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„Die religiös homogene Gesellschaft gibt es nicht mehr“

Die ehemalige Ausländerbeauftragte des Berliner Senats, Barbara John (CDU), fordert in der Tageszeitung Die Welt mehr Gelassenheit, Selbstbewusstsein und Toleranz im Umgang mit Zuwanderern. Nur so könne Integration gelingen.
Von PRO
In einer offenen Gesellschaft müssten Vertrauen, Wohlwollen und gegenseite Toleranz herrschen, meint die ehemalige Ausländerbeauftragte Barbara John
In einer offenen Gesellschaft müssten Vertrauen, Wohlwollen und gegenseite Toleranz herrschen, meint die ehemalige Ausländerbeauftragte Barbara John
Statt auf die Unterschiede zu achten, sollten die Deutschen mehr „auf die Traditionen offener Gesellschaften“ vertrauen. Diese seien „das Beste“, was Menschen bisher erreicht hätten. Andernfalls „unterwerfen wir uns freiwillig“, sagte Barbara John im Interview der Zeitung Die Welt. Auf Veränderungen in der Gesellschaft müsse mit einem Blick nach vorn reagiert werden. Es brauche Vertrauen und Wohlwollen, um friedlich, konstruktiv, „aber nicht konfliktfrei“, zusammenzuleben. „Die ethnisch oder religiös homogene Gesellschaft gibt es eben nicht mehr, fast nirgendwo“, sagte John „Wir kommen nicht weiter, wenn wir bei Menschen, die unsere Nachbarn sind, mit denen wir Geschäfte machen, permanent nach Unterschieden suchen und sie zwingen, so zu werden wie wir.“ Sonst werde eine kollektiv verordnete Kultur beschworen, der sich jeder Einzelne unterzuordnen habe. Nicht auf jede kulturelle Eigenheit oder „jeden Spleen“ müsse „mit der Gesetzesmaschinerie und gesellschaftlicher Verteufelung“ reagiert werden. „Wenn wir so weitermachen – ängstlich und kleinmütig – und uns auf jeden Normabweichler stürzen, als hätte er Macht und Einfluss, die wesentlichen Werte nur durch seine Anwesenheit und seine Praktiken abzuschaffen, stellen wir uns ein Armutszeugnis aus“, sagte sie. Sie betonte, dass es gegenüber bestimmten Praktiken wie Zwangsheirat oder Beschneidung natürlich Abgrenzungen geben müsse. Es dürfe aber nicht „mit der Lupe“ danach gesucht werden. Als Beispiele nannte sie die Diskussion um ein Kopftuchverbot oder Empörung darüber, wenn Muslime aus religiösen Gründen nicht die Hand schüttelten. Dies würde die westliche Kultur nicht beschädigen.

John: Gegenseitiger Respekt und Toleranz notwendig

Zur Diskussion um ein Kopftuchverbot an Schulen erklärte sie: „Auch eine Lehrerin ist Trägerin des Grundrechtes auf Religionsfreiheit“. Gerade die Schule sei der Ort, an dem das Zusammenleben verschiedener Kulturen erlernt werden müsse.Damit Integration gelingen kann müsste Wert auf die Ausbildung Migranten gelegt werden und ihnen der Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtert werden. Außerdem gehe es um eine gegenseitige kulturelle Anpassung, sagte John. Sie meine damit ein „Ertragen unwesentlicher Eigenheiten“ und Toleranz gegenüber anderen Sitten und Bräuchen. Das bedeute auch, dass Neuankömmlinge es respektieren müssten, dass „ständig und überall Alkohol getrunken wird, dass Homosexualität völlig akzeptiert ist, dass man am Strand Nackten begegnen kann“. John kritisierte in diesen Zusammenhang, dass öffentliches Burkatragen andersherum als Ärgernis wahrgenommen werde. Sie sprach sich außerdem dafür aus, die Flüchtlinge in den Aufnahmezentren nicht von den Deutschen abzugrenzen. Migranten müssten die für sie neuen Regeln im Alltag erleben, um sie zu verstehen. Barbara John (CDU) war von 1981 bis 2003 Ausländerbeauftragte des Berliner Senats. Seit ihrer Pensionierung arbeitet die 78-Jährige als Vorsitzende des Paritätischen Verbandes Berlin. (pro)
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