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Die Freiheit als des Glückes Unterpfand

In seinem Buch "Freiheit. Ein Plädoyer" hat Joachim Gauck, Bundespräsident in spe, einen wichtigen Aspekt seines Denkens in konzentrierter Form vorgetragen. Es geht ihm nicht um eine theoretische Abhandlung. Seine Gedanken zur Freiheit entspringen seiner Lebenserfahrung. Sein Aufruf gilt einer Freiheit mit Augenmaß. Seine Forderung ist, diesen Wert selbstbewusster zu vertreten.
Von PRO

Foto: Kösel Verlag / Sebastian Hillig (CC BY-NC)

Nicht als Lehrer, sondern als Zeitzeuge und "Liebhaber der Freiheit" möchte Gauck sich verstanden wissen. Und seinen Lesern dennoch etwas beibringen: Dass das Leben in Freiheit gelernt sein will. Dass der richtige Umgang mit der Freiheit für jeden Menschen der einzige Weg zum Glück ist. Aus diesem Grund sei Freiheit in Verbindung mit Verantwortung und Toleranz nichts weniger als die Grundlage für eine "globale Leitkultur".

Plädoyer gegen falsche Toleranz

Der Inhalt des schmalen, ästhetisch anmutenden Bandes geht auf eine Rede zurück, die Gauck im Januar 2011 zum Neujahrsempfang an der evangelischen Akademie Tutzing gehalten hatte. Der Text zeigt, dass Gauck keine Scheu davor hat, anzuecken – wenn er etwa vor versammelten Theologen die evangelische Kirche rügt. Vor allem aber wirbt Gauck dafür, die Werte des Westens nicht zu verwässern, sondern selbstbewusst zu vertreten.

Verwässerung der Werte und eine gefährliche Toleranz wirft Gauck der Evangelischen Kirche vor, die während des Kalten Krieges einer naiven Entspannungspolitik das Wort geredet hatte. Damit habe sie umgekehrt den Terror des Kommunismus’ geduldet: "Unsere Evangelischen Akademien und Studentengemeinden waren eben nicht immer der besondere Hort des Heiligen Geistes, sie waren und sind manchmal auch Spielwiesen des Zeitgeistes."

Diese Haltung der Kirche, die Gauck aber auch in der Politik bei SPD und Grünen ausmacht, gründe in einer falsch verstandenen Freiheit, die alles duldet. Manche dächten, "liberal" bedeute "ohne Überzeugung", und genau dies sei verantwortungslos. "Es ist wichtig zu begreifen, dass wir der Toleranz nicht dienen, wenn wir unser Profil verwässern, sondern indem wir uns umgekehrt unserer eigenen Werte vergewissern."

Glück beginnt mit Freiheit zur Verantwortung

So verstanden ist Gaucks Plädoyer für die Freiheit zugleich ein Plädoyer gegen eine ungezügelte Freiheit, die alles duldet und keine Verantwortung kennt. Denn Glück beginne erst dort, wo der Mensch in seiner Freiheit Verantwortung  für seine Umgebung übernimmt. Nicht die Freiheit, die Bindungslosigkeit ist, sondern diejenige, die zur "Lebensform der Bezogenheit" führt, sei die dem Menschen angemessene Freiheit.

Gauck weist auch darauf hin, dass es Mut braucht, diese Verantwortung zu übernehmen. Besonders die Menschen der ehemaligen DDR, deren Freiheit erheblich eingeschränkt war, hätten nach 1989 erst lernen müssen, ihre gewonnene Freiheit aktiv zu gestalten: "Zu üben ist also nicht eine Fähigkeit, die wir mühsam studieren müssen, zu üben ist die Bereitschaft, Ja zu sagen zu den vorfindlichen Möglichkeiten der Gestaltung und Mitgestaltung."

Der Glaube verankert Werte

Doch sei dies dem Menschen gerade aufgrund seiner Gottesebenbildlichkeit möglich. Nicht dass Ungläubige nicht in Verantwortung leben könnten. Doch für Gauck schafft es der Glaube, diesen Wert besser zu verankern: "Für mich ist die religiöse Wertsetzung so stark, weil sie in Tiefen meiner Seele reicht, in der die intellektuellen Begründungen für Wohlverhalten und Menschlichkeit nicht gegründet sind."

In seinem Text macht Gauck vor, was er selbst einfordert: Denn es gehört Mut und Selbstbewusstsein dazu, vom Wert der gemäßigten Freiheit, wie sie vor allem in Europa vorzufinden ist, als einziger wirklichen politischen Alternative zu sprechen. Damit verbunden ist die Aussage, Europäer dürften sich ruhig mal über die Errungenschaft einer "bewahrenden und schützenden Freiheit" freuen. Gaucks Schrift ist somit ein vorbildliches und wohltuendes Plädoyer. (pro)

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