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Diener will Brücken zwischen Allianz und EKD bauen

Der Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes und Allianzvorsitzende Michael Diener gehört seit vergangener Woche dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) an. Im pro-Gespräch nimmt er auch zu Sorgen seiner Kritiker Stellung.
Von PRO
Michael Diener bittet im pro-Gespräch Christen um Gebet und Vertrauen für seine Arbeit

Foto: pro

Michael Diener bittet im pro-Gespräch Christen um Gebet und Vertrauen für seine Arbeit

pro: Erstmals ist nun ein Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes und Allianzvorsitzender auch im EKD-Rat vertreten. Welche Ziele wollen Sie umsetzen?

Michael Diener: Zu den Themen, die mir wichtig sind, gehört die Annahme der missionarischen Herausforderungen unserer Zeit. Am Herzen liegt es mir außerdem, das Miteinander der Gliedkirchen zu fördern und der vorbehaltloser Einsatz für Schwache und Hilfsbedürftige. Das bedeutet momentan besonders, für verfolgte und entwurzelte Menschen einzustehen. Wir wollen das Reformationsjubiläum als Christusfest so feiern, dass es uns motiviert und inspiriert, Kirche in der Postmoderne zuversichtlich weiterzuentwickeln, die Menschen an der Basis unserer Gemeinden, Dienste und Werken nach Kräften fördern. Vieles andere wird sich im Miteinander im Rat entwickeln.

Wer wird wen mehr prägen – Michael Diener die EKD, oder die EKD Michael Diener?

Die Frage finde ich schwierig. Kann ich das heute wissen? Und überhaupt: „Passt“ diese Frage zum Miteinander in einem Rat? Meines Erachtens nicht, denn als Kirchenmitglied und Pfarrer war ich schon immer „EKD“ und bin es immernoch – „EKD“ und „Pietist“ gleichermaßen. Woran wollen Sie festmachen, wer wen prägt? Ich bin einer von 15 und fände es vermessen, meine Mitgliedschaft in diesem Kreis vom „Prägegewicht“ bestimmen zu lassen oder hier einen Wettbewerb zu suchen. Und auch im geprägt Werden, worauf ich mich freue, kann man prägen.

Sie haben nun drei Ämter: Den Vorsitz der Deutschen Evangelischen Allianz, den Vorsitz des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes und die Position im Rat der EKD. Als Vorsitzender der Evangelischen Allianz erwartet die Bewegung von Ihnen, dass Sie weiterhin kritisch zu Äußerungen der Kirchenoberen und deren Papieren Stellung beziehen. Können Sie als Teil der EKD gegen Beschlüsse der EKD opponieren?

Die Bewegung erwartet, dass ich kritisch Stellung beziehe? Wirklich? Zuallererst kann sie erwarten, dass wir als Gemeinschaftsbewegung wie als Allianz unsere Arbeit tun – konstruktiv und positiv, als Pro-Bewegung und nicht gegen andere. Wenn es dann Sachverhalte gibt, die Allianz und EKD unterschiedlich einschätzen, dann werden wir das sagen – sachlich, mit Augenmaß –, so wie bisher auch. Ich finde die Frage wieder ein wenig schräg: Mitglieder im Hauptvorstand der Allianz kritisieren doch auch den Kurs der Allianz – und das ist gut so. Wir sind weder in der Allianz noch in der Kirche gut beraten, wenn wir grundsätzliche Loyalität, die ich für unabdingbar halte, mit Gleichklang verwechseln. Wie kann man auf die Idee kommen, dass unsere evangelische Kirche nicht auch das kritische Wort schätzt? Ich erlebe die EKD sehr demokratisch, plural und streitbar. Da haben wir im evangelikalen Bereich doch eher Nachholbedarf.

Sie haben sich vor einigen Monaten eine Auszeit verordnet, weil Ihre beiden Ämter Sie sehr stark beansprucht haben. Warum übernehmen Sie jetzt noch ein drittes Amt?

Einmal deshalb, weil ich in meiner Auszeit auch neu angenommen habe, dass ich so bin, wie ich bin. Dann, weil ich diese Möglichkeit für eine wirkliche Chance halte für etwas, was wir in dieser Zeit brauchen: Brücken bauen, uns gegenseitig neu zuhören, aufeinander zugehen, das Mögliche gemeinsam tun – das ist doch absolut dran. Diese Wahl bedeutet Wertschätzung der EKD-Synode für den Pietismus und die evangelikale Bewegung. Teilweise war es auch ein erheblicher Vertrauensvorschuss. Dasselbe Vertrauen darf ich in der pietistisch-evangelikalen Welt genießen und es ist keine Frage, dass ich diesen „kairos“ (günstiger Zeitpunkt, d. Red.) nutzen möchte. Schließlich habe ich aus meinem Sabbatical auch gelernt, meine Grenzen ernst zu nehmen. Deshalb werde ich im Laufe des Jahres 2016, wenn ich den neuen Arbeitsaufwand abschätzen kann, auch entsprechende Vorschläge machen, wie ich neu gewonnene Einsichten nicht gleich wieder über Bord werfe, sondern auch unter veränderten Bedingungen einhalte.

Sie haben den EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm gegen evangelikale Kritik in Schutz genommen, als er sich im Kuratorium eines Moscheevereins engagierte. Ihre Kritiker behaupten, Sie hätten dies aus taktischen Gründen getan, um sich für die Wahl in den EKD-Rat zu qualifizieren.

Wer mich kennt, weiß, dass das nicht stimmt. Mir war es ein Herzensanliegen, dass wir die dialogische Seite des christlichen Zeugnisses in der evangelikalen Bewegung ernster nehmen. Das ist notwendig, wenn wir in diesen Zeiten glaubwürdig sein wollen, und es steckt für mich vor allem im Wesen des Evangeliums selbst.

Bleiben wir bei diesen Kritikern: Sie haben auf Facebook thematisiert, viele Warnungen und Sorgen aus dem evangelikalen Lager zu Ihrer Wahl erhalten zu haben. Worüber sorgen sich die Gläubigen, und wie stehen Sie dazu?

Letztlich vermischt sich hier eine EKD-kritische Haltung mit der Sorge, dass ich mich nun nicht mehr kritisch äußern könnte. Und dazu habe ich ja eben schon einiges gesagt. Grundsätzlich nehme ich diese Sorgen ernst – alles, was mir sachlich nahe gebracht wird, verdient meine respektvolle, hörende Haltung. Das habe ich auch in den vergangenen sechs Jahren so praktiziert. Von Sorgen und Kritik kann ich lernen, denn natürlich begehe ich Fehler, ich kann richtig „falsch liegen“ und ich schätze das geschwisterliche Wort. Was mir daran missfällt, ist diese oftmals kritische bis ablehnende Haltung gegenüber der EKD. Übrigens etwas, was mir natürlich auch in Teilen der EKD-Synode als Pietisten und Evangelikalen begegnete. Es gibt diese tiefen Gräben auf beiden Seiten, und ich will ein klein wenig dazu beitragen, dass wir im jeweils Anderen den Bruder, in der jeweils Anderen die Schwester in Christus sehen. Und deshalb bitte ich meine Kritiker wie meine Unterstützer von beiden Seiten, dass sie mich konstruktiv begleiten, dass sie für mich beten, wie für alle anderen Mitglieder des Rates auch, und dass wir es miteinander wagen. Ich will wirklich tun, was ich kann, um das große Vertrauen auf allen Seiten nicht zu enttäuschen. Das geht nur mit Gottes Geist und barmherzigen Glaubensgeschwistern!

Herr Diener, vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Moritz Breckner. (pro)
https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/detailansicht/aktuell/evangelische-kirche-mit-neuer-leitung-94017/
https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/detailansicht/aktuell/ekd-der-ganz-normale-wahlsinn-94056/
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