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Die Familie hat das Nachsehen

Der frühere Arbeitsminister Norbert Blüm (CDU) beklagt in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung eine „Totalisierung der Erwerbswirtschaft“ zum Nachteil der Familie. Die Welt am Sonntag rechnet vor, wie der Staat Kinderlose bevorzugt.

Von PRO

Foto: Thoma (CC BY-SA 3.0)

Blüm kritisiert, dass neoliberales Denken, bei dem Wahlfreiheit die höchste Form der Freiheit sei, in der persönlichen Lebensgestaltung Anwendung findet. Dies sei nicht angemessen, denn eine Mutter habe mit Familie und Beruf nicht zwei gleichwertige Optionen: „Mütterliche Zuwendung steht jedem Kind zu, und weder Vater noch Staat können sie erbringen.“

Da wirtschaftliches Denken jedoch dominiere, gelte es als erstrebenswert, die Erziehung des Kindes möglichst schnell abzugeben, um in das Berufsleben zurückzukehren. Arbeitgeber und Gewerkschaften förderten dies, da die Wirtschaft davon profitiere und es kostensparend sei. „Obendrein kann die Wirtschaft den an Tisch und Bett, Kind und Kirche geketteten Frauen einreden, sie würden endlich von ihrer Knechtschaft erlöst.“

Warnung vor „Logik des Egoismus“

Der 78-Jährige betont, er wolle nicht in die Zeiten zurück, in denen Frauen „häusliche Pflichten“ zugewiesen wurden. Falsch sei es jedoch, Familienarbeit nicht anzuerkennen. „Arbeit ist nur Arbeit, wenn sie Erwerbsarbeit ist – so borniert ist man nie zuvor gewesen.“ Mit dieser Denkart würden Frauen etwa im Scheidungsfall bestraft. Ihre Familienarbeit finde dann zu wenig Anerkennung, wenn es um die Unterhaltspflicht des Mannes geht.

Eine weitere Folge der Vorherrschaft wirtschaftlichen Denkens sieht Blüm, der von 1982 bis 1998 Arbeitsminister im Kabinett Kohl war, in der Abschaffung des Ehegatten-Splittings. Dies „degradiert die Ehepartner zu selbstständigen Steuerzahlern, die nichts miteinander zu tun haben“. Blüm warnt vor weiteren Schritten nach dieser „Logik des Egoismus“, etwa die Abschaffung der beitragsfreien Mitversicherung für Ehefrau und Kinder.

Welt am Sonntag: Kinderlose profitieren

Die Welt am Sonntag befasst sich in ihrer Titelgeschichte ebenfalls mit wirtschaftlichen Aspekte der Familie. Wie der Sozialforscher Martin Werding errechnet hat, beschere jedes Kind der öffentlichen Hand 50.000 Euro im Laufe seines Lebens – trotz der 156 Zuwendungen für Familien. Von dem Geld profitierten dann auch Kinderlose.  (pro)

Gegenüber der Welt am Sonntag erklärte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), Kinderreichtum in Zukunft steuerlich belohnen zu wollen. Das Ehegatten-Splitting solle auf ein Familien-Splitting erweitert, Kindertagesstätten und Ganztagsschulen ausgebaut werden. Der Kanzlerkandidat der SPD, Peer Steinbrück, kündigte an, im Falle eines Wahlsiegs Gebührenfreiheit für Kindertagesstätten durchzusetzen. (pro)

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