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Die Pressefreiheit ist in Gefahr

Journalisten in Deutschland geht es verhältnismäßig gut. Im Vergleich zu vielen Kollegen weltweit können sie frei berichten, sind nicht staatlich gesteuert und werden selten bedroht. Es sei denn, sie berichten über Pegida. Ein Kommentar von Anna Lutz zum Tag der Pressefreiheit
Von PRO
Journalisten, die bei Pegida-Demonstrationenberichten, werden nicht selten angegriffen
Journalisten, die bei Pegida-Demonstrationenberichten, werden nicht selten angegriffen
Es gab diese Situation vor einigen Monaten, in der ich zum ersten Mal in meinem Leben ein Gefühl dafür bekam, dass die Pressefreiheit auch in Deutschland nicht selbstverständlich ist. Dresden, 12. Januar 2015, Pegida-Demonstration: Wie viele andere Journalisten habe ich mich an diesem Tag unter die geschätzt 25.000 Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes gemischt. Es ist der Montag nach den Anschlägen von Paris, die Veranstalter haben zum Trauermarsch für die Opfer islamistischer Attentäter in der Redaktion von Charlie Hebdo eingeladen. Deshalb kommen heute noch mehr Menschen als sonst zu der Großveranstaltung. Ich bin an diesem Abend nicht allein hier. Ein regelmäßiger Pegida-Teilnehmer begleitet mich, ich interviewe ihn und versuche so, den Ideen hinter der Bewegung auf den Grund zu gehen. Aus Spaß sage ich, dass er ja als mein Beschützer agieren könne, bei all der pegidianischen Medienkritik. Er lacht nicht. Stattdessen gibt er mir zu verstehen, ich solle nicht allzu laut herumposaunen, dass ich von der Presse bin.

„Eine von denen“

Ich dränge mich durch die Masse nach vorne in Richtung Rednerpult, Stift und Block in der Hand, damit mir nichts entgeht. „Das ist eine von denen“, sagt ein Mann hinter mir. An diesem Abend zeigen zahlreiche Plakate die Gesichter der getöteten Pariser Karikaturisten. Auf einem steht: „Opfer der Fairständnis-Presse“. Gleich daneben: Bilder geballter Fäuste, die Bleistifte umfassen. Dieser Dualismus ist hier allgegenwärtig. Schmähkritik an den Medien wird begleitet von Pressefreiheitsforderungen. Lutz Bachmann, einst das Gesicht von Pegida, bevor er sich mit seinem Hitlerbild unfreiwillig selbst entmachtete, heißt die Medienvertreter über einen Lautsprecher herzlich willkommen. Die Masse buht. Sekunden später ertönen die ersten „Lügenpresse“-Rufe, und mir wird unwohl. „Leute wie die muss man anspucken“, höre ich es neben mir zischen. Das ist der Moment, in dem ich den Block wegstecke.

Pressefreiheit in Deutschland schützen

Es ist sicherlich keine dramatische Geschichte, die ich da erzähle. Kollegen erging es bei Pegida und ihren Ablegern schlechter. Es wurden Kameras aus der Hand gerissen, zuletzt schlug ein Demonstrant in Berlin mit einer Fahnenstange auf einen Journalisten ein. Die Fachjournalistin für Rechtsextremismus, Andrea Röpke, berichtete bei einer Veranstaltung in Berlin davon, wie Hooligan-Gruppen in Leipzig auf Reporter losgegangen sind. Röpke, die vor allem unter Neonazis recherchiert, erlebt solcherlei körperliche Angriffe und Drohungen öfter. Dresden war für mich ganz persönlich ein Alarmsignal. Mit Pegida scheinen verbale und körperliche Attacken gegen Medienvertreter im Mainstream angekommen zu sein. Bei aller zulässigen Kritik an so mancher grenzwertigen Berichterstattung: Es darf nicht sein, dass Medienschaffende an ihrer Arbeit gehindert werden – oder sich gar nicht mehr erst trauen, offen als Journalisten aufzutreten. Am Tag der Pressefreiheit kritisieren Journalistenverbände vermehrt und zu Recht die Menschenrechtslage in anderen Ländern der Welt, und das ist auch berechtigt. Mehr denn je ist es dieser Tage aber wichtig, den Blick auch nach innen zu richten. Auch hier ist Pressefreiheit nicht selbstverständlich. (pro)
https://www.pro-medienmagazin.de/journalismus/detailansicht/aktuell/medien-und-masse-handfeste-beziehungskrise-91887/
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https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/detailansicht/aktuell/die-medien-haben-pegida-gross-gemacht-91207/
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