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Die Show geht weiter

Thomas Gottschalk hat es getan, ebenso wie Günther Jauch und Hape Kerkeling: Die Stars der Fernsehunterhaltung waren einst Messdiener. Gibt es da einen Zusammenhang? Das Buch „Die Messdiener“ geht dem auf den Grund. Eine Rezension von Jonathan Steinert
Von PRO
Showmoderator Thomas Gottschalk war als Kind Messdiener in einer katholischen Kirche, so, wie viele seiner Kollegen auch

Foto: pro (Gottschalk)/Herder (Cover)

Showmoderator Thomas Gottschalk war als Kind Messdiener in einer katholischen Kirche, so, wie viele seiner Kollegen auch
Das Glöckchen läuten, mit dem Kreuz von der Sakristei zum Alter prozessieren, Weihrauchfässer schwenken, Bibeltexte vortragen – erstaunlich viele Stars der Unterhaltungsbranche haben in ihrer Kindheit und Jugend als Messdiener in katholischen Gemeinden ihre Erfahrungen damit gemacht. Markus Schächter, selbst ehemaliger Messdiener und bis 2012 Intendant des ZDF, macht sich in seinem Buch „Die Messdiener. Von den Altarstufen zur Showbühne“ auf Spurensuche: Stellen die „geheimnisvoll anmutenden Spezialaufgaben für Gottesdienst und religiöse Zeremonien“ die Weichen für Auftritte vor Show- und Fernsehpublikum? In vierzehn Kurzporträts und Interviews zeigt Schächter bekannte Moderatoren und TV-Größen von ihrer religiösen Seite. So erfährt man beispielsweise, dass Reinhold Beckmann in der katholischen Diaspora in Niedersachsen aufwuchs. Sein Heimatort Twistringen ist die einzige katholisch geprägte Ortschaft inmitten eines protestantischen Umfelds. Kirchliches Engagement ist in seiner Familie wichtig. Auf dem Gymnasium im evangelischen Syke bringt Beckmann mit Luther-Witzen Schwung in die Klasse und wird zum Wortführer im Deutsch- und Religionsuntericht. Was ihn in seiner Kindheit und Jugend geprägt habe, lasse ihn bis heute nicht los, sagt er.

„Wetten, dass ..?“ ist in katholischer Hand

Frank Elstner zieht bis zu seinem zehnten Lebensjahr als Sohn eines Theaterregisseurs und einer Schauspielerin so oft um, dass er nirgendwo richtig verwurzelt ist und auch keinen Dialekt spricht. Das bringt ihm in Baden-Baden Kindersprecherrollen beim Radio ein. Doch in der Schule bleibt er sitzen. Wegen einer Sehschwäche wird er von Mitschülern gehänselt. Erst im erzbischöflichen Konvikt, wo er mit dreizehn Jahren aufgenommen wird, bekommt sein Leben innere Stabilität. Sechs „glückliche Jahre“ ist er dort. Er empfängt die Kommunion, wird Messdiener, engagiert sich in der Konviktsgemeinschaft. Gleichzeitig entdeckt er sein Talent für die Show, bringt ein Musical auf die Bühne, denkt sich Spiele, Theaterstücke und Sketche aus. Später wird er mit „Wetten, dass ..?“ einer der größten Moderatoren des deutschen Fernsehens. Sein Nachfolger in dieser Sendung, Thomas Gottschalk, hat als Kind in der Kirche ministriert und sich damit bei Trauerfeiern den Eintritt für das Freibad verdient. Er macht aus seinem Glauben keinen Hehl. Ein gläubiger Mensch und ein fröhlicher Mensch sollten zwei Seiten einer Medaille sein, sagt er. Sein Talent, sich vor der Kamera ungezwungen zu bewegen, „wie Gott mich geschaffen hat“, sieht er als Geschenk an. Als Kind spielte er die katholische Messe zu Hause ebenso nach wie Alfred Biolek und Sportmoderator Matthias Opdenhövel. Vom jetzigen „Wetten, dass ..?“-Moderator Markus Lanz erfährt der Leser, dass er in seiner südtiroler Heimat als einer von fünf Jungen in der Klasse gar nicht um den Messdienst herumkam. Die Kirche lag nahe der Skipiste, da wurde dann auch mal mit Skischuhen unter dem Messdienergewand ministriert.

Freunde der Freundlichkeit

Ähnlich offen wie Gottschalk bekennt sich auch Dieter Kürten, langjähriger Moderator des „Aktuellen Sportstudios“ im ZDF, zu seinem Glauben und seiner katholischen Prägung. Beten sei für ihn selbstverständlich. Seine katholische Kindheit habe in ihm „Freude an Gott, dem Leben, der Natur und den Mitmenschen erzeugt“. Nachdem er in einem Interview mit dem Fußball-Magazin Kicker über seinen Glauben sprach, hat es heftige Reaktionen gegeben, er wurde in die Rolle des „Vorzeige-Christen“ gedrängt, musste sich auch von Kollegen Häme anhören, auch wenn er mit seiner freundlichen Art in seinem Team sehr geschätzt wurde. Freundlichkeit ist im Übrigen ein Wort, das in mehrern Porträts auftaucht, um das Wesen und den Moderationsstil der katholisch geprägten Entertainer zu charakterisieren. So beispielsweise auch bei Günther Jauch oder Alfred Biolek. Weiterhin kommen der Komiker Guido Cantz, Jürgen von der Lippe, Hape Kerkeling, ARD-Morgenmagazin-Moderator Sven Lorig und Helmar Rudolf Willi Weitzel von der Kindersendung „Willi will‘s wissen“ zu Wort. Letzterer musste als Kind die sexuellen Zudringlichkeiten seines Priesters abwehren. Eine Ausnahme in doppelter Hinsicht ist Anne Will. Sie ist die einzige Frau in der Runde. Und sie durfte nicht offiziell Messdienerin sein, weil dies in ihrer Gemeinde nur Jungen zustand. Will durfte nur als Lektorin hin und wieder Bibeltexte und Fürbitten vortragen. In die Kirche geht sie mittlerweile nicht mehr, nicht zuletzt wegen deren ablehnender Haltung gegenüber homosexuellen Partnerschaften – in einer solchen lebt Will. Ausgetreten ist sie denoch nicht. Sie ist dankbar für „wunderbare Erfahrungen einer im rheinischen Katholizismus aufgehobenen Kindheit“. Auch glaube sie an die Existenz eines transzendenten Gottes, dem „Geheimnis der Welt“.

Die „Hohepriester der Show“

In den Kurzporträts stellt Schächter zum einen die religiöse Prägung der Moderatoren dar und skizziert zudem ihren Karriereweg, zeigt Erfolge und Niederlagen auf. Dabei fallen die lobenden Worte stellenweise recht blumig aus, was eine persönliche Nähe und Wertschätzung des Autoren gegenüber seinen Protagonisten erkennen lässt. In der Gegenüberstellung der 14 katholischen Fernsehgrößen ist es interessant zu sehen, wie unterschiedlich sich die religiösen Kindheitserfahrungen im Erwachsenenleben fortsetzen. Für manche stellt der christliche Glaube und das kirchliche Engagement weiterhin eine zentrale Größe im Leben dar. Andere haben ihren eigenen spirituellen Weg mit Gott gefunden, wie Kerkeling oder Lorig. Und dann gibt es jene wie Jürgen von der Lippe, der sich als Agnostiker bezeichnet und von sich sagt: „Ich glaube nicht an Gott, aber ich vermisse ihn.“ Ob der Ministrantendienst den Weg fürs Showgeschäft bereitet, beantwortet das Buch nicht eindeutig. Enige der befragten Portagonisten können keinen kausalen Zusammenhang erkennen. Doch andere sehen durchaus Parallelen – und die Erzählungen legen dies auch nahe. Willi Weitzel formuliert es so: „Einen Messdiener und einen Show-Moderator vereint eine Eigenschaft: dass sie Gefallen daran haben, Teil einer Show zu sein, auch wenn viele Augen auf sie gerichtet sind.“ Auch Sven Lorig sieht die Kirche als „Probebühne für eine weltliche Karriere im Fernsehstudio“. Der Moderator im Studio sei im Grunde ein „Hohepriester der Show, der die wichtigen Elemente der Sendung zelebriert, wie eben ein Priester im Altarraum“. (pro) Markus Schächter: „Die Messdiener. Von den Altarstufen auf die Showbühne“, Herder, 239 Seiten, 18,99 Euro, ISBN: 978-3-451-29971-1
https://www.pro-medienmagazin.de/fernsehen/detailansicht/aktuell/zum-glauben-gehoert-humor-86898/
https://www.pro-medienmagazin.de/nachrichten/detailansicht/aktuell/thomas-gottschalk-frohe-botschaft-das-nehme-ich-ernst-82025/
https://www.pro-medienmagazin.de/fernsehen/detailansicht/aktuell/markus-lanz-moderator-mit-christlichen-werten-81534/
https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/buecher/detailansicht/aktuell/deutschlands-promi-katholiken-80778/
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