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Digitaltechnik hilft der Einheit unter Christen

Digitale Technik kann helfen, weltweit die Einheit unter Christen zu fördern. Das sagt Liam Savage, Mitbegründer eines Netzwerks von Technik- und Computerinteressierten.
Von PRO
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Liam Savage ist Mitbegründer und Leiter von Indigitous, einem Netzwerk von technik- und computerinteressierten Christen weltweit

Foto: pro/Norbert Schäfer

Liam Savage ist Mitbegründer und Leiter von Indigitous, einem Netzwerk von technik- und computerinteressierten Christen weltweit

Bei der Konferenz „Gott@Digital“ in Darmstadt haben sich am Samstag christliche IT-Profis aus Deutschland vernetzt. Sie wollen bei der Digitalisierung ihre Gaben einbringen und die Technologie mitgestalten. Im pro-Interview erklärt Liam Savage, Mitbegründer und Leiter von Indigitous, einem weltweiten Netzwerk von technik- und computerinteressierten Christen, warum die Zusammenarbeit von Kreativen und Computer-Freaks als Beispiel für die Einheit unter Christen weltweit gelten kann.

pro: Herr Savage, warum haben es Technikbegeisterte in den Gemeinden schwer?

Liam Savage: Oft ist es so, dass wenn sie technikbegeisterter Christ sind, es keinen wirklichen Platz für sie gibt, ihre Fähigkeiten für Gott einzusetzen. Wenn sie zu ihrem Pastor gehen und sagen: „Hey, ich bin Computer-Freak, ich arbeite für Google, was kann ich für die Kirche tun?“ Der Pastor wird vermutlich sagen: „Du kannst im Gottesdienst die Folien laufen lassen.“ Viele Pastoren erkennen das Potential nicht, oder es gibt einfach keine Möglichkeit, die den Fähigkeiten entspricht. Dabei könnten Technik- und Computerinteressierte so viel mehr leisten für die Arbeit im Reich Gottes. Die Frage ist also: Wie finden wir Möglichkeiten, Menschen zu helfen, die eine Leidenschaft für Technik haben, ihre Fähigkeiten für Gott einzusetzen? Das ist das Ziel von Indigitous.

Warum sollen sich computerbegeisterte Christen vernetzen – etwa bei bei Indigitous oder Gott@Digital?

Die Hauptidee ist, dass die Kirche weltweit am erfolgreichsten ist, wenn sie vereint ist. Die Welt der Technik zwingt uns zur Zusammenarbeit, weil sie sich rasend schnell verändert und weiterentwickelt. Alleine ist es sehr schwer, mit der Technologie Schritt zu halten. Im Bereich der Technologie erreicht der Einzelne mehr, wenn er mit anderen zusammen arbeitet. Wir möchten deshalb technikbegeisterte Christen dazu ermutigen, ihre Fähigkeiten als etwas Wertvolles für die weltweite Kirche zu sehen. Wir möchten den Technikbegeisterten dabei helfen, dass sie ihre Fähigkeiten einbringen, damit Non-Profit-Organisationen, christliche Werke, Kirchen und Initiativen ihren Missionsauftrag und die Jüngerschaft mit der Hilfe von Technik gut erfüllen können. Die Kirche hat allein nicht die Kraft, die Fähigkeiten und das Wissen, um Technologie gut zu benutzen. Da gibt es eine Lücke, die geschlossen werden sollte. Die Kirche sollte den Technikbegeisterten die Möglichkeiten eröffnen, sich mit Problemen und Fragestellungen der Kirchen auseinander zu setzen und dafür technische Lösungen zu finden.

Ist Kirche noch ohne Technik denkbar?

Die Kirche ist der Leib Christi. Also der Leib von Gläubigen auf der ganzen Welt, die daran arbeiten, die Liebe Gottes in der Welt bekannt zu machen. Die Gemeinde ist die physische Manifestation des Evangeliums. Ich denke, dass dieser Leib nur nur davon profitieren kann, wenn er Digitaltechnik besser nutzt. Damit kann die Mission, aber auch die Nachfolge und die Öffentlichkeitsarbeit besser gemacht werden. Wir können dadurch stärker miteinander verbunden bleiben. Und ja, die Kirche wird definitiv mit oder ohne Technologie weiter bestehen. Aber ob die Kirche dann eine Haupt- oder Nebenrolle bei der Gestaltung der Technologie spielt, ist unklar. Wir sollten uns als Christen bei der Entwicklung von Technologien einbringen. Technik wird weiter entwickelt, ob wir uns als Christen daran beteiligen oder nicht. Wir sollten aber als Christen dafür Sorge tragen, dass Technik so konzipiert ist, dass sie Menschen einander näher bringt. Dass die Technologie diese Gemeinschaft unter Christen und mit Gott stärkt. Die Kirche muss viel darüber lernen, wie man Technologie gut macht. Es ist aber schwer, die nötigen Fähigkeiten zu finden, weil die Unternehmen viel mehr bezahlen können, als eine Kirche zahlen kann oder ein gemeinnütziger Verein zahlen kann. Und deshalb sollten wir dazu beizutragen, die Perspektive der Menschen zu verändern.

Sollen Gemeinden neben dem Jugendpastor noch einen Programmierer anstellen?

(lacht) Ich denke, es wäre klug. Es gibt bereits einige Kirchen, die Innovationsteams haben. In den USA hat Life Church zum Beispiel einen großen Technologieentwicklungssektor. Nicht jede Kirche braucht so etwas. Bei OneHope haben wir uns für eine Zusammenarbeit mit Life Church entschlossen, um eine Bibel-App für Kinder zu entwickeln. OneHope hat Erfahrung mit Inhalten, mit Gesaltung und Design, um Kinder zu erreichen. Life Church hat die Erfahrung mit der Technik. Durch diese Zusammenarbeit konnten wir eine wirklich leistungsstarke App entwickeln.

Indigitous veranstaltet sogenannte Hackathons. Was ist das?

Bei einem Hackathon laden wir Entwickler und Kreative gemeinsam dazu ein, ihre Fähigkeiten in einem spezifischen Projekt einzusetzen. Ein Beispiel: Sie wollen als Missionswerk ein Video an jemanden senden und wenn er das Video öffnet, soll eine Live-Chat-Sitzung gestartet werden, damit sie mit der Person über den Inhalt des Videos sprechen können. Eine solche Software ist bei einem Hackathon vor ein paar Jahren entstanden aus einem konkreten Bedarf heraus. Heute wird die Software bei Campus Crusade for Christ in den USA verwendet und bei dem Jesus-Film-Projekt weiterentwickelt.

Es geht also darum, junge Technikbegeisterte mit Entscheidern aus Kirchen, Gemeinden und gemeinnützigen Organisationen an einen Tisch zu bekommen, damit die gemeinsam Mission und Gemeindebau voran bringen. Wenn man die beiden Gruppen an einen Tisch bekommt, entfaltet sich viel Potenzial.

Die Projekte selbst sind dabei aber nicht unbedingt der Hauptpunkt. Vielmehr steht die Vernetzung im Vordergrund, das die Entwickler voneinander erfahren. Das hilft ihnen, damit ihre Fähigkeiten in den Gemeinden und Kirchen besser genutzt werden können. Durch die Treffen und die Zusammenarbeit wird aber auch Redundanz vermieden in der Arbeit für das Reich Gottes. Wenn ich weiß, dass jemand eine spezielle App entwickelt, muss ich das nicht noch einmal tun.

Vielen Dank für das Gespräch.

Dem Netzwerk Indigitous gehören nach Angaben von Liam Savage weltweit mehr als 5.000 Computer-, Design- und Technikbegeisterte an. Savage ist hauptberuflich Leiter der Kreativabteilung beim Kindermissionswerk OneHope. Auf der Konferenz „Gott@Digital“ am 28. September in Darmstadt war Savage einer der Hauptreferenten. Die Christliche Medieninitiative pro war bei der Konferenz „Gott@Digital“ Medienpartner.

Von: Norbert Schäfer

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