Die musikalischen Gene in unserer Familie sind sehr unterschiedlich verteilt. Während meine beiden älteren Geschwister die christlichen Kinder- und Jugendchöre im frommen Mittelhessen mit Freude besucht haben, ging diese Entwicklung eher – und wahrscheinlich zum Glück aller Beteiligten – an mir vorüber.
Doch auch ich habe eine musikalische Karriere begonnen. Mit neun Jahren fing ich an, Trompete zu spielen. In einer Woche Bläser-Freizeit hat uns unser Ausbilder dabei geholfen, die ersten Lieder zu spielen. Bis heute bin ich dabei geblieben. Mittlerweile ist die biblische Posaune „mein“ Instrument. Auch wenn ich nach wie vor zu den Menschen gehöre, die sich Musik eher „erarbeiten“ als sie zu spüren, ist das Musizieren seit 35 Jahren ein fester Bestandteil meines Lebens.
Warum ich Ihnen das alles aufschreibe? Weil heute eine Meldung auf meinem Schreibtisch gelandet ist, die vielleicht für viele von Ihnen nur eine Randnotiz gewesen wäre. In einer Pressemitteilung warnt der Deutsche Musikrat öffentlich vor dem Niedergang der Kirchenmusik. Rasches Handeln sei gefragt. Bereits vor Monaten hatten die Rektoren der Kirchenmusikschulen die Kirchenleitungen dazu aufgerufen, sich um die kirchenmusikalische Ausbildung zu kümmern (PRO berichtete).
An die Vorzüge der Kirchenmusik erinnern
Jetzt wären Parallelen zwischen dem örtlichen Posaunenchor mit „beschränktem“ musikalischem Personal und professionellen Orchestern vermessen. Ich finde eine so deutliche Stellungnahme für ein nicht-konfessionelles Gremium dennoch beachtlich. Ruft sie doch die Vorzüge der (Kirchen)-musik noch einmal ins Gedächtnis.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Musik verbindet. Das finde ich gerade in einer Zeit wichtig, in der viele oft nicht mehr miteinander reden können oder wollen. Aber auch Gemeinden können mit dem Pfund der Musik wuchern. Kirchenmusik erreicht in Kantoreien, Chören und Ensembles auch immer Menschen, die nicht zwangsläufig sonntags im Gottesdienst sitzen. Die Bandbreite der Kirchenmusik ist mittlerweile enorm: von alten Bach-Choräle bis zur Popularmusik.
Und natürlich bin ich als Christ der Meinung, dass „unsere“ Musik eine geistliche Komponente hat und immer auch den Glauben transportiert. Für mich geht musikalisch und textlich nichts über Johann Sebastian Bach. Aber auch als wir uns im November auf ein Konzert zu Felix Mendelssohn-Bartholdy vorbereitet haben, haben mich dessen Texte berührt.
Christliche Veranstaltungen, die in die Gesellschaft wirken
In der Kirchenmusik kommen die Menschen mit der Frohen Botschaft in Berührung. Und christliche Angebote und Veranstaltungen wirken in die Gesellschaft: im Gottesdienst, auf Weihnachtsmärkten, in Pflegeheimen oder bei der Aufführung großer geistlicher Werke vor Ostern oder Weihnachten. Das sollte uns immer bewusst sein.
Von daher brauchen wir auch in Zukunft gut ausgebildete Profis, die ihr Wissen weitergeben und gerne und gut musizierende Laien, die das in Kantoreien, Chören und Ensembles anwenden. Jetzt muss ich aber zum Ende kommen. Schließlich will ich noch in den Posaunenchor.
In der ersten Probe nach Weihnachten haben wir immer ein Wunschkonzert. Ich werde mir „Gloria, sei Dir gesungen“ wünschen! Brillanter Text, der Lust macht auf Mehr: mehr Musik und mehr Glauben. Gerne dürfen Sie mir auch mitteilen, was Sie sich gewünscht hätten und warum.