es salbungsvolle lateinische Sprüche, die aus seinem Mund kommen („Italienisch, Lateinisch, wo ist da der Unterschied?“).

Der coolste Papst der Filmgeschichte

Das notwenige Tempo für gute Film-Gags stimmt hier, die Schauspieler machen ihren Job gut, die Dialoge sind glaubwürdig. Und dabei schafft es Schomburg noch problemlos, quasi im Vorbeigehen tiefere Fragen des Glaubens zu thematisieren, ohne dass daran irgendetwas gestelzt wirkt. In einem Gespräch zwischen dem TV-Reporter Gregory und einem Jungen, der ihm auf der Straße „die originalen Nägel von Jesu Kreuzigung“ verkaufen will, huscht sogar ein wenig Medienkritik vorbei: „Ich verkaufe kitschige Geschichten, aber ich kaufe keine“, sagt Gregory, als der Junge ihm erklären will, an den Nägeln sei sogar noch DNA von Jesus.

Auch wenn es – unausbleiblich – zwischen Gregory und Maria um das Thema Glaube geht, bekommt man ein Gefühl dafür, warum Maria am Glauben hängt. Seinen Atheismus erklärt Gregorys Maria so: „Wenn man an nichts glaubt, kann man sich nie untreu werden.“ Maria kontert: „Oder sich auch nie treu sein. Niemals.“ Und diese einfache, aber weitreichende Erkenntnis hängt tatsächlich auch Gregory nach. Langsam, aber sicher muss Gregory erkennen, dass es da einen göttlichen Gegenspieler in der Liebesgeschichte in Rom gibt, eben jenen titelgebenden „göttlichen Anderen“, einen eifersüchtigen Dritten, der die beiden (so scheint es) nicht zusammenkommen lassen will. „Gott existiert!“ Und er ist eifersüchtig.

Dieser als „göttliche Liebesgeschichte“ angekündigte Film spielt mit dem Gedanken, dass vielleicht immer irgendwo Gott die Weichen stellt, erst recht wenn sich zwei Menschen kennen und lieben lernen. „Ich glaube, es geht jedem Paar so“, sagte Schomburg vorab gegenüber der Presse, „wer zurückschaut und sich bewusst macht, wie viele Zufälle es brauchte, damit man sich begegnen konnte, kann schon leicht schicksalsgläubig werden.“ Er ist überzeugt: „Wenn die Beziehung zwischen Jesus und Ordensschwestern beschrieben wird, ist das schon sehr verwandt mit einer Liebesbeziehung zwischen Menschen – nicht umsonst wird die Bezeichnung einer ‚Braut Christi’ verwendet.“

Schomburg verblüffte 2003 mit seinem Kurzfilm „Nie solo seiN“ die Kritiker, 2011 schuf er mit „Über uns das All“ mit Sandra Hüller und Georg Friedrich in den Hauptrollen ein bemerkenswertes und vielgelobtes Werk, in „Vor der Morgenröte“ (2016) erzählt er das Leben des Schriftstellers Stefan Zweig nach. Derzeit schreibt Schomburg auch an einem Roman: „Das Licht und die Geräusche“ soll 2021 erscheinen. In „Der göttliche Andere“ lässt er einen ungläubigen Journalisten auf ungewöhnliche Weise zu Gott finden. Allein dessen Herangehensweise an die Papst-Wahl wäre im echten Leben beachtenswert: Anstatt den üblichen Rauch, schwarz oder weiß, aus dem Schornstein des Vatikan endlos immer wieder neu abzufilmen, geht Gregory ins Gefängnis und interviewt einen Häftling zu seiner Meinung über die Papstwahl. „Wen würde Jesus wohl interviewen?“ Wahrscheinlich doch: „Die Aussätzigen, die Huren, die Kriminellen, die Ungläubigen. Die hätte Jesus interviewt“, sagt Gregory. Und auch wenn man es von einem Film, der in Rom spielt, ja schon fast erwarten kann, Schomburg präsentiert hier eine wunderschöne Kameraführung, bei der jedes Bild die Stadt und die Darsteller ästhetisch würdigt und den Zuschauer dran bleiben lässt.

Eigentlich könnte man sich am Ende fragen: Warum hat Gott eigentlich etwas gegen die Beziehung zwischen Gregory und Maria? Und wenn dem so ist, warum verhindert er nicht einfach, dass sie sich immer wieder in Rom begegnen? Die Antwort muss der Zuschauer wie der Protagonist auf ungewöhnliche Art verstehen. Ein Film mit einer tollen Botschaft. Was ist Liebe? Sie ist in jedem Fall kein Deal, kein Kuhhandel, auf den man sich vertraglich berufen kann. Und diese Botschaft wird in diesem Film übrigens just vom vielleicht coolsten Papst der Filmgeschichte beigesteuert, zu dem man sich gleich einen Spinoff wünschen würde.

Von: Jörn Schumacher

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