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Drama, Baby!

Ein faszinierendes Gedankenspiel: Eine Zeitreise führt Aidan in die Vergangenheit zum Apostel Johannes. Im Gespräch mit ihm erlebt er intensive theologische Erkenntnisse. Wenn nur das ganze Drama nicht wäre. Eine Rezension von Stefanie Ramsperger
Von PRO
Das Johanneskloster auf der griechischen Insel Patmos wurde 1088 gegründet und erinnert an den Apostel, der hier die Offenbarung schrieb
Das Johanneskloster auf der griechischen Insel Patmos wurde 1088 gegründet und erinnert an den Apostel, der hier die Offenbarung schrieb

Eigentlich müsste Baxter Krugers Buch „Pathos – drei Tage, zwei Männer, eine Begegnung mit Gott“ heißen. Denn pathetisch geht es zu in dem fiktiven Werk, das im Gütersloher Verlagshaus erschienen ist. Der korrekte Titel lautet allerdings „Patmos“, benannt nach der Insel, auf der Gott dem Apostel Johannes das Ende der Welt offenbarte.

Auf diese Insel wird der amerikanische Theologieprofessor Aidan Macallan versetzt und unternimmt eine Zeitreise, bei der er dem Apostel höchstpersönlich begegnet. In einem über drei Tage andauernden Dialog tauschen sich beide über die 2000-jährige Kirchengeschichte und über theologische Konzepte aus.

An sonstiger Rahmenhandlung mangelt es dem Buch, nicht aber an Gefühlsausbrüchen amerikanischen Stils, Drama, Ergriffenheit und vielen Tränen – Tränen der Freude und Überwältigung selbstverständlich, die jede Einsicht begleiten, die den Professor auf der Insel ereilt. („Mein Bruder!“ Ich fiel weinend auf den Boden. „Wir haben das Wort Gottes verflucht und gekreuzigt.“)

In der besonderen Atmosphäre auf Patmos hat auch Aidan Visionen, die ihn zutiefst ergreifen. (Johannes: „Erzähle mir, was du gesehen hast.“ – „Vielleicht in hundert Jahren. Früher bin ich dazu, glaube ich, nicht in der Lage.“) Glücklicherweise muss der Leser aber keine hundert Jahre auf eine Auskunft warten, sondern nur vier Zeilen lang, bis Aidan seine Sprachlosigkeit überwunden hat und schildert, was er gesehen habe.

Der Erzähler würdigt die Beiträge, die Karl Barth, Martin Luther, Augustinus, George MacDonald, aber auch weniger geläufige Glaubenslehrer wie Polykarp und Irenäus zur Entwicklung der christlichen Lehre geleistet haben. Er kritisiert das Wirken von Calvinisten und Presbyterianern.

„Der Heilige Geist ist kein Gespenst“

Spannender sind die Ausführungen zu theologischen Vorstellungen wie „Jesus als Schöpfer“, das Böse in der Welt oder zur Freiheit des Menschen. Johannes‘ Erklärung hierzu: „Der Herr nimmt uns unsere Freiheit nicht (…), hat stattdessen die Verantwortung für das übernommen, was wir in unserer Freiheit taten und tun.“

Über die Bezeichnung „Heiliger Geist“ empört sich der Apostel: „Der Heilige Geist ist kein Gespenst. Sie ist eine wunderschöne Person, die schönste von allen, viel zu schön für unsere Gedanken.“ Eine „Meisterin der Kommunikation“ sei dieser Part der Dreifaltigkeit. Das Gedankenexperiment, den Heiligen Geist als „Seele“, so wird er von Johannes bezeichnet, und weiblich zu denken, kann für einige Leser sicher gewinnbringend sein.

Der dreieinige Gott selbst wird zum zentralen Bestandteil des Gesprächs zwischen beiden. „Der Vater ist im Sohn, der Sohn im Vater, und die Heilige Seele ist in Vater und Sohn“, erklärt Johannes. Und die Menschen in Jesus. Ohne Jesus bliebe nur die Vorstellung, „Gott existiere getrennt von uns“. Anders ausgedrückt: „Jesus bedeutet, dass Gott und die Menschen vereint sind.“ Auf Seite 152 von 285 begreift Aidan schließlich und formuliert selbst: „Aber es ist klar, dass für dich die Verbundenheit zwischen Gott und Mensch entscheidend ist.“ Ja, möchte ihm der Leser zurufen, endlich hast du die Kernaussage des Buches begriffen! Aber was der eine als Länge empfinden mag, ist für den anderen vielleicht genau das richtige Erzähltempo, zumindest aber sind Wiederholungen offenbar gewollt. Wie sonst sollte Aidans Lob darüber, dass Johannes sich bei seinen Erläuterungen so gut Aidans Verstandeskapazitäten anzupassen vermöge, aufzufassen sein?

Die theologischen Einsichten des Protagonisten werden dem Leser in „Patmos“ eindrücklich vermittelt. Dass etliche Worte kursiv gedruckt sind, hebt zentrale Gedanken nochmals hervor.

Offen bleibt am Ende nur: Wie klingt es, wenn jemand „mit apostolischer Freude“ spricht? Wie hört sich „apostolische Autorität“ an? Wie schaut das ebenfalls oft bemühte „apostolische Lächeln“ aus? Und was muss man tun, um einen „apostolischen Gesichtsausdruck“ zu erzeugen? (pro)

C.Baxter Kruger: „Patmos – Drei Tage, zwei Männer, eine Begegnung mit Gott“, Gütersloher Verlagshaus, 288 Seiten, 19,99 Euro, ISBN 9783579086613 Foto: Gütersloher Verlagshaus
C.Baxter Kruger: „Patmos – Drei Tage, zwei Männer, eine Begegnung mit Gott“, Gütersloher Verlagshaus, 288 Seiten, 19,99 Euro, ISBN 9783579086613

Von: StR

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