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Ein Gebet und vier Räder

Er war einer der sympathischsten Figuren des Rennsports, mit 34 Jahren starb er 1994 beim Formel-1-Rennen in Imola und wurde zur Legende. Am heutigen Donnerstag kommt ein Film über den gläubigen brasilianischen Spitzensportler Ayrton Senna in die Kinos.
Von PRO

Foto: Universal Pictures

Ayrton Senna war in mehrfacher Hinsicht ein Ausnahmesportler. Das Kind aus einer wohlhabenden Familie lernte auf der Kart-Bahn schon früh den Rausch der Geschwindigkeit kennen. Als er mit 21 Jahren in die Formel 1 ging, zog er sehr bald die Aufmerksamkeit auf sich. Er schien seinem Wagen und seinem Körper etwas abverlangen zu können, was kaum jemand sonst schaffte. Während andere Fahrer auf regennasser Fahrbahn vorsichtig die Geschwindigkeit drosselten, raste Senna wie in Trance durch einen "Tunnel", wie er im Film sagt. Er bremste spät vor einer Kurve, beschleunigte wieder früh und behielt das Fahrzeug dennoch auf zauberhafte Weise in der Spur.

Der Film "Senna" vom britischen Regisseur Asif Kapadia, der am heutigen Donnerstag in die deutschen Kinos kommt, sei eigentlich ein "unmöglicher Dokumentarfilm", schwärmt die "Welt am Sonntag". Denn er porträtiere einen Helden, "größer und zerbrechlicher als das Kino selbst". Je näher man der Figur Senna in diesem Streifen komme, "desto unglaublicher und fabelhafter wird sie". Der Autor ist beeindruckt vom bibelfesten Glauben des Brasilianers, für den beim Rennfahren immer auch seine Beziehung zu seinem Gott wichtig war.

"Gott schenkte mir dieses Rennen"

"Gott hat mir die Chance gegeben, Formel 1 zu fahren", ist sich der junge Senna schon früh bewusst. "Jetzt gibt er mir Ruhe und Gelassenheit." Es ist diese Coolness, die aus seiner engen Beziehung zu Gott quillt, die Senna ebenfalls zu einem Ausnahmesportler machte. Verlor er Rennen, brachte ihn das näher zu Gott, gewann er, war er sich der Unterstützung von oben bewusst. Die Formel 1 sei ein einziger Zirkus um Geld und Politik, das erkennt Senna früh. Doch damit wollte er nie etwas zu tun haben, er wollte nur in einem schnellen Auto im Kreis fahren und am Ende Erster sein. Wer nicht an seinen Werten festhalte, auch wenn ihm Ungerechtigkeit widerfahre, könne gleich aufgeben, lernte der Fahrer. Für Senna sollte dies gleich zu Beginn seiner Karriere zu einer Herausforderung werden. Denn sein Teamkollege Alain Prost wurde schnell zu seinem ärgsten Feind, und die Funktionäre der Formel 1 legten die Regeln oft zu Ungunsten des Brasilianers aus.

Im Jahr 1988 holte sich der sympathische Brasilianer den ersten von insgesamt drei Weltmeistertiteln. Er war damals der jüngste Weltmeister der Formel 1. "Als ich siegte, war mir Gott ganz nahe, ich spürte seine Gegenwart", sagt der überglückliche Senna anschließend in die Kameras. Sennas tiefe Gläubigkeit veranlasste seinen Rivalen Prost zu Spott, jagte jenem aber offensichtlich einfach nur Angst ein. Senna fahre wie wahnsinnig, weil er an Gott glaube und sich für unsterblich halte. Für die Fans und für die Einschaltquote war das Duell zwischen dem Brasilianer und dem Franzosen natürlich wunderbar: Auf der einen Seite der feine, bescheidene Christ, auf der anderen Seite der kühl Kalkulierende, der den Spitznamen "Professor" trägt.

Beim Grossen Preis von Interlagos in Brasilien setzte Senna alles daran, zu Hause zu gewinnen. Als er längst führte, ging das Getriebe seines Boliden kaputt, und Senna konnte nur noch im sechsten Gang weiterfahren. Verbissen schaffte er das fast Unmögliche und gewann das Rennen. Als er über die Ziellinie dieses für ihn so wichtigen Rennens fuhr, schrie er wie von Sinnen ins Mikrofon. Anschließend brach er ohnmächtig zusammen, psychisch und physisch war er an seine Grenzen gegangen. "Gott schenkte mir dieses Rennen", sagt er später in die Kameras und zeigt mit dem Finger nach oben.

Vorbild als Mensch, als Sportler, als Christ

Immer bekannte sich Senna zu seiner Herkunft und löste in seinem Heimatland ein Fieber der Begeisterung aus. Brasilien habe so viel Reichtum in der Natur, aber so viel Armut in der Bevölkerung, sagte Senna. Er setzte sich für soziale Projekte ein, vor allem für Kinder. "Senna ist das einzige Gute an Brasilien", sagt eine Frau auf der Straße, umringt von Tausenden Menschen, die ihren Star feiern und ähnlich denken wie sie.

Der bekannte Formel-1-Arzt Sid Watkins hatte zu keinem Fahrer eine so innige Beziehung wie zu Senna. Er mochte dessen Bescheidenheit, "die bei Formel-1-Fahrern nicht gerade üblich ist", sagte Watkins. Am 1. Mai 1994 ging Senna für Williams beim Großen Preis von San Marino in Imola an den Start. Zuvor wurde das Wochenende von gleich zwei Unfällen überschattet: Der Österreicher Roland Ratzenberger verunglückte tödlich, und der Brasilianer Rubens Barrichello brach sich einen Arm und die Nase. Sennas Wagen krachte schließlich in einer Kurve in die Begrenzung und wurde fast zur Hälfte aufgerissen. Michael Schumacher, der damals unmittelbar hinter dem dreifachen Weltmeister fuhr, vergaß diesen Moment nie. Der Arzt  Watkins war zum Zeitpunkt des Todes direkt bei Senna. Später berichtete der überzeugte Atheist: Senna habe zum Schluss geseufzt, und in diesem Moment habe ihn die Seele verlassen.

Am Morgen seines Todestages habe Senna in der Bibel gelesen, erzählt seine Schwester Viviane. Er habe Gott um ein "großes Geschenk" gebeten. Die Bibelstelle habe ihm gesagt, dass Gott ihm tatsächlich etwas schenken wolle, und zwar das Größte, was ein Mensch bekommen könne: Gott selbst. Zum Schluss des Films wird der Grabstein  Ayrton Sennas gezeigt: "Nichts kann mich trennen von der Liebe Gottes." Und jedem ist klar, dass es auch diese Liebe zu Gott war, die Senna zu einem besonderen Menschen machte. Das "Genie des internationalen Sports", wie ein Fernsehkommentator sagte, gewann mit 31 Jahren zum dritten Mal den Weltmeistertitel. Doch ihm war wichtig, immer auch als Mensch dazu zu lernen, zu reifen, und nicht nur Titel und Geld einzuheimsen. "Meine Karriere geht vielleicht nicht mehr lang", sagte Senna einmal zur Begründung, "aber mein Leben geht hoffentlich noch lang." Senna war nicht nur als Sportler ein Vorbild, sondern auch als Mensch. Das zeigt dieser Film auf beeindruckende Weise. (pro)
http://movies.universal-pictures-international-germany.de/senna/
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