An zahllosen Bürotüren dieser Welt dürften – vor allem in den 90er und 2000er Jahren – Comics des amerikanischen Cartoonisten Scott Adams geklebt haben. Der frustrierte Büro-Angestellte Dilbert war die Hauptfigur der Comics, die Scott über 20 Jahre lang zeichnete. Markenzeichen: eine Brille und eine nach oben verbogene Krawatte.
Dilbert ist Ingenieur, an seiner Seite war sein Hund Dogbert. Viele Geschichten kreisten um Dilberts Beruf, seine bizarren Erfindungen und seinen Größenwahn. Später wurde der Schauplatz der meisten Strips in Dilberts Büro verlegt, und der Strip begann, Technologie, Arbeitswelt und Unternehmensprobleme satirisch zu beleuchten. Ein Großteil des Humors beruht darauf, dass die Figuren als Reaktion auf Missmanagement absurde Entscheidungen treffen.
Ihr Schöpfer, Scott Adams, verstarb am 13. Januar 2026 im Alter von 68 Jahren an Prostatakrebs. Seine Kunstfigur Dilbert hat ihn weltbekannt gemacht. Die Cartoons erschienen in 2.000 Zeitungen in 65 Ländern und 25 Sprachen. Der 1957 im US-Bundesstaat New York geborene Adams trat auch als konservativer Kommentator auf. Er selbst hatte vor seiner Karriere als Cartoonist viele Jahre in Büros gearbeitet, als Programmierer, Budgetanalyst, Firmenkundenberater, Produktmanager und Supervisor.
Im Jahr 2023 wurde Dilbert von zahlreichen unabhängigen Zeitungen allerdings aus dem Programm genommen, nachdem Adams ein Video veröffentlicht hatte. Darin ging es um eine Umfrage, nach der 53 Prozent der Afroamerikaner der Aussage zustimmten: „Es ist okay, weiß zu sein“. Doch 26 Prozent widersprachen ihr. Adams nannte diese schwarzen Amerikaner, die dem Slogan widersprachen, eine „Hassgruppe“, und forderte weiße Amerikaner dazu auf, sich von ihnen fernzuhalten. Adams‘ Video wurde von Medien wie „The Economist“ und „Reuters“ als rassistisch und hetzerisch bezeichnet. Adams selbst erklärte, er distanziere sich von Rassismus.
Neben seinen Cartoons schrieb Adams auch Bücher zum Thema Religion. In seinem Buch „God’s Debris“ (2001) entwickelt er eine krude Theorie, nach der Gott sich selbst in die Luft sprengt, um die Folgen zu beobachten, was die Ursache unseres Universums sein soll. In „The Religion War“ (2004) argumentiert Adams, dass Anhänger theistischer Religionen wie Christentum und Islam sich unterbewusst der Falschheit ihrer Glaubenssätze bewusst sind und dass sich dieses Bewusstsein in ihrem konsequenten Handeln widerspiegelt, als seien diese Religionen und ihre Drohungen mit Verdammnis für Sünder unwahr. Adams selbst hat einmal gesagt, dass seine beiden religiösen Bücher, und nicht Dilbert „sein eigentliches Vermächtnis sein werden“. Seine lange Zeit agnostische Haltung begann sich öffentlich zu wandeln, als er mit seiner unheilbaren Krankheit konfrontiert wurde.
Glaube als Kosten-Nutzen-Rechnung
Nach Adams‘ Tod veröffentlichte seine Ex-Frau Shelly Adams ein Video im Internet, in dem sie die letzten Worte ihres Ex-Mannes mitteilte. Adams sei im Beisein seiner Angehörigen friedlich eingeschlafen, sagte sie. Sie las zudem eine im Voraus von ihrem Ex-Mann vorbereitete Mitteilung vor. Darin heißt es: „Ich hatte ein großartiges Leben. Ich habe alles gegeben.“
Dann folgt eine etwas seltsame Erklärung zum christlichen Glauben. Kurz vor seinem Tod kündigte Adams seine Absicht an, zum Christentum zu konvertieren, obwohl er sich weiterhin als Nichtgläubiger bezeichnete. Er betrachtete die Entscheidung pragmatisch unter Kosten-Nutzen-Gesichtspunkten und kam zu dem Schluss, dass der potenzielle Nutzen der ewigen Erlösung jeden Nachteil überwiegen würde, falls sich der Glaube als falsch erweisen sollte.
Weiter heißt es: „Viele meiner christlichen Freunde haben mich dazu aufgerufen, Jesus zu finden, bevor ich gehe“, schrieb er. „Ich bin nicht gläubig, aber ich muss zugeben, dass die Abwägung zwischen Risiko und Nutzen verlockend erscheint. Also gut: Ich nehme Jesus Christus als meinen Herrn und Erlöser an und freue mich darauf, die Ewigkeit mit ihm zu verbringen. Dass ich nicht gläubig bin, sollte sich schnell klären, wenn ich im Himmel aufwache. Mehr Überzeugung brauche ich nicht. Und ich hoffe, ich bin dann noch würdig, eingelassen zu werden.“