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Die Kirche macht sich bereit für die Minderheit

Die Evangelische Kirche skizziert in ihrem Papier „Kirche auf gutem Grund“, wie sie sich auf diese Zeit mit noch weniger Mitgliedern und begrenzten Ressourcen einstellen will. Aus dem Papier sprechen Zuversicht, überraschende Flexibilität und viel Evangelium. Ein Kommentar von Jonathan Steinert
Von PRO
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Immer weniger Menschen gehören der Kirche an
Immer weniger Menschen gehören der Kirche an

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) bereitet sich darauf vor, dass Christen und Kirchenmitglieder in absehbarer Zeit in Deutschland eine Minderheit sein werden. Noch gehören ihr oder der Katholischen Kirche rund die Hälfte der Deutschen an. Aber das wird sich in wenigen Jahren ändern – der Trend geht straff nach unten. Ein von der EKD-Synode 2017 eingesetztes Zukunftsteam hat im Papier „Kirche auf gutem Grund“ nun elf Leitsätze vorgelegt, was das für die kirchliche Arbeit heißen wird. Die darin skizzierten Ansätze sind vielversprechend. Der Charakter des Papiers spiegelt den Ernst der Lage wider, ohne dabei mutlos zu wirken. Im Gegenteil: Aus einem realistischen nüchternen Blick auf diese Entwicklung folgen zuversichtliche und mutige Perspektiven, wie die Kirche sich auf die neue Situation einstellen und sie gestalten will. Und in manchen Punkten überraschen die Autoren regelrecht damit, wie beweglich sie sich die Kirche der Zukunft vorstellen.

Das betrifft zum einen eine Reihe organisatorischer Fragen. Etwa das Ziel, die kirchliche Verwaltung zu verschlanken und Doppelstrukturen abzubauen. Oder auch eine Offenheit dafür, Gemeinde nicht mehr in erster Linie ortsgebunden als „Kirche im Dorf“ zu verstehen, sondern flexible, auf die jeweilige Situation zugeschnittene Formen für gottesdienstliche Treffen und Kasualien zu fördern. Und vor allem die Idee, Menschen nicht nur durch Taufe und klassische Mitgliedschaft in der Kirche eine Heimat und Zugehörigkeit zu ermöglichen. Selbst Entlastungen bei der Kirchensteuer sind vorstellbar. Erfreulich, dass die Evangelische Kirche sich nicht von ihren eigenen Strukturen ins Korsett gezwungen sieht!

Einer der angesprochenen Punkte betrifft auch die weniger werdenden Geistlichen. Das Ehrenamt soll gestärkt und gefördert werden, wohl wissend, dass das die Arbeit von Hauptamtlichen nicht ersetzen kann. Auch strebt das Zukunftsteam eine stärkere ökumenische Zusammenarbeit an, um Kräfte zu bündeln. Hier wird die Frage erneut zu diskutieren sein, inwiefern auch Absolventen von privaten oder von evangelikalen Verbänden getragenen theologischen Hochschulen leichter in landeskirchliche Dienste einsteigen können.

Fest gegründet in Jesus Christus

Wesentlich an dem Papier erscheint aber noch etwas anderes: der immer wieder betonte Bezug auf das Evangelium und den Auftrag, eben dieses zu bezeugen. Dem sollen alle Maßnahmen dienen, heißt es. Auch bei öffentlichen gesellschaftlichen oder politischen Äußerungen müsse die Motivation durch die Bibel und den Glauben an Jesus Christus deutlicher werden. Die „Weitergabe evangelischen Glaubenswissens“ werde an Bedeutung gewinnen, schreiben die Autoren – sowohl innerhalb der Kirche selbst wie auch als Zeugnis nach außen.

Das ist deshalb so wichtig, weil es nicht allein ein Problem der Kirchen ist, dass sie Mitglieder und Bindungskraft verliert. Dahinter steckt eine „tieferliegende Glaubenskrise“, stellen die Autoren fest, die Frage nach der Zukunft sei daher eine geistliche. Davon sind andere Gemeinden und Konfessionen genauso herausgefordert. Entscheidend wird in der Zukunft also sein, sich als vielfältige Christenheit gemeinsam und umso fester in dem Grund zu verankern, „der gelegt ist“ – nämlich Jesus Christus. (1. Korinther 3,11). Dann ist Kirche auch in der Minderheit „Kirche auf gutem Grund“.

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