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Die Gottessucherin

Der Bestsellerautor Peter Prange wurde bekannt durch seine historischen Romane und durch die Verfilmung des Buches "Das Bernsteinamulett". In seinem neuen Roman "Die Gottessucherin" erzählt Prange die wahre Geschichte von Gracia Mendes, einer Jüdin, die im 16. Jahrhundert von ihrem Volk als "neue Königin Esther" verehrt wurde. Sie bewahrte Tausende zwangsgetaufter Juden vor der Inquisition.

Von PRO

Foto: Verlag

Prange beschreibt Gracia Mendes, die mit christlichem
Namen Beatrice de Luna hieß, "als eine überragende Gestalt der jüdischen
Geschichte", aber auch als "eine der größten und bedeutendsten
Frauen, die in Europa jemals gelebt haben". Mit seinem knapp 800 Seiten
starken Roman setzt der Autor ein Denkmal für eine Frau, die damals Königen und
Päpsten die Stirn bot, deren Namen aber heute kaum bekannt ist. "Was mich
interessiert, sind große Geschichten aus der Geschichte, die über unseren
Alltag hinausweisen, Geschichten, die zeigen, was die eigentliche Bedeutung des
menschlichen Lebens ausmachen kann", so der Autor. 

Juden im Zwiespalt zwischen Glaube und Kirche

Als Kind erlebte Gracia gemeinsam mit ihren Eltern die Zwangstaufe, eine gewaltsame Aktion des portugiesischen Königs und der katholischen Kirche, bei der Juden gegen ihren Willen auf den katholischen Glauben getauft wurden. Während sie nach außen hin den katholischen Glauben leben, Gottesdienste besucht und gelernt haben, das Vaterunser zu beten, pflegen die portugiesischen Juden, in Portugal Marranen genannt, die jüdischen Bräuche im Geheimen. Dies wird anfangs von der katholischen Kirche geduldet, später aber erbittert bekämpft. Nach dem Tod ihres Mannes Francisco führt Gracia die Geschäfte des Handelshauses Mende und nutzt ihre Macht, um verfolgten Juden auf den Handelsschiffen der Firma zur Flucht aus Portugal zu verhelfen.  

"Glaube gibt dem Leben Richtung und Orientierung – ein unschätzbarer Wert angesichts der ungeheuren Fülle von Möglichkeiten, die das Leben heute bietet", sagt Peter Prange, der als Student aus der katholischen Kirche ausgetreten ist, auf seiner Internetseite.  Er habe immer schon Menschen beneidet, die sich ihres Glaubens sicher seien.

Wegen ihres Glaubens muss Gracia vor der Inquisition fliehen, da sie für die Kirche als Katholikin gilt, und die Ausübung des jüdischen Glaubens für die katholischen Mächtigen als Sünde gilt. Es beginnt eine etwas ausschweifend erzählte Reise durch Europa. Von Lissabon über Antwerpen und Venedig sucht sie Zuflucht, erlebt immer wieder Verfolgung und Judenhass. In Italien gibt sie 1550 die erste Übersetzung der Bibel ins Spanische in Auftrag – die "Ferrara-Bibel" entstand.

Ihr letztes Domizil findet sie, für heutige Verhältnisse verblüffend, bei den Muslimen in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul. Dies war damals der einzige Ort Europas, an dem Juden ihren Glauben frei ausüben konnten. Gracia ist eine starke, aber widersprüchliche Frau. Einerseits getragen durch den jüdischen Glauben, plagen sie immer wieder Zweifel am Glauben. Immer wieder gerät sie in ethische Zwickmühlen, die sie eher pragmatisch löst und dabei den Verstoß gegen jüdische Gesetze nicht scheut.

Durch Zweifel zu Gott finden

Prange beschreibt eindringlich die Zweifel und Widersprüche dieser historischen Persönlichkeit. Ihren Wunsch, gemäß dem jüdischen Glauben zu leben und dies anderen ebenfalls zu ermöglichen, aber auch, wie sie sich entschlossen und mutig den Machthabern entgegenstellt. Gracia Mendes führt einen lebenslangen Kampf gegen Judenverfolgung und Machtmissbrauch. Darüber stellt sie persönliche Interessen zurück und verlangt dies auch von ihren Angehörigen. Sie scheut nicht davor zurück, ihrem todkranken Mann Francisco Sterbehilfe zu leisten – um den katholischen Sterbesakramenten zu entgehen. Später verschachert sie in einem Vertrag  ihre Tochter an den Verwandten des Sultans von Konstantinopel – als Gegenleistung, um vom Sultan in Tiberias eine jüdische Siedlung gründen zu dürfen.  

 Am Ende kämpft sie an allen Fronten – gegen ihre Tochter, ihre Schwester, ihren Rabbi, gegen ihre eigenen Zweifel.  Und sie muss erkennen, dass sie über dem Kampf für den Glauben ihren persönlichen Glauben und Zugang zu Gott schon lange verloren hat.

Dass Peter Prange von sich sagt, er habe seinen Glauben vor vielen Jahren verloren, merkt der Leser dem Roman nicht an. Der Autor hat sich gründlich in jüdische Bräuche, Sitten und Denkweisen eingearbeitet. Im Roman spiegelt sich an einigen Stellen seine eigene Hoffnung wider, dass der Zweifel, wie es die jüdische Auffassung sagt, nicht der schlechteste Weg ist, um sich Gott zu nähern. Ein Buch, das auch heute aktuell ist – und den Leser vor die Frage stellt, welchen Stellenwert sein persönlicher Glaube hat. 

Die Bücher von Peter Prange wurden in insgesamt 19 Sprachen übersetzt und erreichten bisher eine internationale Gesamtauflage von über 2,5 Millionen Exemplaren.

"Die Gottessucherin" ist im Verlag Droemer erschienen und kostet 22,95 Euro.

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