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„Die Lage ist hochdramatisch“

Dem Jemen droht eine Hungersnot und ein jahrelanger Bürgerkrieg im Land will nicht enden. pro hat bei der christlichen Entwicklungshilfeorganisation „World Relief“ nachgefragt, wie schlimm die Lage vor Ort wirklich ist und was nun geschehen muss.
Von PRO
Nicht nur alte Menschen und Kinder leiden im Jemen. Millionen sind von einer Hungersnot bedroht.

Foto: World Relief

Nicht nur alte Menschen und Kinder leiden im Jemen. Millionen sind von einer Hungersnot bedroht.

pro: Die Vereinten Nationen warnen derzeit davor, dass im Jemen bald 14 Millionen Menschen hungern werden. Wie dramatisch ist die Lage in Ihren Augen und was wissen Sie von den Menschen vor Ort?

Martin Knispel: Ich habe dazu gerade Rücksprache mit unserer Länderbeauftragten gehalten. Im Jemen brauchen 22 Millionen Menschen humanitäre Hilfe oder anderweitige Unterstützung. Die Leben von über elf Millionen sind akut gefährdet. Fast 19 Millionen Menschen kämpfen mit Hunger und wir erwarten, dass die Zahl in den kommenden Wochen um 3,5 Millionen steigt. Darunter sind fast zwei Millionen Kinder. Millionen von Familien in Jemen könnten aufgrund einer sich verschärfenden Wirtschaftskrise und anhaltender Gewalt besonders in der Hafenstadt Hudaydah bald ohne Nahrung, sauberes Wasser oder sanitäre Einrichtungen sein. Die Kosten für Nahrungsmittel, Treibstoff und Wasser sind in die Höhe geschossen, weil der Wert der Landeswährung stark gesunken ist. Die Wasser- und Abwasserdienste sind aufgrund der steigenden Treibstoffpreise vom Zusammenbruch bedroht. Das wiederum könnte zu Krankheitsausbrüchen und vermehrter Unterernährung führen – beides in Kombination mit Ernährungsunsicherheit erhöht das Risiko einer Hungersnot. Die Lage ist also hochdramatisch.

Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) warf der Internationalen Gemeinschaft jüngst mit Blick auf den Jemen „Tatenlosigkeit“ vor. Hilfswerke, die dort arbeiten, seien massiv unterfinanziert. Stimmt das?

Am 10. Oktober wurden dazu Zahlen veröffentlicht: Es fehlen 950 Millionen US-Dollar, um die humanitäre Lage zu verbessern. Zeitgleich wird die Situation vor Ort immer dramatischer. Es ist nun von großer Bedeutung, dass die Internationale Gemeinschaft ihren Blick in Richtung Jemen lenkt und aktiv eingreift, auch politisch auf der Verhandlungsebene.

Im Jemen herrscht seit Jahren Bürgerkrieg zwischen der schiitischen Bewegung der Huthi und der Regierung. Saudi-Arabien und Iran sind involviert. Einfach erklärt: Warum kommt es nicht zum Frieden?

Die politische Situation wird von innen und von außen gesteuert, sodass eine Lösung mit den sich streitenden Parteien nur erfolgreich sein kann, wenn ihre jeweiligen Unterstützer zur Vernunft kommen. In erster Linie müssen sich die Konfliktparteien innerhalb des Landes an einen Tisch setzen und einen Weg für eine gemeinsame Zukunft finden. Hier gab es schon Ansätze, die durch den Eingriff von außen zum Erliegen kamen. Die Weltgemeinschaft muss auf Saudi-Arabien und den Iran einwirken, dass sie die massiven Eingriffe beenden, sonst wird es kaum zu einer Lösung für die notleidende Bevölkerung kommen.

Was können unsere Leser tun, um den Menschen im Jemen zu helfen?

Unsere Länderbeauftragte für den Jemen weist darauf hin, dass für uns als Christen das Gebet für den Jemen und seine Menschen grundlegend wichtig ist. Wir nehmen auch gerne Spenden für den Jemen und unsere Projekte vor Ort in Empfang. Aber auch hier ist es wichtig, dass Menschen, die den Jemen auf dem Herzen haben, das Thema immer wieder ins Gespräch bringen, auch gegenüber politischen Mandatsträgern.

Foto: pro/Anna Lutz

Martin Knispel ist Vorstand von „World Relief“. Die Organisation leistet weltweit Entwicklungshilfe, neben dem Jemen unter anderem im Irak oder Syrien.

Die Fragen stellte Anna Lutz

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