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Dürfen Christen zu Gott „Allah“ sagen?

In Malaysia streiten Christen und Muslime um den korrekten Namen Gottes. Die malaysische Regierung möchte Christen verbieten, Gott mit dem Namen Allah zu bezeichnen, dies sei nur Muslimen gestattet.
Von PRO

Foto: Beautiful faces of palestine/flickr

In dem überwiegend muslimisch geprägten Staat tobt in dieser Angelegenheit schon ein längerer Rechtsstreit. 2009 hatte die Religionsbehörde Malaysias der katholischen Wochenzeitschrift The Herald erlaubt, das Wort Allah zu benutzen. Daraufhin war es zu Brandanschlägen und Vergeltungsmaßnahmen gegen Kirchen, Sikh-Tempel und Moscheen gekommen.

Ein Gericht in Kuala Lumpur hat für den 10. September eine Berufung in dieser Frage zugelassen. Etwa 100 muslimische Demonstranten feierten dies wie einen Sieg. Bis zur Verhandlung bleibt die jetzige Regelung in Kraft. Von den 27,7 Malaysiern sind rund 60 Prozent Muslime, 20 Prozent Buddhisten und 10 Prozent Christen. 6,3 Prozent sind Hindus indischer Abstammung, der Rest steht meist Naturreligionen nahe. Der Islam ist zwar Staatsreligion, aber ansonsten herrscht in Malaysia Religionsfreiheit. Trotzdem beklagen  Minderheiten, dass ihre Rechte im Alltag immer wieder ausgehöhlt werden.

Allah schon lange in Liedern, Gebeten und Literatur

Die neue juristische Initiative zur Berufung geht vom Innenministerium aus. Laut einem Bericht der Tageszeitung Die Welt verweist die katholische Kirche darauf, dass malaysische Christen das Wort Allah schon lange in Liedern, Gebeten und Literatur benutzten, um Gott zu bezeichnen. 2011 habe Ministerpräsident Najib Razak den Import von Bibeln in der Landessprache gestattet, in denen Gott mit Allah übersetzt wird. Die Anwältin des Ministeriums argumentiert dagegen, dass Razak damit keineswegs die Benutzung des Wortes Allah durch Christen gestattet habe.

Malaysia besteht aus zwei Landesteilen: vor allem die Bewohner Borneos nennen ihren Gott Allah, im anderen Landesteil werde der Begriff Gott ins Englische übersetzt. Das am weitesten verbreitete Wort für Gott ist Tuhan. Aus Sicht des Welt-Redakteurs Matthias Heine ist die Argumentation des Staates historisch nicht haltbar. Das Wort Allah sei im Arabischen älter als der Islam selbst. Vorislamische Polytheisten verwendeten es ebenso wie die Verfasser vorislamischer Inschriften. „Allah ist genauso wie Gott eigentlich kein Name, sondern ein Gattungsbegriff, der nur deshalb als Name empfunden wird, weil Christen, Muslime und Juden eben nur an einen Gott glauben“, bilanziert Heide. (pro)

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