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Die Sklaverei hat Konjunktur

Die Sklaverei ist nicht Geschichte – im Gegenteil: Heute gibt es mehr Sklaven als zu irgendeinem anderen Zeitpunkt. Das stellt der Theologe Thomas Schirrmacher in seinem neuen Buch "Menschenhandel. Die Rückkehr der Sklaverei" fest. Gerade weil die Sklaverei als offiziell abgeschafft gilt, sei sie unsichtbar geworden. Unbehelligt von der öffentlichen Aufmerksamkeit nehme sie aber immer weitere Ausmaße an.
Von PRO

Foto: derpunk (flickr)

Erst unlängst hat Papst Benedikt XVI. in seiner Rede vor dem Bundestag treffend angemerkt, dass sich der Mensch in einer historisch außergewöhnlichen Situation befindet: Die Mittel, die ihm heute zur Verfügung stehen, um die Welt zu zerstören, sich selbst zu manipulieren und Menschen vom Menschsein auszuschließen, seien für frühere Generationen noch undenkbar gewesen. Umso mehr müssten Politiker darauf achten, dass diese Machtfülle nicht vom Recht getrennt wird.

In welchem Ausmaß und mit welchen Mitteln heute Menschen vom Menschsein ausgeschlossen, Macht und Recht voneinander getrennt werden, dokumentiert das neue Buch von Schirrmacher. Darin zeigt er auch, wie skrupellos sich der Menschenhandel der Möglichkeiten einer globalisierten Welt bedient. Skrupellos ist dem Autor zufolge auch die Ausbeutung der Opfer, ob als bloße Arbeitskraft oder als Sexobjekt, ob bei Kindern oder bei Erwachsenen. Bei alledem sei diese moderne Sklaverei so ertragreich wie kein anderer Wirtschaftszweig.

Menschenhandel wird kaum wahrgenommen

Frappierend sei aber vor allem, dass dem Menschenhandel trotz dieser Ausmaße kaum jemand Beachtung schenkt. Dabei finde er nicht nur in irgendeiner fernen Weltgegend statt, sondern zunehmend auch in den industrialisierten Staaten der westlichen Welt. Während etwa der Kampf gegen den Klimawandel zahlreiche Fürsprecher habe, gebe es kaum Stimmen gegen "eines der schlimmsten Gräuel der Gegenwart". Entsprechend fordert Schirrmacher einen "ganz großen Aufstand der Zivilgesellschaft", um das Thema wieder relevant zu machen.

Der Autor stellt heraus, dass es das Aufmerksamkeitsdefizit in verschiedenen Bereichen gibt. Zum einen beschönigten die Medien die Sachverhalte, wenn sie etwa Bordelle als "Spaßtempel" bezeichneten und dabei ignorierten, dass Frauen dort mitunter gegen ihren Willen "arbeiten" müssten. Auch die Politik neige dazu, das Phänomen zu übersehen. So habe man bei der Öffnung der europäischen Grenzen im Rahmen der Schengener Abkommen nicht bedacht, dass davon auch der Menschenhandel profitieren würde. Entsprechend hätten die Verantwortlichen keine ausgleichenden Maßnahmen in die Wege geleitet. Auch die Rechtsprechung lasse zu wünschen übrig: "Es gibt kein anderes Schwerverbrechen, das so wenig verfolgt, gesetzlich so nebensächlich behandelt und so lässig von den Gerichten bestraft wird", schreibt Schirrmacher.

Eine Stärke des Buches liegt darin, trotz seiner Kürze diese Hintergründe aufzuzeigen und damit Einblick in die organisatorischen Zusammenhänge und Methoden zu geben. So erfährt der Leser, dass gerade weniger augenfällige Berufsgruppen an der Förderung des Menschenhandels und der damit verbundenen Sklaverei beteiligt sind. Korrupte Polizisten, Ärzte oder Rechtsanwälte spielten ebenso eine Rolle wie Mitarbeiter von Hotels oder Reisebüros.

Anhand von konkreten Beispielen zeigt der Autor außerdem, wie Menschen überhaupt in die Sklaverei hineingeraten, wie die Arbeitswelt aussieht und warum es so schwierig ist, die Täter gerichtlich zu belangen. Verdeutlicht werden diese Informationen mit einer Fülle von aktuellen Statistiken und Fakten rund um den Menschenhandel in Deutschland, Europa und weltweit.

Erste Ansätze der Bekämpfung

Das Buch berichtet aber auch von Lichtblicken im Kampf gegen Menschenhandel und Sklaverei. So habe die Politik vor allem im vergangenen Jahrzehnt zunehmend die Dringlichkeit erkannt, aktiv gegen den Menschenhandel vorzugehen. Auch wenn diese Aufgabe, wie Schirrmacher konstatiert, noch nicht überall ganz oben auf der Prioritätenliste steht und die Strafverfolgung noch in den Kinderschuhen steckt: der Anfang ist gemacht. Neben einigen kritischen Anmerkungen zum Vorgehen der Politiker hat Schirrmacher aber vor allem eine Botschaft an die Politik: "Wesentliche Motoren des Menschenhandels sind (…) Armut, Unterdrückung von Minderheiten und fehlende Rechte für Frauen. Hier muss dann eigentlich auch die Prävention weltweit einsetzen."

Doch auch jeder Einzelne könne etwas zur Bekämpfung des Menschenhandels tun. Das Buch schließt mit einem praktischen Teil, in dem hierzu verschiedene Tipps aufgelistet werden. Dabei geht es vor allem um die Frage, wie jeder die Menschen in seinem Umfeld auf das Problem aufmerksam machen kann, wie Menschenhandel im Wohnort oder im Urlaub zu erkennen ist und was jeder Einzelne dagegen tun kann. Neben diesen Tipps gibt es ein Verzeichnis mit weiterführenden Internetadressen und Literatur zum Thema. (pro)

Thomas Schirrmacher: "Menschenhandel. Die Rückkehr der Sklaverei", SCM Hänssler, 112 Seiten, 7,95 Euro, ISBN: 978-3775153355.

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