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„Eigentlich hatte ich frei an diesem 11. September“

Der 11. September 2001 hat sich wie kaum ein anderer Tag in diesem Jahrtausend ins Gedächtnis vieler Menschen eingebrannt. Für PRO erinnert sich der ehemalige Chefredakteur von Israelnetz, Christoph Zörb, an die redaktionellen Herausforderungen an jenem Tag.
Von PRO
Christoph Zörb
Christoph Zörb war von 1994 bis 2002 beim Christlichen Medienverbund KEP (heute: Christliche Medieninitiative pro) in Wetzlar tätig

Als ich den Fernseher einschaltete, stürzte gerade ein Turm des World Trade Centers in sich zusammen und begrub die Südspitze Manhattans unter einer Wolke aus Staub. Wolfgang Baake (Geschäftsführer Christlicher Medienverbund KEP, Anm. d. Red.) hatte kurz vorher aus dem Auto angerufen. In Amerika habe es offenbar Terroranschläge gegeben. In New York und Washington. Auf das World Trade Center, das Pentagon und (so hieß es fälschlicherweise zuerst) auch auf das State Department. Das amerikanische Außenministerium, hatten Wolfgang und ich erst vier Wochen zuvor mit einer Gruppe internationaler Journalisten besucht.

Eigentlich hatte ich frei an diesem 11. September. Aber es war klar, dass ich in die Israelnetz-Redaktion musste. Anders als die Fernsehsender, die live die Bilder kommentierten und den ein oder anderen Experten zuschalteten, wollten wir die Dinge einordnen in den Kontext des Nahen Ostens. Doch ich merkte bald: Das war ein Ding der Unmöglichkeit in diesen ersten Stunden. Viele Fragen waren offen, zu viele Informationen waren noch unter dem Staub und Dreck der Anschlagsorte verborgen.

Ich weiß nicht mehr, wie viele Telefonate zwischen Wetzlar und Jerusalem hin und her gingen an diesem Nachmittag und Abend. Es waren sehr viele. Uns allen war klar, dass da etwas Ungeheuerliches geschehen war. 

Wir haben an diesem Abend hauptsächlich die Berichterstattung von Arutz Sheva und der Jerusalem Post mit Quellenangabe in unsere Meldungen eingebaut. Über Araber in Nordisrael und Samaria, die vor Freude über die Anschläge Süßigkeiten verteilten (was stimmte) und einen jüdischen Architekten, der eine fünfstellige Zahl von Toten allein in New York befürchtete (was, Gott sei Dank, nicht stimmte). Was hätten wir auch sonst tun können?

Von: Christoph Zörb

Christoph Zörb (52) war von Mai 1994 bis Dezember 2002 beim Christlichen Medienverbund KEP (heute: Christliche Medieninitiative pro) in Wetzlar tätig. Er war zudem Mitbegründer und erster Chefredakteur von Israelnetz.

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