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„Dieser Tag ist ein Tag der Freude“

Am Samstag haben Katholiken und Protestanten erstmals einen zentralen ökumenischen Buß- und Versöhnungsgottesdienst gefeiert. Beide Konfessionen erklärten, sie wollten gemeinsam den Auftrag wahrnehmen, das Evangelium „zu bezeugen und zu verkündigen“.
Von PRO
Christus könne die entstandenen Wunden heilen, sagte der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm beim Versöhnungsgottesdienst

Foto: pro

Christus könne die entstandenen Wunden heilen, sagte der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm beim Versöhnungsgottesdienst

Der Buß- und Versöhnungsgottesdienst von Evangelischer und Katholischer Kirche am Samstag stand unter dem Thema „Healing of Memories“, also dem Heilen der Erinnerungen. Er wurde im Rahmen des gemeinsamen Reformationsgedenkens in der Hildesheimer Michaeliskirche gefeiert. Der Gottesdienst sollte dazu dienen, die Wunden der Vergangenheit, die seit der Kirchenspaltung im 16. Jahrhundert auf beiden Seiten entstanden sind, zu benennen und Gott um Vergebung zu bitten.

Das taten der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, während der Veranstaltung gemeinsam. Sie leiteten den Gottesdienst zusammen und bekannten in einer gemeinsamen Predigt einander die Schuld, die beide Konfessionen in den vergangenen Jahrhunderten aufgeladen hatten und baten Gott dafür gemeinsam um Vergebung. Außerdem verpflichteten sich die Vertreter beider Konfessionen, die Einheit unter den Christen zu stärken und weiter aufeinander zuzugehen.

„Gemeinsam Zeugnis von Gott ablegen“

„Wir wollen nach den gemeinsamen Wurzeln, den wechselseitigen Herausforderungen und den verbindenden Zukunftsaussichten suchen”, sagte Bedford-Strohm. Er glaube, dass Christus die entstandenen Wunden heile und bitte um Vergebung für den „Mangel an Nächstenliebe“. „Wir wollen nicht vergessen, was wir einander angetan haben“, sagte er. Er wolle aber auch dafür danken, dass „wir einander haben“. Christus führe beide Konfessionen zusammen. Das Reformationsgedenken solle ein neuer Anfang zu einem Weg sein, der beide Kirchen zusammenbringe.

„Wir freuen uns, dass ihr als katholische Schwestern und Brüder mit uns zusammen den feiert, um den es Martin Luther gegangen ist: Jesus Christus.“ Beide Kirchen wollten „Zeugen Jesu Christi“ sein. „Wir wollen ausstrahlen, wovon wir sprechen.“ Die Liebe Gottes müsse weitergetragen werden. „Dieser Tag ist ein Tag der Freude, ist ein Tag der Hoffnung”, sagte Bedford-Strohm. „Wir verpflichten uns, gemeinsam in dieser Welt Zeugnis von Gott abzulegen“, erklärte der Ratsvorsitzende. Beide Seiten wollten einander aktiv unterstützen und ihren theologischen Dialog vertiefen.

„Die Kirche ist dazu da, um Christus zu verkünden“

„Unser Wille nach Profilierung war stärker als die Suche nach Gemeinsamkeit“, bekannte Marx. Der neue, gemeinsame Anfang könne geschenkt werden, „weil Gott vergibt und durch ihn die Kraft der Vergebung möglich wird“. Er sei froh, mit dem Gottesdienst öffentlich ein Zeichen des versöhnten Miteinanders setzen zu können. „Wir nehmen unsere Geschichte an, aber sie wird zu einem neuen Auftrag“, sagte er. „Es ist ein Tag der Freude.“ Es sei „großartig“, dass evangelische Christen die Katholiken eingeladen hätten, das Reformationsjahr gemeinsam zu feiern. Das gemeinsame Gedenken sei als ein Aufbruch für das Zeugnis für Christus zu verstehen. „Die Kirche ist dazu da, um Christus zu verkünden. Wir haben einen Auftrag“, machte Marx deutlich. Mit der Ökumene bedeute nicht, sich um die Zukunft der Kirche zu sorgen, sondern den Auftrag wahrzunehmen, das Evangelium „in diesem Land zu bezeugen und zu verkündigen“.

Er setze darauf, dass in Zukunft viele ähnliche Gottesdienste wie der in Hildesheim gefeiert würden. „Im Vertrauen auf die Kraft des Heiligen Geistes verpflichten wir uns, die grundlegenden Gemeinsamkeiten im Glauben hervorzuheben und auf dem Weg des ökumenischen Lernens kontinuierlich voranzuschreiten“, sagte Marx. In allen Gottesdiensten solle ab jetzt für die „ökumenischen Partnerinnen und Partner“ gebetet werden.

Um die gegenseitigen Versprechen zu bezeugen und ein Zeichen für die Einheit zu setzen, umarmten sich Bedford-Strohm und Marx zum Abschluss der Feier herzlich. Um den Neuanfang zu verdeutlichen, wurde vor der Predigt ein dreidimensionales Kreuz aufgerichtet, das zuvor wie eine Panzersperre im Altarraum gelegen hatte.

Gauck: Ein „geistliches Wunder“

Trotz der Betonung der Einheit, habe es kein gemeinsames Abendmal gegeben, berichtet der Evangelische Pressedienst (epd). „Noch immer haben wir keinen Weg gefunden, im eucharistischen Abendmahl unsere Gemeinschaft mit Christus untereinander zu feiern“, sagte Marx.

Der scheidende Bundespräsident Joachim Gauck (Archivbild) Foto: Kleinschmidt / MSC, Wikipedia | CC BY 3.0 Unported
Der scheidende Bundespräsident Joachim Gauck (Archivbild)

Unter den rund 400 Teilnehmern am Gottesdienst waren auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), der scheidende Bundespräsident Joachim Gauck und der Präsident des Deutschen Bundestages, Norbert Lammert (CDU). Gauck sagte nach der Feier, zu den vielen politischen Wundern, die er erlebt habe, sei nun ein „geistliches Wunder hinzugekommen”. (pro)

Von: sz

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