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Meinung

Drama um würdevolles Sterben

Das ZDF thematisiert in einem Fernsehfilm die Bedeutung von Patientenverfügungen. Das Drama schildert die Konflikte der Angehörigen und den Leidensweg einer Wachkomapatientin, wenn keine entsprechende Verfügung vorliegt.
Von Norbert Schäfer
Szene aus „Bring mich nach Hause“, ZDF

Foto: ZDF

Die beiden Schwestern Sandra (Anneke Kim Sarnau, r.) und Ulrike (Silke Bodenbender, l.) am Bett ihrer Mutter (Hedi Kriegeskotte), die im Koma liegt.

Der ZDF-Fernsehfilm „Bring mich nach Hause“ zeichnet frei, aber nach wahren Begebenheiten, den Weg zweier Schwestern mit unterschiedlichen Weltanschauungen nach, den Willen der Mutter zu ergründen, die im Wachkoma liegend zwischen Leben und Tod gefangen ist.

Mutter Martina, gespielt von Hedi Kriegeskotte, stürzt in der Küche. Die Folgen sind fatal. Der gerufene Retttungsdienst muss bereits am Unfallort reanimieren. In der Klinik stellt sich heraus, dass das Hirn der Mutter aufgrund einer Schwellung nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wurde und die Patientin daher „schwer hirngeschädigt“ bleiben und auch das Bewusstein nicht wiedererlangen wird.

Es stellt sich heraus, dass die Mutter zwar eine Vorsorgevollmacht für eine Tochter, aber keine Patientenverfügung ausgestellt hat. Nach Wochen ohne Besserung und mit künstlicher Beatmung muss die Patientin schließlich als Wachkomapatientin in eine Pflegereinrichtung verlegt werden. Sie kann zwar wieder alleine atmen, baut aber über Wochen und Monate und trotz der künstlichen Ernährung mehr und mehr ab. Infektionen und Druckstellen verschlechtern zudem den Gesundheitszustand der Frau.

Vertrauen nicht allein in Gerätemedizin setzen

Tochter Ulrike, gespielt von Silke Bodenbender, ist Religionslehrerin und in einer Kirchengemeinde in der Kinderarbeit aktiv. Ihrer ledige Schwester Sandra, im Film von Anneke Kim Sarnau dargestellt, ist eine erfolgreiche Physikerin. Sie ist nüchtern und faktenorientiert. Ulrike wirft ihr vor, die Mutter bereits nach wenigen Wochen im Koma aufzugeben. Ulrike will die Hoffnung nicht aufgeben, macht sogar noch den eigenen Kindern Zuversicht indem sie sagt, dass sie jeden Abend beten für die Oma, und erwägt in ihrer Verzweiflung gar den Einsatz homöopathischer Mittel. Die emotionale Tochter hält sich an Fällen fest, bei denen Patienten nach Jahren aus dem Koma erwacht sind. Auf die Frage ihrer Schwester Sandra, was denn die Mutter ohne Bewusstsein sei, antwortet Ulrike: „Ein lebendiges Wesen, das Gott genauso liebt.“

Sandra versucht sehr bald, den eigentlichen Willen der Mutter zu ergründen. Dazu sucht sie den ehemaligen behandelnden Arzt der Mutter auf. Die Tochter wird im Pflegeheim Zeuge eines Erstickungsanfalls der Mutter und einer erneuten Reanimation. Sandra kommt zu dem Ergebnis: „Mama wollte nicht künstlich ernährt werden“, sie wollte „keine Maschinen“. Die Physikerin, der wegen der Krankheit der Mutter droht, ein wichtiges und angesehenes Forschungsprojekt zu entgleiten, drängt ihre Schwester Ulrike zur Auseinandersetzung mit dem Willen der Mutter, „weil wir sie unnötig leiden lassen“.

Eine Szene im Film zeigt prägnant die Schwere des Themas und die tiefen ethischen Fragen, die damit einhergehen. „Wenn es einen Stromausfall gäbe“, stellt der Pfarrer hypothetisch in den Raum, „wäre das eine Erlösung von Gott oder einfach nur ein Stromausfall?“ Der Geistliche warnt davor, zu viel Hoffnung und Vertrauen in die Gerätemedizin zu setzen oder der Technik gar letzte Entscheidungen zu überlassen. „Ich weiß nicht, ob wir mit den Maschinen den Weg Gottes gehen. Ich bin mir nicht sicher“, konstatiert der Pfarrer.

Zu Lebzeiten mit dem Tod auseinandersetzen

Das Drama zeigt emotional und einfühlsam die Konflikte der Frauen, die mit unterschiedlichen Wertvorstellungen und Glaubensüberzeugungen versuchen, dem Willen der todkranken Mutter gerecht zu werden. Bis die Mutter am Ende würdevoll sterben kann, haben die Schwestern noch ihre Beziehung zueinander zu klären und Widerstände der eigenen Familie, des Pflegeheims und der Justiz zu bewältigen. Der Film streift ein Reihe tiefer ethischer von Fragen an der Grenze zwischen Leben und Sterben und erinnert daran, dass die Debatte um Sterbehilfe nicht abgeschlossen ist.

Die beiden Hauptdarstellerinnen spielen ihre Rollen souverän und überzeugend. Die Bedeutung von Religion und dem christlichem Glauben am Scheidepunkt zwischen Leben und Tod wird einmal sehr reflektierend in der Rolle des Gemeindepfarrers dargestellt, aber auch einmal als dumpf, bigott und unbarmherzig im Kontext des Pflegeheimes. Das Drama „Bring mich nach Hause“ zeigt eindrücklich, wie komplex der Umgang mit Menschen auf und mit dem Weg zum Tod sein kann und vor allem, wie wichtig die Auseinandersetzung mit dem eigenen Ableben – auch für die Angehörigen – zu Lebzeiten ist.

„Bring mich nach Hause”, ZDF, 25. Oktober 2021, 20.15 Uhr und in der ZDF-Mediathek

Im Anschluss an den Fernsehfilm strahlt das ZDF ab 21.45 Uhr die Dokumentation „Zwischen den Welten: Leben und Sterben im Wachkoma“ von Lisa-Maria Schnell aus. Die Dokumentation befasst sich mit verschiedenen Positionen über würdevolles Sterben aus medizinischer, juristischer, ethischer und theologischer Perspektive.

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