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Disneys Neuer über Vergebung und Erlösung

Mit "Eine Weihnachtsgeschichte" kommt heute eine Adaption des bekannten Romans von Charles Dickens in die Kinos, die das Auge und das Herz anspricht. Visuell atemberaubend bietet der Stoff Wertekino für die Weihnachtszeit. Nicht nur optisch geht der Film in die Tiefe.
Von PRO

Foto: ImageMovers Digital LLC

Wenn Oscar-Preisträger Robert Zemeckis, dem wir unter anderem "Zurück in die Zukunft" und "Forrest Gump" verdanken, einen neuen Film ins Kino bringt, kann man einiges erwarten. Bei der "Weihnachtsgeschichte" führte er nicht nur Regie, sondern schrieb auch das Drehbuch und fungierte als Produzent. Offenbar war er überzeugt von dem Stoff. Und in der Tat, was Zemeckis da auf die Leinwand bringt, ist großes Kino im wahrsten Sinne des Wortes. Vor allem aber ist es ein großer Schritt auf dem Gebiet des computeranimierten Kinofilms.

Die neue Firma "ImageMovers Digital" hat sich einer Technik bedient, die sich "3D-Performance-Capture" nennt. Dabei agieren die Schauspieler ohne Szenenbild und in normaler Kleidung, erst im Computer bekommen die Figuren ihre Kleider aus dem viktorianischen England. Im Kino bekommt der Zuschauer eine Brille, die ihm ein dreidimensionales Eintauchen in den Film ermöglicht. Und so ist es nicht übertrieben, von einem ganz neuen visuellem Erleben zu sprechen, einer Achterbahnfahrt, die das Kino in ein neues Zeitalter führt.

Was früher unmöglich war und beim IMAX-Kino noch übertrieben wirkte, schafft nun ein Kinoerlebnis, bei dem eine rasante Kamerafahrt durch das verschneite London des 19. Jahrhunderts ebenso möglich ist wie die sehr reale Auferstehung eines Geistes, der mitten im Zimmer steht. Das ist manchmal atemberaubend schön, manchmal schauererregend gruselig. Der Film ist von der Freiwilligen Selbstkontrolle (FSK) ab 12 freigegeben, Kinder in Begleitung der Eltern können ab 6 ins Kino.

Der Schauspieler Jim Carrey spielte gleich sieben Rollen in diesem Film, darunter auch die drei Geister, die den alten Scrooge nacheinander besuchen. Doch wer eine Abneigung gegen den Meister der Grimassen ("Die Maske") hegen sollte, kann beruhigt sein: Carrey war dank elektronischer Maskerade nie weniger Carrey als in diesem Film. Weitere Schauspieler in den Nebenrollen sind Gary Oldman ("Das fünfte Element", "The Dark Knight") als Buchhalter Bob Cratchit und Colin Firth ("Bridget Jones") als Neffe Scrooges.

Die Figuren, die leider immer noch etwas computeranimiert wirken und an deren nach wie vor nicht ganz natürlichen Bewegungsablauf man sich erst gewöhnen muss, wurden getreu nach den Originalzeichnungen aus dem Buch von Charles Dickens aus dem Jahr 1843 geschaffen. Auch der Text nahm sich das Original als Richtlinie. Über die Vorlage sagt Regisseur Zemeckis: "Diese Erzählung ist so visuell und bildgewaltig, es scheint, als hätte Charles Dickens sie fürs Kino geschrieben."

Letzte Chance für einen Ungläubigen

Die Geschichte ist vielen Lesern des Buches oder durch verschiedene Verfilmungen bekannt – sie kommt hier mit ganz neuem Aussehen in die Kinos. Ebenezer Scrooge ist ein Geizhals, der Geld nur ansammelt, um es zu besitzen, nicht, um es auszugeben. Jesus hätte von solch einem Menschen wohl gesagt, dass er schwerlich ins Himmelreich kommt, und dessen Herz verhärtet ist. Die Hauptfigur in Dickens Roman hasst alle Menschen, vor allem aber Weihnachten, an dem alle so liebevoll miteinander umgehen. Doch Scrooges Liebe zum Geld steht nicht (nur) im Widerspruch zu Weihnachten.

Sie steht im Widerspruch zu Gottes Gebot, andere Menschen zu lieben und Gutes zu tun. Deswegen ist "A Christmas Carol" auch nur vordergründig eine Geschichte um Weihnachten. Im Grunde geht es um eine Herzenseinstellung, die uns alle angeht. Der Geist der gegenwärtigen Weihnacht macht mit einem Seitenhieb auf den "so genannten geistliche Stand" klar: auch die Zugehörigkeit zu irgendeiner Kirche hilft nichts, und auch die Kirchen fehlen oft darin, Geld wirklich sinnvoll für die Ärmsten einzusetzen.

Scrooges alter Geschäftskollege Jacob Marley, der vor sieben Jahren starb, kommt den alten Geizkragen eines Nachts in seinem Haus besuchen. Die beiden hatten als Geldwechsler gearbeitet und dabei das Geld vor allem gescheffelt, aber nie sinnvoll oder zum Wohle anderer eingesetzt. In vielen Ketten muss Marley nun als Geist sein Dasein fristen, die vielen Sünden hängen im wahrsten Sinne des Wortes schwer an ihm. Um ihn zu warnen, sagt Marley seinem noch lebenden Kollegen, er müsse sein Leben ändern, sonst endete es sicher noch schlimmer mit ihm.

Unerbittlicher Schrei nach Vergebung

Drei Geister erscheinen Scrooge nacheinander, und sie konfrontieren ihn mit seinem eigenen Leben, einem Leben voller Hass, Geiz und Ichbezogenheit. Und so ist es vor allem der Schrei nach Vergebung, der in Scrooge im Laufe des Films immer lauter erschallt. Die Untaten, die über den alten Mann hereinbrechen, kommen völlig ohne Erbarmen, Disney gönnt dem Kinozuschauer kein Augenzwinkern, keinen Witz, der die bedrückende Situation auflockern würde. Doch am Ende erhält der Mann, der sich bereits im Grab, ja, in der Hölle, sieht, eine zweite Chance. Und die nutzt er so voller Begeisterung und Inbrunst, dass ihn seine Liebe zu seinen Mitmenschen und zu seinem wiedererhaltenen Leben förmlich zu einem neuen Menschen macht.

Wer will, kann Scrooge als Sinnbild für einen Atheisten sehen. Weihnachten wird im Gedenken an Jesus gefeiert, und die Dialoge, die Scrooge mit den plagenden Geistern führt, könnten auch zwischen einem knallharten Atheisten und Gott geführt werden. Scrooge ist ein klassischer Rationalist, der kranke Kinder lieber sterben lassen würde, als dass sie der Gesellschaft auf der Tasche liegen. Mit Weihnachten, Geistern, geschweige denn mit Liebe oder mit Gott kann der verbitterte Alte nichts anfangen. Selbst als der tote Marley sichtbar vor ihm steht und ihm Angst einjagt, hält Scrooge alles für Einbildung. Der Geist herrscht ihn an: "Mensch mit Verstand, glaubst Du an mich?" Nach seinem Horrortrip zu seiner eigenen Hartherzigkeit weiß Scrooge eines jedenfalls ganz gewiss: ein Leben ist sinnlos, wenn es nicht in Liebe geführt wird, und Weihnachten ist leidglich ein Symbol dafür.

Der Film schließt mit dem Satz, der auch das Buch von Dickens beendet: "Gott segne jeden von uns." Ein Lied, das von diesem Satz inspiriert wurde, "God Bless Us Everyone", gesungen von Andrea Bocelli, begleitet den Zuschauer dann hinaus aus dem Kinosaal. Der bekannte Tenor sagte über den Film: "Die Geschichte erinnert uns daran, dass jeder bis kurz vor dem Ende sein Leben ändern kann." Sein Lied erzähle von Vergebung und Erlösung und drücke damit die Seele des Films treffend aus.
 
Wer aus "Eine Weihnachtsgeschichte", den die Deutsche Film- und Medienbewertung mit dem Prädikat "Besonders wertvoll" versehen hat, hinausgeht, hat einen Menschen gesehen, der von einem verbiesterten, hasserfüllten Widerling zum liebevollen Glückspilz wurde, dessen Lebensaufgabe nun darin besteht, Mitmenschen zu lieben und sich um die Ärmsten zu kümmern. Scrooge wurde förmlich "wiedergeboren". Und an diesem Bekehrungsprozess nimmt der Zuschauer hautnah teil. Gibt es Gott?, Gibt es eine Hölle?, fragen viele. Wenn das Leben aussieht wie das des alten Scrooge, dann könnte die Hölle nicht schlimmer sein. (pro)

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